Meine Kommissare

Cornelia Leymann: Schleswig-Holstein

Dumm Tüch

Dumm Tüch

Diese Autorin hat Mut. Diese Autorin schreibt anders. Ganz anders. Einhundertneunundachtzig Seiten Dumm Tüch bestehen überwiegend aus indirekter Rede. Für den, der es gern lebhaft mag, also ich zum Beispiel, eine echte Herausforderung.
Wenn man aber seine Gedanken so fein zu spinnen versteht und geradezu an der langen Leine spazieren führen kann wie Cornelia Leymann, dann entsteht Freude am Lesen. Zumal die Autorin durchweg zum Leser in der Du-Form spricht. Sie erzählt mir eine Geschichte. Permanent spricht sie mich an. Da kann ich doch nicht so unhöflich sein und ihr das Buch vor der Nase zuklappen.
Also weiterlesen und ihrem Plauderton folgen. Dabei aber bitte nicht unaufmerksam sein, sonst übersieht man kleine Spitzen, Bonmots, versteckte Gemeinheiten, Bosheiten und die eine oder andere frivole Anmerkung. Das sollte sich der Leser nicht entgehen lassen.
Gewissermaßen das Rückgrat der Handlung ist die Familie Hertling. Da sowohl Hans Hertling, der Senior, als auch einer seiner beiden Söhne den Wunsch verspürten, ein zweites Mal zu heiraten, kann man schon von einem Familienverband sprechen. Viel mehr Gemeinsamkeiten als den Namen besitzen die Hertlings allerdings nicht. Mit Ausnahme von Johanna Hertling, der ersten Frau von Hans. Sie ist die schiere Freude und Herzlichkeit in Person, was den Rest der Familie angeht. Dass ihre überschwänglichen Gefühle von Söhnen und Schwiegertöchtern nicht erwidert werden nimmt sie nicht zur Kenntnis. Sie hat ihre Freude an den drei Enkelkindern.
Das klingt alles so normal und weit weg von einer kriminellen Handlung. Und doch ist es ein Krimi. Das Böse ist da. Lautlos, subtil, nicht für alle erkennbar. Hans Hertling sieht sich sogar gezwungen, in eigener Sache einen Privatdetektiv zu beauftragen. Und dann verschwindet auch noch die stets fröhliche Johanna Hertling. Nicht, dass ihr Verschwinden großes Bedauern auslöst (siehe oben), aber unheimlich ist dieser Umstand dem Rest der Familie schon.
Cornelia Leymann hat unverkennbar Freude an der Sprache. Sie verpackt die Geschichte in eine permanente Unterhaltung mit dem Leser. Ich war stets neugierig auf die nächsten Sätze, auf eine todsichere Überraschung, egal ob groß oder klein.
Ich hatte Spaß an den Figuren, habe versucht im Voraus zu denken und zu kombinieren und habe Vermutungen angestellt.
Lob gebührt der Autorin auch für ihre vielen eingestreuten Hinweise und Informationen zur Region. Damit hat sie bei mir viele Punkte gesammelt.
Jetzt brauche ich noch einen Protagonisten, einen Aufklärer. Das ist der Privatdetektiv Stefan Schmidt, der sein Büro in der Fleethörn Nummer 24 hat. Das liegt in der Nähe der Altstadt und nicht weit weg vom Wasser. Der Leser gönnt ihm jeden Auftrag und kann ihn förmlich denken hören. Zu Hochform läuft er auf, wenn der Gin in Griffnähe steht und er sich wegen der Zigaretten nicht aus dem Sessel erheben muss.
Nach Kieler Sprotte und Moin, Moin ist dies der dritte Krimi von Cornelia Leymann. Dumm Tüch erschien im September 2016 und, wie die anderen Bände auch, bei emons:.

 

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