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Christof Gasser: Schweiz

Solothurn trägt Schwarz

Solothurn trägt Schwarz

Etwa auf halber Strecke Luftlinie zwischen Basel und Bern liegt Solothurn. Die politische Gemeinde ist der Hauptort des Kantons Solothurn - die Stadt bildet einen eigenen Bezirk für sich. 
Jetzt fehlt noch eine Information zum Autor:
„Christof Gasser, geboren 1960, war lange in leitender Funktion in der Uhrenindustrie tätig und arbeitete viele Jahre als Betriebsleiter in Asien. Heute ist er selbstständig und unterrichtet nebenamtlich als Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Vor einem Jahr hat er sich entschlossen, seinen Jugendtraum zu verwirklichen und als Autor tätig zu sein. Er lebt mit seiner Ehefrau in der Nähe von Solothurn, Schweiz.“
Solothurn trägt Schwarz ist somit das Debüt des Autors. Um es gleich vorweg zu nehmen: Schön, dass Christof Gasser sich zum Schreiben entschlossen hat. Und dass unter dem Buchtitel nur steht „Kriminalroman“ ist eine Untertreibung so recht nach Schweizer Art. Christof Gasser schafft es, mit einem deutlich spürbaren Maß an Kühle und Distanz die Geschichte um den ermordeten Journalisten vom Neuen Tag zu beschreiben. Hier deutet keine unheilvolle Stimmung auf eine drohende Gefahr hin. Der Leser ist von einem Moment zum anderen mitten im Geschehen. Er verfolgt gewissermaßen in Echtzeit das Vergangene und das Gegenwärtige. Ich hatte manchmal das Gefühl, Textstellen zu hören statt zu lesen.
Mit Ausnahme von Disputen zwischen dem Protagonisten Dr. Dominik Dornach und seiner Tochter Pia oder beim Besuch des neuen Super-Clubs Extasy (O-Ton Tochter Pia) herrscht im Buch gemäßigte Lautstärke. Der Autor benötigt keinen Lärm, um auf Gewalt, Unrecht und unsägliche Missstände hinzuweisen. Er lässt Dritte erzählen. Der Leser möchte am liebsten wegschauen, doch das würde nicht helfen, das Gelesene ist bereits im Kopf. Nicht Gaffer gleiche Neugier treibt den Leser an, sondern der verständliche Wunsch, die ganze Geschichte zu verstehen.
Neben dem Ermittler Dominik Dornach, der sich zum Leidwesen seiner Tochter schwer damit tut, unter seinen weiblichen Übernachtungsgästen eine endgültige Wahl zu treffen, gibt es noch die attraktive Staatsanwältin Angela Casagrande (die Verbindung zu ihr ist rein professionell), den Kripo-Chef Urs Jäggi und eine Handvoll Damen und Herren Mitarbeiter, deren spezielle Eigenschaften sehr fein beschrieben werden.
Vor seiner Heimatstadt Solothurn verbeugt sich Christof Gasser in Form detailreicher Beschreibungen. An diesen Stellen gibt er dem Leser Zeit zum Luftholen.
Es würde an dieser Stelle zu weit führen, auf die Themen näher einzugehen, die den Autor zum Schreiben dieses überaus spannenden Krimis bewogen haben. Ich kann aber verraten, dass es kaum einen am Tagesgeschehen interessierten Menschen geben dürfte, den diese Themen nicht berühren. Es ist somit ein Buch nicht nur für Krimileser.
Neben der Betonung des Regionalen liegt mir die Sprache am Herzen. Mit Christof Gasser hat ein weiterer Schweizer gezeigt, welch wohltuende Wirkung eine gepflegte Sprache auf den Leser hat. Achten Sie einmal auf das Vokabular, hier ist Vielfalt angesagt. Manche Worte fehlen schlichtweg bei uns im täglichen Gebrauch der Sprache. 
Solothurn trägt Schwarz erschien im April 2016 bei emons:.

 

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