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Erskine Childers: Nordsee

Das Rätsel der Sandbank

Das Rätsel der Sandbank

Jawohl, Childers. Der gehört auch hierher. Ich nehme mir die Freiheit und ordne ihn als Regionalkrimi ein. Vielleicht kann ich den einen oder anderen auf diese Weise dazu bewegen, sich mit diesem Buch zu beschäftigen. Es lohnt sich.
Wer das Buch kennt, wird wie über das Wiedersehen mit einem alten Kameraden schmunzeln und hoffentlich zustimmend nicken. Die anderen, denen Das Rätsel der Sandbank unbekannt ist, empfehle ich weiterzulesen. Vielleicht gelingt es mir, Ihre Neugierde zu wecken.
Gewiss, ein scheinbar mutiges Unterfangen, gerade dieses Buch hier vorzustellen. Für mich ist es der Ur-Regionalkrimi, obwohl es treffend als erster moderner Spionageroman von literarischem Rang bezeichnet wird.  
Ich unterstelle, das Das Rätsel der Sandbank, und nur um dieses eine Buch von Erskine Childers geht es hier, ist vor allen Dingen der jüngeren Leserschaft unbekannt. Das liegt zum einen am Erscheinungsdatum, man schrieb das Jahr 1903, und an der Geschichte selbst. Stellt man sich aber vor, dass es hier um einen wahrhaftigen Spionageroman handelt, der zudem einen außerordentlich hohen Wahrheitsgehalt besitzt und dass sich die Handlung gewissermaßen vor unserer Haustür abspielt, gewinnt das Buch an Bedeutung.
Ich habe Das Rätsel der Sandbank, das bei Diogenes erscheint, mehrmals (in deutlichen zeitlichen Abständen) gelesen. Um es gleich zu sagen, Sie müssen Zeit und Geduld mitbringen, am besten sind Sie auch noch begeisterter Segler und dazu ein wenig geschichtlich interessiert. In dem Fall wird es Ihre Lieblingslektüre.
Dieses, noch dazu in sehr kleiner Schrift verfasste, Buch stellt jeden Leser auf eine harte Geduldsprobe.
Die Geschichte: Zwei junge Engländer erforschen wochenlang auf einer kleinen heruntergekommenen Yacht das deutsche Wattenmeer. Nicht im Sommer, sondern im Spätherbst. Der eine hat Vorstellungen von etwas, was der andere nur schwerlich nachvollziehen kann. Auch wenn es langsam in der Handlung vorangeht, Sie müssen sich die Zeit nehmen, Zeile für Zeile zu lesen. Denn der Anlass für den scheinbar nicht enden wollenden Segeltörn, weitab von jeglicher Schönwetter-Segelei, hat einen ernst zu nehmenden und bedrohlichen Hintergrund. Neben dem roten Faden „Handlung“ geht es um die beiden Themen Seglerfreundschaft und unerfüllte Liebe.
Und das ist die Begründung für meine Einordnung als Regionalkrimi.
Chlders, selber ein begeisterter Hochseesegler, unternahm ausgedehnte Segeltouren an Nord- und Ostsee. Die Akribie, mit der er u.a. die Flussmündung der Elbe, das Wattenmeer und die Ostfriesischen beschreibt, kann auch Landratten begeistern. Der Handlungsablauf bezieht Sandbänke, Priele und den Wechsel von Ebbe und Flut in fast beklemmender Art und Weise mit in die Handlung ein. Die schier endlose Wasserwüste, die sich durch den Einfluss von Wind, Wetter und Tide ständig ändert, wird hier auch für den Nicht-Segler vorstellbar und gewinnt vergleichbar an Bedeutung wie ein prächtiges Bergmassiv.  

Wer mehr wissen möchte, dem empfehle ich bei www.diogenes.ch nachzuschauen. Dort findet er mehr Informationen zum Autor und zum Buchinhalt. Hier erfährt der Leser auch, dass Childers am 24. November 1922 in Dublin von einem Erschießungskommando exekutiert wurde.

 

 

 

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