Meine Kommissare

Hannah O´Brien: Irland

Irisches Roulette

Irisches Roulette

Wer Irisches Verhängnis gelesen hat, ist klar im Vorteil. Er hat schon Bekanntschaft mit Grace O´Malley gemacht, das ist die neue Leiterin des Morddezernats in der Polizeizentrale bei Garda, so heißt die unbewaffnete irische Polizei. Er hat auch die Kollegen von Grace kennengelernt, die netten und die nicht so netten und er weiß, dass die Ermittlerin eine vierzehnjährige Tochter hat. Diese wohnt aber nicht bei ihr sondern bei Bruder und Schwägerin.
Die Handlung spielt in Irland, in der Stadt Galway. Demzufolge tauchen jede Menge irische Namen und Begriff auf. Wer des Englischen mächtig ist, kann mit seinen Kenntnissen nichts anfangen. Irisch ist anders. Zum Glück hat die Autorin ein Glossar und ein Personenregister angehängt – außerdem einen Kartenausschnitt. Das ist in diesem Fall sehr weise. Übrigens sind die Ortsangaben sehr genau, der Leser kann den Fall also auch mit dem Finger auf der Landkarte verfolgen.
Die Autorin macht aus ihrer Liebe und Zuneigung zu Land und (!) Leuten keinen Hehl. Sie schildert Eigenheiten und Liebenswürdigkeiten und lädt den aufmerksamen Leser permanent ein, den Inselstaat zu besuchen. Das ist wirklich ein „Insel-Krimi“ – dieser Begriff erfreut sich ja auf den Covern der Küstenkrimis großer Beliebtheit.
Das Hervorheben und Betonen von Besonderheiten Irlands ist in Irisches Roulette gewissermaßen Teil der Handlung. Nur so werden Verhaltensmuster verständlich.
Am Anfang des Buches steht die Ermordung eines Angestellten, der Mitarbeiter eines Wettbüros war. Das Büro gehört ausgerechnet dem Zwillingsbruder von Grace´ Kollegen Rory Coyne. Der Mord im Dunstkreis der eigenen Familie sorgt umgehend für den Ausschluss des von Grace dringend benötigten Kollegen in diesem Fall und erschwert die Ermittlungen.  
Diese erstrecken sich einmal quer über die Insel bzw. fünf Sechstel davon, denn der Inselstaat vereinnahmt schließlich nicht die ganze Insel. Der Kontakt zu den Menschen und das direkte Befragen stehen eindeutig im Vordergrund der Ermittlungen. Kombinieren, Zusammenhänge herstellen, in der Vergangenheit graben und unbequeme Fragen stellen. Dies ist der Alltag der Ermittler. Befragt wird auf dem Markt ebenso wie in den Pubs. Gewiss sind die Iren ein freundliches Volk (oder kann man angesichts von „nur“ 4,6 Mio. Einwohnern noch von Völkchen reden), aber die Iren können auch anders. Sie wetten und zocken mit Begeisterung. Entweder beim Gaelic (hat entfernte Ähnlichkeit mit Fußball) oder beim Pferderennen.
Daran wäre ja nichts auszusetzen, schlimm wird das Wetten erst, wenn es nicht mit rechten Dingen zugeht. Wenn also ganz bestimmte Leute schon vorher wissen, wer ganz bestimmt gewinnen oder verlieren wird. Denn für diese perfiden Machenschaften sind die Drahtzieher auf die Unterstützung von Menschen angewiesen, die freiwillig oder nur unter Druck mitmachen.
Wer von den Befragten ist freundlich und wer tut nur so? Als Vertreter des Gesetzes bzw. in diesem Fall Vertreterin wird man schnell sensibel und irgendwann auch mal enttäuscht.
Grace als „Neue“ und „Ungebundene“ kann sich weder zwischendurch noch nach Feierabend an eine starke Schulter lehnen – bis auf Peter´s. Mit ihm verbindet sie etwas, das könnte etwas werden, obwohl noch gar nichts ist, jedenfalls nicht so richtig. Peter möchte, Grace hält Distanz. Sehr mühsam ist das mit den beiden.
Der Druck auf die Ermittler nimmt zu, als das prestigeträchtigste und wichtigste Pferderennen im Jahr unmittelbar bevorsteht.
Lieber Leser, ich versprechen Ihnen viel Irland, einen Handlungsverlauf der von lebhaften Dialogen geprägt ist, etwas Gefühl und eine bunten Mischung von „Typen“.
Irisches Roulette erschien im März 2016 und, wie Irisches Verhängnis bei dtv.    
Empfehlen kann ich ach den Besuch der Website der Autorin www.hannah-o-brien.de.        

 

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