Meine Kommissare

Christiane Franke und Cornelia Kuhnert: Ostfriesland

Zum Teufel mit den fiesen Friesen

Zum Teufel mit den fiesen Friesen

Im März 2019 erschien der sechste Ostfriesen-Krimi des Autorenduos. Wer meine Website kennt, der weiß, dass ich gerade den ersten Band dieser Buchreihe rezensiert habe.
Und jetzt kommt der Sprung zu Band sechs.
Das ist spannend – was hat sich wohl inzwischen getan?. 
Ich kann unmittelbar vergleichen (was ist eigentlich ungern tue, weil Vergleiche leicht zu Ungerechtigkeiten führen können). In Zum Teufel mit den fiesen Friesen erkenne ich, dass die wiederkehrenden Figuren „angekommen“ sind. Rudi, Henner und Rosa, die Autorinnen nennen die drei „Das Stammpersonal der Serie“, haben unbestritten ihre festen Plätze. Sehr lobenswert finde ich die Auflistung der sonstigen an der Handlung Beteiligten. Das hilft dem Leser, schließlich legt man das Buch zwischendurch auch mal beiseite. 
Entwickeln sich Rudi, Henner und Rosa zu einem Team? Es hat den Anschein und kann in diesem Band auch nur in Rudis Sinn sein. Schließlich war Rosa Fast-Zeugin als Tjark Ukena erschossen wurde, während er mit seinem Motorrad unterwegs war. Zudem ist Rudi eigentlich mit der Familienzusammenführung beschäftigt: Sein lange verschollen geglaubter Vater kommt zu Besuch. Und Henner? Der ist schwer verliebt und mit dem Verliebt-Sein beschäftigt. Also, zumindest was ihn betrifft. Und da ein Liebesschwur sorgfältig vorbereitet sein will, muss man (also Henner) erst einmal in Ruhe drüber nachdenken.
Während sich die Ermittler, der Dorfpolizist Rudi in Esens und die Kommissare Schnepel und Haueisen in Wittmund, über den rätselhaften Mord an dem Motorradfahrer noch den Kopf zerbrechen, wird Pastor Burkhard Bornschein buchstäblich vor Augen geführt, wie nah Leben und Tod zusammenhängen. Das weiß der Pastor in genau diesem Moment allerdings (noch) nicht, als er nämlich einer Kiterin beim kühnen Sprung zuschaut.
Diese Szene ist eine hübsche Idee der Autorinnen, wenn auch mit etwas viel schwarzem Humor. 
Gut gefällt mir auch, wie Rosa den „Salon Anita“ für ihre Zwecke nutzt. Was da so alles während eines Friseurbesuchs geredet ist für Rosa eine nicht versiegende Quelle an tagesfrischen Informationen.
Rosa macht von dieser Möglichkeit weidlich Gebrauch. 
Neben einem handfesten Krimi bietet das Autorinnen-Duo dem Leser aber auch Wissenswertes zur Geschichte Ostfrieslands – genauer gesagt zum Häuptlingswesen im 14. Jahrhundert. Bei WIKIPEDIA heißt es hierzu:  Die Ostfriesischen Häuptlinge (hovetlinge/hovedlinge) übernahmen im Verlauf des 14. Jahrhunderts Machtpositionen im östlichen Friesland, nachdem die alte egalitäre Verfassung aus der Zeit der Friesischen Freiheit zusehends verfallen war. 
Außerdem läuft Rosa zur Hochform auf (Andeutungen habe ich schon gemacht). Ob Henner in Liebesdingen weiterkommt, will ich nicht verraten. Freuen können Sie sich aber auf die handfesten Auseinandersetzungen zwischen Rudi und seinem Dauerrivalen Schnepel. Von Rücksichtnahme keine Spur. 
Tja, und was mache ich? Ich sitze in Gedanken neben Pastor Burkhard Bornschein und schaue den Kitern zu. Schließlich weiß ich genau, wo er sitzt und zuschaut. In Schillig, da gibt es tatsächlich die Surfschule Windloop. Und bei klarer Sicht sieht man einige der Inseln. 

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