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Alexandra Bleyer: Österreich

Waidmannsdank

Waidmannsdank

Genau 2.284 Einwohner hatte man am 1. Januar 2016 (der in Österreich allerdings Jänner heißt) in Obervellach gezählt. Der kleine Ort liegt 686 Meter hoch und ist umgeben von einer zauberhaften Bergwelt. Bei einem Besuch der örtlichen Website www.obervellach.gv.at erfährt man mehr.
Man kann aber auch Waidmannsdank lesen und sich von der Autorin langsam mit ihrer Heimat vertraut machen lassen. Denn das, was sie an regionalen Besonderheiten bietet, macht aus ihrer Mordgeschichte einen echten Regionalkrimi. Und damit liegt sie bei mir genau richtig.
Kenntnisreich und versiert ist Alexandra Bleyer aber auch auf anderem Gebiet: Sie versteht etwas von der Jägerei (warum, das steht in ihrer Vita) und sie lässt auf keiner Seite Zweifel an der Herkunft ihrer Akteure aufkommen. Kärntner Mundartausdrücke und die unmissverständliche Beschreibung regionaltypischer Verhaltensmuster der Einheimischen vermitteln auf den 215 Seiten dem Leser ein klares Bild von Tatort und Umgebung.
Zwei Protagonisten, wie sie gegensätzlicher nicht sein können, bietet die Autorin ihren Lesern. Da ist zunächst der neue Revierinspektor Martin Schober, der nach zehn Jahren von der Großstadt Wien in die Kleinstadt Obervellach, die mal seine Heimat war, versetzt wurde. Und dann gibt es noch den Josef Flattacher; er ist Aufsichtsjäger, Hundebesitzer und bei der Mehrzahl im Ort äußerst unbeliebt.
Seine Unbeliebtheit nimmt der Flattacher bestenfalls zur Kenntnis, sieht aber keine Notwendigkeit, sich zu ändern. Das Jagen geht ihm über alles, jegliche Unregelmäßigkeit im Revier oder gar unwaidmännisches Verhalten ahndet er sofort und mit aller Härte. Davon können seine Kameraden der Hubertusrunde ein Lied mit vielen Strophen singen.
In einem Kärntner Krimi wird natürlich anders gemordet als an der Nordseeküste. Trotzdem ist es für alle Beteiligten und Nicht-Beteiligten im Ort schon ungewöhnlich, dass ein Jäger, nämlich der Ernst Huber, durch Sturz von einem Hochsitz zu Tode kommt. In den Mittelpunkt des Interesses bei der Polizeiinspektion und den Bürgern von Obervellach rückt Flattacher von einem Moment auf den anderen, als folgende Umstände bekannt werden: Der Hochsitz gehört dem Flattacher, der Hochsitz ist nagelneu und die obersten Sprossen des Hochsitzes wurden angesägt - letzteres führte zweifelsfrei zum tödlichen Sturz aus fünf Metern Höhe.
Hatte der Flattacher einen Grund, den Huber umzubringen? Bei seiner ausgeprägten Neigung zu Temperaments- und Wutausbrüchen würde ihm so mancher Bürger eine solche Tat schon zutrauen. Nur beweisen müsste man es ihm noch.
Vielleicht hat der Täter den Huber aber für den Flattacher gehalten und den Falschen umgebracht. Fragen über Fragen, der nicht nur die Polizei, sondern auch Flattacher nachgeht, bzw. nachgehen muss, da er zunehmend Druck aus den Reihen der Bevölkerung verspürt, die zu gern aus dem Ungeliebten auch einen Täter machen würde. Aus den Reihen der Polizei scheint einzig Martin Schober Zugang zum Flattacher zu haben, der dessen Annäherung auch in eigenem Interesse zulässt.
Alexandra Bleyer beschreibt anschaulich und sicher auch mit viel eigener Erfahrung. Sie weiß, was es braucht, um die Volksseele zum Kochen zu bringen.
Waidmannsdank ist viel mehr als ein „Heimatkrimi“. Ein spannender Regionalkrimi mit viel Lokalkolorit und kräftiger Sprache.
„Alexandra Bleyer, geboren 1974 in Klagenfurt, ist (natürlich mit einem Jäger) verheiratet und lebt mit ihrer Familie am Millstätter See. Die promovierte Historikerin ist Autorin mehrerer populärer Sachbücher. In ihren in Oberkärnten angesiedelten Krimis kann sie ganz ungestraft mörderische Energien freisetzen.“ So steht es in ihrer Vita, die ich auf ihrer Website www.alexandrableyer.at fand. Waidmannsdank erschien im April 2016 bei emons:. Es ist der erste Krimi von Alexandra Bleyer.

 

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