Meine Kommissare

Daniela Schwaner: Bergisches Land

Der Tote in der Buchhandlung

Der Tote in der Buchhandlung

Liebe Autorin, liebe Leser, ich breche dieses Mal mit meinen Gewohnheiten. Ich rezensiere zwei Bücher auf einmal. Geht nicht anders. Die erste Erklärung: Die knappe Zeit. Die zweite Erklärung: Ich möchte auf keine Rezension verzichten. Dazu kommt: Die beiden Bücher gehören zusammen. Untrennbar. Warum, das lesen Sie gleich.  
Und dann gibt es noch ein ganz persönlicher Grund. Beide Handlungen spielen im Luisenviertel. Mitte der fünfziger Jahre habe ich mit meinen Eltern nicht weit entfernt davon gewohnt. Schlieperstraße 15, unterhalb der Hardtanlage. Mein engster Freund wohnte in der Hofaue. 
Merkwürdig, auch nach Jahrzehnten gibt es noch so etwas wie Verbundenheit.
Egal.
Jetzt geht es um Mord und Totschlag. Merkwürdige Tatorte hat sich Daniela Schwaner ausgesucht. Das Amtszimmer einer Schule in Ein gutes Alibi  und eine kleine Krimi-Buchhandlung für Der Tote in der Buchhandlung.
Nicht nur das Luisenviertel ist verbindendes Element der beiden Bücher, sondern auch die Protagonisten. Und was ist spannender als Menschen und ihre Schicksale!
Die Figuren sind so liebevoll beschrieben, dass es nach Ein gutes Alibi einfach eine Fortsetzung geben musste. Man will sie alle wiedersehen.
Das Ermittlerteam der Wuppertaler Kripo wird angeführt von Kriminalhauptkommissar Carsten Kantner. Der einsame Wolf, der eigentlich gar nicht einsam sein möchte, ist weder ein glänzender Unterhalter noch eine strahlende Erscheinung. Überhaupt nicht. Er macht aus seiner jeweiligen Stimmung keinen Hehl. Und wen er nicht mag, den mag er einfach nicht. Er mag zum Beispiel Cordula, die von ihrem Mann getrennte Freundin seiner Schwester Sophie. Aber da Carsten das Ermitteln entschieden mehr liegt als das Erobern einer von ihm Verehrten, müssen Carsten, Cordula und die Leser Geduld haben.
Sophie Liebermann spielt die Rolle der Hobby-Ermittlerin geradezu mit Leidenschaft und Begeisterung – sehr zum Leidwesen ihres großen Bruders. Das ist nämlich Carsten Kantner. Zusammen mit Robert Werbeck ist die „kleine Schwester“ Inhaberin der Kriminal-Buchhandlung Mördergrube. Ihre Liebe zu Krimis geht so weit, dass sich der Leser zuweilen fragt, wer nun der Ermittler ist. Das fragt sich ihr Bruder Carsten auch und gebraucht sehr deutliche Worte, wenn die zarte und kleine Sophie wieder einmal von einem Tatort Besitz zu ergreifen droht.
Ist das für Sie zu viel Familiengeschichte, lieber Leser?
Keine Sorge. Sie kommen in beiden Büchern als Krimileser auf Ihre Kosten. Und Sie erfahren viel über menschliche Schwächen und Abgründe, denn damit  kennt sich die Autorin  aus. Sie bietet ihren Lesern eine bemerkenswerte Bandbreite. Da sind einmal die ewigen Verlierer, dann die auf die schiefe Bahn gekommenen, aber diejenigen, die sich nie vorstellen konnten, einmal zu verlieren. Und zwar auf brutale Art und Weise.
Auf ein wirklichkeitsgetreues Lokalkolorit legt Daniela Schwaner gleichfalls wert. Der Aktionsradius ist bewusst begrenzt – schließlich gibt es vor der eigenen Haustür genügend kriminelle Elemente. 
Zur Autorin fand ich auf der Website des Verlages diese Informationen: Geboren 1971, im Wuppertaler Stadtteil Barmen aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ab 1991 Studium der Anglistik/Amerikanistik/Germanistik an der BUGH Wuppertal. Während der Studienzeit war sie Mitglied einer Theatergruppe, mit der sie Auftritte in Wuppertal und London hatte.
Schon immer liebte sie es zu schreiben und schloss sich an der Uni dem „After Twelve Crime Fiction Club“ an, wo sie kriminalistische Kurzgeschichten in englischer Sprache verfasste.
Nachdem sie einige Jahre im benachbarten Hessen verbracht hat, lebt Daniela Schwaner heute mit ihrem Mann in Wuppertal.
Beide Bücher erschienen im Bergischen Verlag. Ein gutes Alibi im Februar 2016 und Der Tote in der Buchhandlung genau ein Jahr später. Im Oktober 2018 erschien beim gleichen Verlag Der Wolf ist tot.

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