Meine Kommissare

Gunter Gerlach: Hamburg

Tod in Hamburg

Tod in Hamburg

Vier Regionalkrimis der Moritz Brahms-Reihe erschienen seit 2008 im Ellert & Richter Verlag: Tod in Hamburg, Liebe und Tod in Hamburg, Mord ohne Leiche und Bei Einbruch Mord. Bis auf Liebe und Tod in Hamburg habe ich alle gelesen.
Der Autor wurde 1941 in Leipzig geboren und hält sich bereits seit 1961 in Hamburg auf, als er mit dem Studium an der Hochschule für bildende Künste beginnt. Er lebt nach eigenem Bekunden schon so lange in Hamburg, dass er sich einen besseren Wohnort kaum noch vorstellen kann. Dieses Bekenntnis glaubt man ihm aufs Wort, lässt er doch seinen Protagonisten auf völlig eigene Weise durch Hamburg schnüffeln.
Seit 1984 schreibt Gunter Gerlach und seit 1993 mindestens ein Buch jährlich, hauptsächlich Krimis. Seine Website www.gunter-gerlach.de beschränkt sich auf seine knapp gefasste Biografie.
Meiner Hamburger Buchhändlerin habe ich diese Hamburger Krimi-Serie zu verdanken. Ihr gehört so ein kleiner, anheimelnder Laden in Blankenese, in dem früher bestimmt einmal Milch und Brot verkauft wurde.
Der Privatermittler Lutz Brahms ist ein Typ für sich – am ehesten vielleicht noch mit Simon Schweitzer, dem Frankfurter Privatermittler vergleichbar – obwohl es dort, regionaltypisch bedingt, deutlich herber und deftiger zugeht.
Brahms ist schwer in die fest gefügten Strukturen einer Gesellschaft einzuordnen. Er ist ein wenig hiervon und ein wenig davon. Wenn er ermittelt, ist er mit allen Sinnen bei der Sache, hilft er nachts in Hannas Bar am Hamburger Berg, tut er das gern und konzentriert.
Er kennt die Grenzen, die er als privater Ermittler nicht überschreiten darf. So sagt er Kommissar Bernd Petersen von der Kripo Hamburg „Sie sind der Polizist. Gewisse Arbeiten kann ich Ihnen nicht abnehmen. Ich bin bloß ein Spürhund. Ich habe eine Nase, Sie die Polizeimarke.“
Und was für eine Nase er hat. Schnüffeln kann er damit ganz hervorragend, beim Küssen ist sie ihm manchmal im Weg.
Er ist hartnäckig, der Sohn eines nicht unvermögenden Kaffeeimporteurs. Er lässt sich nicht verbiegen, lebt und liebt sein Leben und treibt sich selber an, ohne übertriebenen Ehrgeiz. Brahms will nicht dem Wunsch seines Vaters folgen und „ein standesgemäßes Leben führen“, er will lieber sein Leben führen.
Gelacht wird in Gerlachs Büchern nur verhalten und recht selten. Das tut dem Inhalt keinen Abbruch, der Leser konzentriert sich auf die Handlung und wir Norddeutschen haben auch an feiner Sprache viel Freude.
Einen kräftigen Schub erhält der Handlungsablauf durch Abstecher in die Hamburger Musikszene und durch die Sprache. Sie passt zu Brahms und zur Stadt. Keine zu langen Sätze, auf geradem Weg auf den Punkt kommend. Stilistisch ein Lesevergnügen.
Der Handlungsablauf ist klar, nachvollziehbar und logisch. Vor allen Dingen gibt es eine kluge Lösung, der auch der anspruchsvolle Krimileser nur Respekt zollen kann.  
Brahms ist kein ruheloser Verfolger – er erledigt seine Arbeit mit Köpfchen und arbeitet zielstrebig auf den Erfolg hin.
Der Oberbegriff Ermittler trifft bei Lutz Brahms haargenau zu. Er ermittelt, folgt mit seiner Hundenase (eine ziemlich einzigartige, aber begründete Begabung) der Spur der Ganoven und lebt zwischendurch sein Leben als Musiker einer Szene-Band. Alles, was Brahms macht, erledigt er ernsthaft und gewissenhaft. Manchmal möchte ich in seine Haut schlüpfen. Schön normal sein können und trotzdem viel erleben.
Die Beschreibungen der verschiedenen Schauplätze in der Hansestadt sind  treffend und reizen auch Hamburger, wieder einmal längst vergessene Plätze aufzusuchen.
Gunter Gerlach hat noch weitere Krimis geschrieben, mit denen ich mich allerdings noch nicht beschäftigt habe. Auf seiner Website finden Sie unter „Weitere Krimis“ Hinweise zu seinen Allergie-Krimis und zu den Jakob-Vogelwart-Krimis. 

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