Meine Kommissare

Horst Eckert : Deutschland

Der Preis des Todes

Der Preis des Todes

Horst Eckert versteht es glänzend, den Leser in eine, sagen wir mal Wohlfühlstimmung, zu versetzen. Der Autor lässt ihn hinter jene Kulissen schauen, die ihn, den Leser, schon lange interessiert haben. Da ist zunächst die schillernde Welt der Talkshows und ihrer Gäste. Dazu gehören die Damen und Herren Moderatoren. Geradezu fließend geschieht der Übergang in die Politik. Die Bundeshauptstadt wird schnell zur Bühne. Jeder will sehen und gesehen werden. Es wird um die Wette gelächelt und gestrahlt, als ob es das letzte Mal wäre. Horst Eckert bietet dem Leser noch mehr. Er lässt ihn sich richtig sattsehen. Füttert ihn mit Charakteren und macht das Geschriebene vorstellbar. Mit der Folge, dass der Leser mitten im Geschehen ist.
Sarah Wolf beschreibt er ganz genau. Die attraktive sechsunddreißigjährige Moderatorin einer eigenen politischen Talkshow muss zwar um Quoten und Vertragsverlängerungen kämpfen – aber das gehört zum beruflichen Alltag. Noch dazu ist sie in den Bundestagsabgeordneten Christian Wagner verliebt.
Also, nur Grund zur Freude.
Genau bis zu dem Tag, an dem Christian tot in seiner Wohnung aufgefunden wird.
Die oben beschriebene Wohlfühlstimmung ist vorbei. Ein Kommissar betritt die Bühne. Es ist Kriminalhauptkommissar Paul Sellin, eigentlich Sachbearbeiter für Vermisstenfälle im KK12, und jetzt herbeigerufene Verstärkung der Mordkommission. Die von ihren Eltern als vermisst gemeldete Tochter wurde nach Wochen tot aufgefunden. Sellin macht sich den Vorwurf der Tatenlosigkeit. Jetzt setzt er alles daran, den Fall aufzuklären. Die Zeit sitzt ihm im doppelten Sinn im Nacken.
Ein zweiter Handlungsstrang beginnt. Höchst geschickt und viel Raffinesse beginnt der Autor seine Fäden zwischen den Akteuren zu knüpfen.
Sellin bekommt Konkurrenz in Person von Sarah Wolf. Ernsthafte Konkurrenz. Denn eine gründliche Recherche ist schließlich das Metier der Moderatorin. Und da es im Fall des angeblich durch Suizid ums Leben gekommenen Politikers um „ihren“ Christian geht, ist das Interesse besonders groß.
Während der Ermittlungen wird der Aktionsradius immer größer. Längst ist nicht mehr Berlin der alleinige Schauplatz. Eine vielversprechende Spur führt nach Kenia. Will der Autor gewaltsam den Inhalt der Geschichte dehnen?
Nein, die nach Kenia führende Spur hat leider einen handfesten Hintergrund. Aus dem Krimi wird mittlerweile ein Thriller. Horst Eckert verschärft das Tempo und hält den Blick eisern auf Sarah Wolf gerichtet – macht sie aber nicht zur Heldin.
Der Preis des Todes erschien im März 2018 im Rowohlt Verlage. Bleibt noch ein Blick auf die Vita des Autors, die ich dem Klappentext entnommen habe. Sie enthält die Lösung für seine umfangreiche Sachkenntnis. „Horst Eckert, 1959 in Weiden/Oberpfalz geboren, lebt seit vielen Jahren in Düsseldorf. Er studierte Politische Wissenschaft und arbeitete fünfzehn Jahre als Fernsehjournalist. 1995 erschien sein Debüt «Annas Erbe». Seine Romane gelten als «im besten Sinne komplexe Polizeithriller, die man nicht nur als spannenden Kriminalstoff lesen kann, sondern auch als einen Kommentar zur Zeit» (Deutschlandfunk). Sie sind in mehrere Sprachen übersetzt sowie preisgekrönt (u.a. Friedrich-Glauser-Preis für Die Zwillingsfalle, Krimi-Blitz für Schwarzer Schwan).“ 

Alle Rezensionen von Horst Eckert

Facebook