Meine Kommissare

Alexander Oetker: Frankreich

Retour

Retour

Jetzt fang ich noch mal von vorn an und beginne bei Luc Verlains erstem Fall (nachdem ich vor einigen Tagen eine Rezension zu Band vier geschrieben habe). Mir fiel nun mal der letzte Band zuerst in die Hände und da er mir sehr gut gefiel, will ich mich auch mit den davor erschienenen befassen.
Also, zurück auf Los, wie es bei MONOPOLI heißt und die Leser erfahren "wie alles begann".
Luc Verlain läßt sich aus privaten Gründen für eine überschaubare Zeit in seine Heimat an der französischen Atlantikküste versetzen. Er war Leiter der zweiten Pariser Mordkommission und zwar sehr erfolgreich. Für einen überzeugten Junggesellen und umtriebigen Lebemann geradezu eine Zäsur in seinem Leben.
Die neuen Lebensumstände, privat wie beruflich, unterscheiden sich gewaltig. Aus Pariser Sicht ist dieser Teil Frankreichs in erster Lnine Urlaubsparadies. Gewiss haben die namhaften Weinanbaugebiete und die regionale Küche ihre Vorzüge - das wars dann aber auch. Und was die Bandbreite der Ermittlertätigkeiten angeht, so zählt ein schwerer Einbruch bereits zu den besonderen Vorkommnissen. Was, so fragen sich die neuen Kollegen und die Ranghöheren insgeheim, will dieser Luc Verlain hier?
Das fragt sich Luc auch.
Den ersten Zusammenprall erlebt der Neue innerhalb und nicht außerhalb des Kommissariats. Hahnenkampf nennt man so eine Begegnung. Da markiert ein Baske mit Worten und Gesten in sehr deutlicher Form sein Revier.
Na toll.
Das Urlaubsfeeling, die Beschreibung guten Essens und Trinkens nehmen den Leser mehr und mehr ein. Er streckt sich unsd lässt die Stimmungsbilder auf sich wirken - bis ein totes Mädchen gefunden hat.
Aufrechte Sitzhaltung, verbunden mit leicht erhöhter Aufmerksamkeit.
Die Umstände des Todes sind rätselhaft. Es bilden sich zwei Lager. Es gibt kein "vielleicht" oder "möglicherweise" mehr, sondern nur noch :Der war es und kein anderer.
Zwei Lager entstehen auch im Kommissariat. Das ist schlimm, sehr schlimm sogar.
Die Ermittlungsarbeit wird mehr und mehr überschattet von Emotionen, Drohungen und ersten Tätlichkeiten.
Und mittendrin: Der neue Ermittler.
Der Leser sitzt jetzt leicht vornübergebeugt und will nicht mehr gestört werden.
Ach ja, der Autor verteilt auch Streicheleinheiten. In erster Linie sind sie für Luc gedacht. An diesem Punkt habe ich endlich verstanden, warum auch meine Frau so von Alexander Oertker geschwärmt hatte. 
Retour erschien im März 2017 bei Atlantik im Hoffmann und Campe Verlag. 

Alle Rezensionen von Alexander Oetker

Facebook