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Hansj�rg Schneider: Basel

Hunkeler und die goldene Hand

Hunkeler und die goldene Hand

 

Das sollten Sie unbedingt über Hunkeler wissen

Einen Kriminalroman mit Kommissär Hunkeler sollte man nicht einfach zur Hand nehmen und „loslesen“. Es gehört Wissen um seine Figur, seine Kollegen, sein Umfeld und seine Verbundenheit zu Basel, wo er wohnt, und dem Elsass, wohin er zu gern flüchtet, wenn ihm mal wieder alles zu viel wird. 
Peter Hunkeler, nur von Freunden auch Hunki genannt, heißt in den Romanen stets nur Hunkeler.
Er ist Kommissär des Kriminalkommissariats Basel, war früher Familienvater, ist geschieden und hat eine Freundin namens Hedwig. Jeder hat seine Wohnung und auch seine Reiseziele. Sie verbringen gern Zeit zusammen und Hunkeler träumt von einer gemeinsamen Zeit „später einmal“, noch ist es aber nicht so weit, der Realisierung gemeinsamer Unternehmungen steht häufig ein neuer Fall im Weg, in den Hunkeler sich verbeißt.
Wenn er ermittelt, dann mit vollem Körpereinsatz. Da kennt er weder Freund noch Feind. Die Freunde, auch die alten von früher, umschmeichelt er und lockt und verabschiedet sich genau dann von ihnen, wenn er genügend erfahren hat, oder sich die Quelle als unergiebig herausstellt. 
Das meint er nicht böse – Hunkeler ist so.
Von Zusammenarbeit hält er etwas in den Fällen, wo er mit jemandem seiner Wahl zusammen arbeitet. 
Die Büroarbeit ist seine Sache nicht. Wann er anwesend ist, bestimmt deshalb er, Hunkeler. Er gibt auf Nachfrage unverblümt zu, dass er am Rhein war oder sich in der Sauna erholt hat, oder dass ihm sein Rücken weh tut. Wenn er außerhalb des Büros nachdenken oder recherchieren will, dann tut er das. Ganz verhasst sind ihm die nachmittäglichen Rapporte, die Staatsanwalt Suter einberuft. Weder Ermahnungen noch Drohungen seines Vorgesetzten können Hunkeler zur Anwesenheit bewegen.
Der Kommissär weiß genau, warum er sich dieses Verhalten erlauben kann: Suter braucht ihn. Denn Hunkeler hat Erfolg mit seinen unorthodoxen Ermittlermethoden. Mehr als einmal gesteht Suter ihm in schwachen Minuten, dass „er das beste Pferd im Stall ist“. 
Zwei Kollegen hat Hunkeler. Der eine ist Detektivwachtmeister Madörin, den kann er überhaupt nicht leiden. Der zweite ist Korporal Lüdi. Mit diesem verbindet ihn zwar nicht gerade die große Liebe, aber ein vernünftiger Gedankenaustausch ist immerhin möglich.
Hunkelers Kopf ist voller Gedanken und Gedankensprünge, zu Beginn einer Ermittlung noch unsortiert, so dass es wirklich wenig sinnvoll ist, sie mit anderen zu teilen. Erst im letzten Moment, wenn es wirklich nicht mehr anders geht, dann holt er sich einen Kollegen zur Hilfe und braust los. Die Erklärung für das plötzliche Handeln liefert er der verdutzten Begleitung unterwegs. 
Hunkeler lebt mitten in Basel in der Mittleren Straße. 
Erholen, ausspannen, nachdenken und Zeit mit Hedwig verbringen, all das tut er auf seinem alten Hof, den er vor einigen Jahren erwarb Der Hof liegt gar nicht so weit von Basel entfernt - in der Nähe von Hésingue, im Elsass. 
Sein bevorzugtes Revier ist die Gastronomie-Szene rund um den Barfüßerplatz, also im Zentrum der Altstadt Grossbasel. Hier hockt und trinkt er so lange mit seinem Gegenüber, bis dieser endlich mit der gewünschten Antwort rausrückt. Denn diese Kneipenszene ist der ideale Nährboden für Gerüchte, Vermutungen und häufig auch Wahrheiten. So eine „Befragung“ kann schon mal Stunden dauern. 
Hunkeler ist ein Genussmensch. Er isst gern und gut und vor allen Dingen reichlich. Dazu trinkt er nur Weine seiner Wahl – sein Anspruch ist hoch. 
Fehlt noch ein Hinweis zur Region.
Es wird ab Band zwei (Flattermann) immer deutlicher, wie sehr sich Hansjörg Schneider seiner Heimat verbunden fühlt. Dabei ergeht sich der Autor keineswegs in langatmigen Schilderungen prächtiger Landschaften. Er gibt vielmehr, fast nebenbei, Hinweise zu Bauwerken, Kunst und Geschichte. Anschaulich und einprägsam. Sofern er möchte, kann der Leser Hunkelers Wege genau verfolgen. Egal ob in Basel, im Elsass, im Jura oder im Schwarzwald. Alle Angaben stimmen. 
Meine Empfehlung lautet: Wer Georges Simenons Maigret schätzt, sollte mit Hansjörg Schneiders Hunkeler fortfahren. 
Der Autor schreibt in erster Linie Romane – diese haben einen Kriminalfall zum Inhalt. Deshalb stehen bei ihm nicht so sehr die Lösungen von von Fällen im Vordergrund, sondern die Akteure 

Hunkeler und die goldene Hand

"Basel in Not". Jedenfalls aus Sicht des Staatsanwalts Suter. Der ist Hunkelers Vorgesetzter und erlaubt sich hin und wieder solche Feststellungen. Als Feind hat er Zürich, stellvertretend für „die ganze Schweiz“ ausgemacht. 
Besser und treffender als die Schlagzeilen konnte man die Differenzen zwischen den beiden Städten nicht verdeutlichen. Während die Basler Zeitung schreibt, dass „der bekannte und allseits beliebte Kunsthändler Roger Ris in einem Rheinfelder Solebad zu Tode gekommen sei“ stand auf der Titelseite des Zürcher Boulevardblattes die Schlagzeile Basler Milieumord im Heilbad! Und weiter „Stadtbekannter Basler Opfer eines Lustmordes. 
Damit befinden wir uns bereits ziemlich genau in der Mitte der Handlung.
Während besagter Kunsthändler mitten im Schwimmbecken des Solebades in Rheinfelden ermordet wird, liegt Hunkeler nur wenige Meter weiter im Ruheraum desselben Hotels, weil er hier sein Rückenleiden auskurieren möchte. 
Was für eine Fügung.
Die Anwesenheit des Basler Kommissärs am Tatort, wenn auch nur als Privatmann, erweckt bei den eintreffenden Polizisten zunächst Misstrauen. 
Korporal Leimgruber von der Regionalpolizei Unteres Fricktal begrüßt ihn deshalb mit den Worten: „Du hier? Was tust du denn hier?“. 
Hunkeler lässt so ein Mord, bei dem er beinahe Zeuge geworden wäre, natürlich nicht in Ruhe und so mischt er sich unter die Ermittler und weitere Personen, die, wenn auch aus anderen Gründen, an einer schnellen Aufklärung interessiert sind. 
Das sind, neben seinen Kollegen aus Basel, Vertreter der Aargauischen Kantonspolizei (Rheinfelden liegt im Kanton Aargau) und Dr. Neuenschwander, der Chef des Kurbetriebes. Dieser hat das größte Interesse daran, dass bald wieder Ruhe einkehrt. Des Mordes verdächtigt wird der langjährige Lebensgefährte des sechsundsiebzigjährigen Kunsthändlers.
Der Autor verschafft dem Leser einen Einblick in die Basler Kunstszene und in die Welt des illegalen Kunsthandels. 
Entgegen der immer lauter werdenden Vermutung, es liege ein Schwulen- und Sexualdelikt vor, ermittelt Hunkeler in einer anderen Richtung. Er verfolgt eine Spur, die in die weit zurückliegende Vergangenheit führt. Auf dem Weg dahin führt er zahlreiche Gespräche. Er schmeichelt, lächelt, fragt, stellt sich dumm. Er kriecht fast in die Menschen rein, um die gewünschten Informationen zu erlangen.
Und zwischendurch holt er sich Kraft in Gesprächen mit Hedwig. Die Zeiten, zu denen er seine Liebe anruft, sind ungewöhnlich. Mitten in der Nacht, auf jeden Fall zur Schlafenszeit. 
Hunkeler hat weder einen Computer noch eine Assistentin, die ihm helfen können. Braucht er auch nicht. 
Er besitzt Gespür und eine Nase für die Spur, die er verfolgt. Und er vertraut kaum wahrnehmbaren Hinweisen und Andeutungen, weil er zuhören kann. 
Die goldene Hand, auf die sich der Titel bezieht, habe ich bislang nicht erwähnt. Warum auch. Davon ist noch im Buch reichlich die Rede. 
Das Vergnügen, Hunkeler bei der Arbeit zuzuschauen bzw. zu hören, bleibt von der ersten bis zur letzten Seite erhalten. 
Hunkeler und die goldene Hand, der siebte Fall um den Kommissär Hunkeler, erschien im März 2013 und, wie alle anderen Bände, bei Diogenes. Im September 2015 erschien der neunte Fall Hunkelers Geheimnis

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