Meine Kommissare

C.S. Forester: London

Grausame Schuld

Grausame Schuld

Die Originalausgabe des 1926 in London erschienenen Buches trug den Titel Payment Deferred.  „C(ecil) S(cott)Forester wurde am 27. August 1899 in Kairo geboren. Er studierte Medizin am Londoner Guy´s Hospital, brach das Studium aber ab und machte das Schreiben zum Beruf. Seinen ersten großen Erfolg hatte er 1926 mit Grausame Schuld, 1930 folgte Gnadenlose Gier (dtv 26020). 1932 bekam er das Angebot, Drehbücher für Hollywood zu schreiben. Auf der Rückreise nach England entstand der erste der weltweit erfolgreichen Horatio-Hornblower-Romane. Forester starb am 2. April 1966 in Kalifornien.“ 
So steht es im Klappentext des Anfang des Jahres 2015 bei dtv premium erschienenen Bandes. Vielleicht wäre C.S. Forester ein guter Arzt geworden – ein hervorragender Schriftsteller wurde er auf jeden Fall. 
Und jetzt beginnt der schwierige Teil dieser Rezension. Das Gelesene so zu beschreiben, dass der Autor hinreichend gewürdigt, die Spannung glaubhaft wiedergegeben und dem Krimileser das rechte Maß an Neugierde vermittelt wird. 
Was ist an diesem (neunzig Jahre) altem Buch neu bzw. anders? 
Der übliche Mord zu Beginn einer Handlung fällt aus. Stattdessen wird eine äußerst subtile Geschichte beschrieben. Der Leser wird mit jeder Seite mehr und mehr an dem Geschehen beteiligt. 
Mr. Marble ist die zentrale Figur, um die sich alles dreht. Das ist in erster Linie seine Familie, Ehefrau und zwei halbwüchsige Kinder. Die Anzahl der übrigen Akteure ist sehr begrenzt, der Leser muss sich kaum einen Namen merken. Das würde auch nur ablenken von diesem Familienvater, dessen Gedanken ständig um die eine Sache kreisen, nur diese eine. Er überlegt, sinniert, wägt ab und trinkt. Er schaut aus dem Fenster und hat Angst vor etwas, das Schicksal und Strafe heißt. Wenn er es nur schlau genug anstellt, kann er Einfluss nehmen auf seine Zukunft, auf das eigentlich Unausweichliche. Doch ach, er ist ein Mensch und ein Mann. Und deshalb angreifbar.  
Es gibt keinen Kommissar, keinen Ermittler. Der gesamte Polizeiapparat fällt diesmal aus. Es geht also auch ohne Action und Verfolgungsjagden.  
Statt eines Ping-Pong an Dialogen beschreibt C.S.Forester haargenau Stimmungungen und Personen. Mit dieser Genauigkeit erzeugt er eine Spannung, die über die gesamten zweihundertdreißig Seiten anhält. 
Das ist ganz große Krimi-Literatur – finde ich.   

Alle Rezensionen von C.S. Forester

Facebook