Meine Kommissare

Christof Gasser: Schweiz

Solothurn spielt mit dem Feuer

Solothurn spielt mit dem Feuer

Kritik zu üben ist nicht meine Sache. Dafür bin ich nicht zuständig. Aber in diesem Fall muss es sein, gewissermaßen zur Ehrenrettung des Autors, den ich außerordentlich schätze.
Der Klappentext, den zu wiederholen ich mir jetzt versage, gibt nicht ansatzweise das Geschriebene wieder. In diesem Buch Solothurn spielt mit dem Feuer steht weit mehr drin. Da besteht Lese-Pflicht für alle sachkundigen und ernsthaften Krimileser und für die Freunde Schweizer Krimis ohnehin.
Nach Solothurn trägt schwarz und Solothurn streut Asche ist dies der dritte Band aus der Solothurn-Reihe. Oder soll ich sagen Dornach-Reihe? Bezogen auf den Protagonisten und Ermittler namens Dornach? Nein, damit würde ich den weiteren Figuren Unrecht tun, sie nicht genug würdigen.
Ich bin zu schnell. Immer, wenn ich mich aufrege, bin ich zu schnell.
Diese Geschichte, die sich wie die vorangegangenen Bände zwischen den Mauern Solothurns zuträgt, steht bildlich gesprochen auf drei Säulen: Da geht es zunächst um das Verschwinden eines kleinen Jungen und das rätselhafte Auffinden eines Kinderskeletts. Zusätzliche Sprengkraft im wahrsten Sinne des Wortes erhält die Handlung durch eine akute terroristische Bedrohung für Solothurn.
Wie das zusammenpasst?
Lesen Sie bitte das Buch.
Gleich wichtig ist für mich das Ermittlerteam um Hauptmann Dominik Dornach, das seit dem ersten Band dabei ist. Zum Team gehören Dornachs Stellvertreter, Feldweibel Mike Lüthi, der Leiter der Kriminaltechnik Sebastian Tschanz und die Kollegin Maja Hartmann.
Mit viel Liebe und Hingabe hat der Autor noch drei weitere Damen “geschaffen“, allesamt Einzeltücke mit ganz besonderen Eigenschaften. Lieber Leser, lassen Sie sich auf der Skala zwischen „hart“ und „herzlich“ irgendeinen Begriff einfallen, er würde passen. Die Auftritte dieser Damen muss man genießen. Ich tue es jedenfalls immer wieder aufs neue.
Fehlt noch die dritte Säule. Das ist Solothurn selbst. Liebenswert, detailgenau und anschaulich beschrieben. Dass ausgerechnet dort solch hässliche Dinge geschehen, wie in Solothurn spielt mit dem Feuer beschrieben! Aber ich gebe zu, die Kulisse eignet sich hervorragend.
Der Autor hat es mit seiner Beschreibung Solothurns geschafft, dass ich diese kleine Stadt in den nächsten drei Wochen besuchen werde – neben Basel und Luzern (zwei weiteren Tatorten).
Christof Gasser schreibt außerordentlich mutig. Die terroristische Bedrohung hat sich leider in unser tägliches Leben eingenistet und wir alle (Politiker und Bevölkerung) sind mehr als hilflos. Der Autor nennt Sachverhalte beim Namen und scheut sich auch nicht, Zusammenhänge herzustellen und Verantwortlichkeiten zu benennen.
Auf Seite 306 hat er in wenigen Sätzen ein Verhaltensmuster beschrieben, dass jeden verantwortungsvollen Europäer (endlich) bewegen müsste, in sich zu gehen und sein Handeln auf Richtigkeit zu prüfen. Das ist eine Kernaussage von Gewicht. 
Das Buch erschien im Mai 2018 bei emons:, wie die vorangegangenen beiden Solothurn-Bände auch. 

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