Meine Kommissare

Friedrich Dönhoff: Hamburg

Savoy Blues

Savoy Blues

Ist Savoy Blues ein echter Regionalkrimi? Auf den ersten Blick und beim flüchtigen Durchlesen scheint dies nicht der Fall zu sein. Der Tatort ist Hamburg, aber nicht alle aufgeführten Straßennamen und Ortsangaben kann ich als Hamburger wiedererkennen, weil sie, aus welchen Gründen auch immer, verfremdet wurden.
Das Prädikat Regionalkrimi gebührt diesem Buch aus einem anderen Grund; der wird zumindestin den mir bekannten Rezensionen zu schwach wahrgenommen und erfährt zu wenig Beachtung. Obwohl der Titel Savoy Blues bereits darauf hinweist und es verdient hat, sich mit der Problematik der oppositionellen Jugendkultur während der NS-Zeit, vornehmlich in Hamburg, Berlin und Frankfurt zu beschäftigen. Schauen Sie einmal bei Wikipedia nach, was dort unter dem Suchbegriff „Swingmusik Hamburg“ zu lesen ist. Die sehr sorgfältige Beschreibung der damit verbundenen Umstände im historischen Teil von Savoy Blues macht den Band zu einem Hamburger Regionalkrimi.  
Wer ist Friedrich Dönhoff?  
Den Namen kennen Sie. Dr. Marion Gräfin Dönhoff war die Groß-Tante des 1967 in Hamburg geborenen Autors. In ihrem Blankeneser Haus hat der Zivildienstleistende gewohnt. Nach dem Studium der Geschichte und Politik sowie der Ausbildung zum Drehbuchautor hat er sich dem Schreiben verschrieben. Friedrich Dönhoff, www.friedrichdoenhoff.de, lebt in Hamburg, Savoy Blues erschien 2008 und ist, nach diversen Sachbüchern, sein erster Krimi. Mögen noch viele mit seinem Protagonisten Sebastian Fink folgen.
Etwas linkisch tritt dieser seinen Dienst in Hamburg an, manchmal etwas unbeholfen, was man dem mit 34 Jahren jüngsten Hauptkommissar Hamburgs leicht verzeiht, weil er seine allzu menschlichen Ausrutscher durch Fleiß und Ausdauer wieder wettmacht. Wie im richtigen Leben.
Ermittelt wird sauber. Das kleine Team arbeitet gut zusammen. Das Kommissariat befindet sich im neuen Polizeipräsidium in Winterhude.  
Das Gefühlsleben des jungen Ermittlers verläuft noch nicht in geregelten Bahnen. Das Pendel schlägt weit nach beiden Seiten aus. Wem das zu orakelhaft scheint, sollte das Buch lesen, dann wird er verstehen. Ich bin gespannt, in welche Richtung sich Sebastian Fink entwickelt.
Die ersten dreißig Seiten lassen nicht die zunehmende und anhaltende Spannung vermuten, die das Buch entwickelt. Da verlangt der Autor dem Leser schon einiges an Durchhaltevermögen ab. Aber es lohnt sich.
Die Beschreibung jugendlicher Ausgelassenheit und das bewusste Auflehnen gegen die damaligen Machthaber, durch das oft leichtfertige Bekennen zu einer verbotenen Musikrichtung, muten heute befremdlich und für die jüngere Generation bestimmt nicht nachvollziehbar an. Und doch war es so.  
Friedrich Dönhoff verbindet in diesem Buch sehr gelungen Geschichte mit einer vorstellbaren Geschichte und beides mit Hamburg. Ich finde, er schreibt ernsthaft und diszipliniert, man kann auch sagen hamburgisch. Trotzdem ist es ein richtiger Krimi.

 

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