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Barbara Krohn: Neapel

Was im Dunkeln bleibt

Was im Dunkeln bleibt

Die Hamburger Journalistin Sonja Zorn hat sich in Commissario Gennaro Gentilini aus Neapel verliebt und besucht ihn für eine Weile in seiner Stadt. Nur so kann sie feststellen, ob aus ihrer Beziehung etwas „Ernstes“ werden könnte.
Dieses Szenario kommt Ihnen bestimmt bekannt vor?
Mir fällt zu dieser Paarung die Münchener Kommissarin Laura Gottberg ein, die von Zeit zu Zeit ausgerechnet dienstlich in die Toskana reisen muss, um dort weiter ermitteln zu können. Und dort, in Siena, trifft sie ausgerechnet auf ihren Freund Commissario Guerrini. Und dann arbeiten die beiden zusammen und verbringen auch noch eine schöne Zeit miteinander. Doch dazu an anderer Stelle mehr.
Ja, Was im Dunkeln bleibt ist ein Regionalkrimi. Denn Barbara Krohn kennt sich in Neapel gut aus. Die 1957 in Hamburg geborene Autorin hat Germanistik und Italianistik studiert und war anschließend vier Jahre lang Lektorin an der Universität Neapel. Seit 1992 lebt sie mit ihrem Mann und zwei Kindern in Regensburg.  

Sie schreibt seit 1998. In der Commissario Gentilini-Reihe erschienen zwischen 2006 und 2008 drei Bände. Was im Dunkeln bleibt ist ihr zweiter. Auch der erste Band Die Toten von Santa Lucia und der dritte, mit dem Titel Die achte Todsünde, erschienen im Goldmann-Verlag. Danach habe ich aus Neapel nichts mehr gehört. Schade.
Mehr über die Schriftstellerin Barbara Krohn erfahren Sie auf ihrer Website www.barbara-krohn.de.
Aufklären soll Commissario Gentilini den Mord an einer jungen schwarzen Frau, die in den Ausgrabungsstätten von Pompeji gefunden wird. Und das ausgerechnet während Sonja ihn besucht und er mehr Zeit für amore haben sollte. Doch statt zu schmollen, weil Gentilini das Büro der Wohnung vorzieht, stellt sie ihre eigenen Recherchen an.
Der Leser erlebt die klassische Ermittlungsarbeit der Polizei, Irrungen und Wirrungen eines deutsch-italienischen Liebespaares, wird neugierig gemacht auf Neapel und konfrontiert mit dem bemitleidenswerten Schicksal schwarzer Menschen, die auf eine hauchdünne Chance eines lebenswerten Lebens fernab ihrer Heimat hoffen.
Der Handlungsablauf wird geprägt von der Beschreibung typischer italienischer Verhaltensweisen. Italienische Männer und Frauen, und vor allen Dingen süditalienische, verhalten sich in bestimmten Situationen und Lebensabschnitten nun einmal anders als beispielsweise Deutsche.
Gentilini ist fleißig, wird von seinen Kollegen geschätzt und genießt das Ansehen seines Vorgesetzten. Er ist geschieden, hat zwei fast erwachsene Kinder, doch wird der Leser verschont von Kleinkrieg-Schilderungen und lästigen Störmanövern. Manch ein Autor oder eine Autorin hätte hier mehr draus gemacht – nicht so Frau Krohn.
Der Commissario ist Neapolitaner mit Leib und Seele. Er lebt gern in dieser Stadt, aber die Beobachtungen, die er beim täglichen Gang durch die bürgerlichen Viertel macht, geben ihm zu denken und dämpfen seine Lebensfreude.    

Barbara Krohn beschreibt den Ort der Handlung, Neapel und die Ausgrabungsstätte, fast spielerisch nebenbei. Sie bietet dem Leser handfeste Informationen über den täglichen Lebenskampf der unteren Bevölkerungsschichten, ohne ihn zu verschrecken. Ich habe bislang Neapel als mögliches Reiseziel ausgeklammert. Nach der Lektüre befinde ich mich zumindest im Stadium ernsthafter Neugier auf diese süditalienische Stadt.

 

 

 

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