Meine Kommissare

Andrea Camilleri: Sizilien

Die Form des Wassers

Die Form des Wassers

Er ist der Oldie seiner Zunft. Der Autor wurde 1925 in Porto Empedocle geboren und war in seiner Heimat bis etwa 1978 nur als Drehbuchautor und Regisseur bekannt. Er lebt heute mit seiner Frau in Rom, im Stadtteil Trastevere. Wer schon mal dort war, wird Camilleri verstehen.
Neunzehn Krimis um Commissario Salvo Montalbano hat er bisher geschrieben, über zwanzig historische Romane und etliche Kurzgeschichten.
Egal, was er schreibt, Camilleris Sprache ist prall, unmissverständlich und maßlos direkt. Was bei anderen schlüpfrig oder anzüglich klingen würde, das hat bei diesem Autor Stil und Klasse. Wo andere ausweichen, kommt er zur Sache. Schnell und direkt.
Endlich lerne ich den Unterschied zwischen Sizilien und dem Rest Italiens kennen, bekomme ein Verständnis für Verhaltensmuster in süditalienischen Köpfen und begreife die Wichtigkeit einer Mahlzeit. Ob allein oder mit Freunden.
Die Region und ihre Menschen stehen bei Camilleri an erster Stelle. Äußerst liebevoll beschrieben und scharf gezeichnet. Und jeder Figur widmet er die gleiche Aufmerksamkeit.
Das sind Regionalkrimis im wahrsten Sinne des Wortes.
Zwei Leidenschaften besitzt Commissario Montalbano, von seinen Freunden Salvo genannt, in besonders ausgeprägter Form: Essen und Ermitteln. In beiden Dingen versteht er keinen Spaß. Die tägliche Mahlzeit in seinem Lieblingslokal ist ein Ritual, das er ungestört genießen möchte. Auch Ermitteln möchte er am liebsten allein. Sehr zum Ärger und Verdruss seiner wirklich sympathischen Kollegen im Kommissariat von Vigàta. Seiner Verlobten Livia geht es nicht besser. Zu ihrem Leidwesen und seinem Wohlbefinden (nein, er ist ihr treu) pflegen sie eine Fernbeziehung mit nicht zu häufigen Treffen.
So stur Montalbano in der Verfolgung seiner Ziele ist und dabei auch enge Freunde durch Schroffheit vorübergehend verprellt, so feinfühlig wird er beim Lesen von Belletristik. Manchen, die sein ungehobeltes Verhalten mit fehlender Bildung verwechseln, erschlägt Montalbano mit Worten, wobei er das Florett führt – nicht das Schwert. 
Camilleri gibt sich große Mühe, die Verhaltensweisen der Sizilianer und ihren Umgang miteinander zu beschreiben. Das ist auch notwendig, da die von Montalbano aufgeklärten Verbrechen häufig so skurril und zumindest für den deutschen Leser so ungewöhnlich sind, dass er zunächst einmal lernen muss, die Menschen, also die Akteure, zu verstehen. Mich beschleicht manchmal das Gefühl: Solche Morde gibt es bei uns in Deutschland gar nicht. 
Siebenunddreißig Bücher von Andrea Camilleri stehen in meinem Regal. Ich greife nach irgendeinem und beginne zu lesen und entdecke stets neue Details.
Seine Website www.andreacamilleri.net gibt es leider nur in italienischer Sprache. Glücklich, wer des Italienischen mächtig ist.
Wer mehr über Commissario Montalbano und das von Andrea Camilleri beschriebene Sizilien erfahren möchte, dem empfehle ich bei Wikipedia Andrea Camilleri einzugeben. Hier steht wirklich Wissenswertes, was das Verstehen und Eintauchen in die Geschichten erleichtert.   
Wem die Krimis gefallen, sollte sich unbedingt auch die deutschen Verfilmungen anschauen. Mehr über die Drehorte erfahren Sie gleichfalls bei Wikipedia. Mir gefallen die Montalbano-Filme sehr gut. Sie wirken außerordentlich realistisch und zum Glück nicht verfälscht. 
Ich wollte eigentlich jegliche Bewertung vermeiden. Aber an dieser Stelle komme ich nicht umhin zuzugeben: Ich bin ein großer Bewunderer von Andrea Camilleri und seinem Commissario.
Die Bücher erscheinen sämtlich bei Bastei Lübbe.

 

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