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Benjamin Cors: Normandie

Strandgut

Strandgut

Dies ist der erste Kriminalroman des politischen Fernsehjournalisten Benjamin Cors. Er erschien Anfang 2015 bei dtv premium. Der Autor hat viele Jahre für die ARD Tagesschau, die ARD Tagesthemen und den Weltspiegel berichtet. Heute arbeitet er als landespolitischer Korrespondent für den SWR. Er ist Deutsch-Franzose und hat die Sommer seiner Kindheit in der Normandie verbracht.
Diesmal beginne ich mit dem Klappentext, um gleich eines klarzustellen: Der Autor weiß, worüber er schreibt. Egal, ob es die Erzählung oder die Region betrifft. Er kennt sich bestens aus.
Die Genauigkeit, mit der Benjamin Cors schreibt, wirkt fast schon aufreizend. Der Autor zwingt den Leser zur Ruhe und zu höchster Aufmerksamkeit. Das Ergebnis ist eine gleichbleibende Spannung, die langsam aber stetig zum Höhepunkt führt.
Zwei zeitlich versetzte Geschichten werden miteinander verbunden, ehe sie „heute“ zusammentreffen. Schicksale von Menschen, die im Laufe ihres Lebens nie in der ersten Reihe stehen werden, weil sie es nicht wollen oder nicht können und das Schicksal eines Menschen, der mit herzhaftem Egoismus nach ganz oben will. Dazwischen beschreibt Benjamin Cors viele kleine Figuren, die der Leser alle mühelos erkennen und sich vorstellen kann. Stärken, Schwächen, Bosheiten und Nadelstiche werden sorgsam ausgebreitet.
An der Spitze steht der Protagonist Nicolas Guerlain. Der junge Personenschützer,“Bodyguard“ hört er nicht so gern, hat einen unverzeihlichen Fehler gemacht und wird von Paris nach Deauville in die Normandie versetzt.
Nicolas kommt mit sich allein am besten zurecht. Mal verhält er sich spröde, fast abweisend, ein anderes Mal verfolgt er Spuren mit fast kindlichem Eifer, was seine Mitmenschen immer wieder verblüfft. Allerdings ist sein gesamtes Verhalten zielgerichtet. Nimmt er eine neue Witterung wahr, handelt er ohne großartige Erklärungen - unbeirrbar. Rechthaberei ist ihm fremd. Er überzeugt mit Fakten, danach folgt die Erklärung. Schwierig für jemanden, der ihn nicht kennt und der ihm vertrauen soll.
Dieser Kriminalroman bietet zu meiner großen Freude neben der Handlung viel Regionales. Und weil der Autor „die Sommer seiner Kindheit“ in der Normandie verbracht hat, lässt er den Leser an seinen Kenntnissen teilhaben. Nicht in Form blumiger Schilderungen, sondern mit leichten Federstrichen, die genügend Lust machen, diese Ecke Frankreichs kennen zu lernen. Ich war vor einigen Jahren in Honfleur, das liegt etwa eine halbe Stunde mit dem Auto Richtung Nordosten. Nur ein Wort: zauberhaft.
Ein Buch für alle Krimileser und auch für die Lesergruppe, die sich schwer damit tut, Krimis einen literarischen Wert beizumessen.

 

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