Meine Kommissare

Christiane Franke und Cornelia Kuhnert: Ostfriesland

Wenn Wattwürmer weinen

Wenn Wattwürmer weinen

Wie schaffen die beiden das? Schreiben als Duo und das Buch liest sich wie von einer Feder geschrieben. Ich verrate Ihnen etwas, liebe Leser. Vor etwa zwei Jahren traf ich die beiden Autorinnen in den Räumen des Rowohlt Verlages in Hamburg. Und habe natürlich die Gelegenheit wahrgenommen, genau diese Frage an sie zu richten. Die Antwort: Zwei Lächeln und ein "Das geht, wir verstehen uns."
Jetzt zum Buch, zum achten Ostfriesenkrimi um die Ermittlertruppe Henner, Rudi und Rosa. Na ja, genau genommen ist nur der Dorfpolizist Rudi Ermittler. Henner, der Dorfpostbote, ist im übertragenen Sinne auch Zuträger von mündlichen Nachrichten. Er kommt von Berufs wegen am meisten rum und hört so dies und das. Tja, und dann kommt Rosa. Der Krimifan Rosa kann es einfach nicht lassen, sich "einzubringen", wenn es um Mord und Totschlag geht. Sie ist weder Heldin noch Draufgängerin - sie kann es einfach nur nicht lassen. Allerdings können sich ihre "Ergebnisse" sehen lassen. Also schenkt Rudi ihr von Zeit zu Zeit Gehör. Leider nicht immer und das sind dann stets die Situationen, wo die Leserschaft mit Rosa leidet.
Das Autorinnen-Duo Franke und Kuhnert war sich in Band acht wohl darüber einig, die wesentlichen Figuren der Handlung ein wenig schärfer darzustellen.
Finde ich.
Und um es gleich zu beantworten. Dieser kosmetische Eingriff ist ihnen glänzend bekommen.
Rudi behauptet sich zunehmend gegenüber seinem Kollegen Kriminaloberkommissar Helmut Schnepel. Schnepel ist, mit Verlaub, ein echter Kotzbrocken. Und solche Typen brauchen mal Gegenwind. Die Dialoge zwischen Rudi und Schnepel sind ein nicht unwichtiger Bestandteil der Handlung, sie sorgen für noch mehr Leben. Es ist aber zuweilen auch atemberaubend, welch aberwitzigen Theorien dieser Schnepel in die Welt setzt. Laut und ungehemmt. Ohne Vorsicht und ohne Rücksicht. Genüsslich wartet der Leser geradezu auf die nächste verbale Vollbremsung des Wittmunder Kriminaloberkommissars. Und die kommt. Und er lernt nicht dazu.
Fehlt noch das Leben und Treiben in Neuharlingersiel und Umgebung. Die Autorinnen liefern genau die richtige Dosis "Heimat", die ein solcher Regionalkrimi braucht. Keine überbordenden Schwärmereien, gerade soviel, dass man Lust bekommt, wieder mal dorthin zu fahren.
Oder waren Sie etwa noch nie dort?
Vier Fortbewegungsarten kann ich empfehlen: Zu Fuß (die sportliche Variante), mit dem Rad (größerer Aktionsradius), dem Auto (für großräumige Erkundungen), dem Flugzeug (gemeint ist der Inselflieger von Harle). Suchen Sie sich einen besonderen Anlaß aus, um die Wattlandschaft aus luftiger Höhe zu betrachten. Es ist großartig.
Wenn Wattwürmer weinen erscheint am 16. Februar 2021 bei rororo.

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