Meine Kommissare

Ilona Schmidt: Franken

Bocktot

Bocktot

Raten Sie nicht lange, liebe Leser. Bocktot ist Jägersprache (nicht Jägerlatein). Und diese Jägersprache bringt Ihnen die Autorin Ilona Schmidt ganz schnell bei. Davon versteht sie nämlich (auch) etwas, nicht nur vom Schreiben eines guten Krimis.
Ilona Schmidt schreibt „strukturiert“. Sie schreibt mit einem Sinn für Ordnung. Das hilft dem Leser, der zwar Spannung liebt und „seine“ Region wiederfinden aber ungern mit überraschenden Wendungen bzw. nicht nachvollziehbaren Lösungen konfrontiert werden möchte. Die Autorin überschreibt ihre Absätze mit den Vornamen der handelnden Personen. Das gefällt mir. Schließlich kommt es gerade bei einem Krimi auf die Menschen an und bei der Beschreibung der Akteure hat sich Ilona Schmidt sehr liebevoll um jeden einzelnen gekümmert.
Worum geht es in diesem dreihundertelf Seiten dicken Krimi?
Um den Hobbyjäger Holger Mechtinger. Den Ehemann der hauptberuflichen Försterin Astrid Mechtinger. Den beliebten Oberstudienrat für Latein und Geschichte am Victoria-Gymnasium in Coburg. Den besten Freund von Wolfgang Halbert – sagt zumindest Wolfgang Halbert. Dieser Holger Mechtinger wird, während er seinem Hobby, der Jagd, nachgeht, erschossen. Dass er durch einen Schuss ums Leben kam ist offensichtlich. Doch wie? Das ist mehr als rätselhaft und beschäftigt ab sofort die Polizeiinspektion Coburg. Die Ermittlergruppe wird angeführt von Kriminaloberkommissar Richard Levin. Er ist Single, geht einer ungewöhnlichen Freizeitaktivität nach und schätzt Ordnung. Nicht wenige Frauen registrieren auch seine äußeren Merkmale: groß gewachsen, schlank, dunkles, kurzgeschnittenes Haar, Dreitagebart, Lederjacke, schwarze Hose. So sieht ihn beispielsweise Astrid Mechtinger, als er zur Befragung auf ihr Haus zugeht.
Sie kann und will nicht verstehen, dass ihr Mann nicht mehr lebt. Ilona Schmidt hat dem Prozess des langsamen Verstehen-müssens viele Seiten gewidmet. Dies entspricht sicher eher der Realität, als die unzähligen Tatort-Muster, die dem Zuschauer ein (scheinbar) schnelles Verstehen auf Seiten der Betroffenen vorspielen. Ebenso eindringlich und nachvollziehbar schildert die Autorin den Auftritt der „Neuen“ im Coburger Kommissariat. Das ist Kriminalrätin Maximilia Frohn – „Angelina Jolie war im Coburger Mordderzernat angekommen“. Ab sofort knistert es gewaltig, wenn Richard (Levin) und Maxi (Frohn) sich begegnen.
Ilona Schmidt gönnt ihren Lesern kurze Ausflüge ins Private und Vergnügliche, ohne den Faden zu verlieren.
Liebe Leser, es ist immer noch ein Krimi und es gibt immer noch keinen Täter bzw. eine Täterin. Die Autorin stellt Astrid Mechtinger, die am meisten zu bemitleiden ist, in den Mittelpunkt der Geschichte. Licht und Schatten fallen auf ihre Person. Die Belastung auf sie nimmt von Seite zu Seite zu. Nicht nur die Polizei, auch die Försterin wartet auf die Lösung des „Falles“.
Bleibt noch die Frage zu beantworten: Wer ist Ilona Schmidt?
Hierzu ein Auszug aus ihrer Vita, die ich ihrer Website www.ilonaschmidt.com entnahm. „Ich lese und schreibe gerne Krimis, Thriller, Abenteuer und Fantasy, nicht zu vergessen die historischen Romane. Als ich im August 2006 im Zug von Glasgow nach Fort William saß, packte ich es an und begann, einen historischen Abenteuerroman über einen Highlander im späten 17. Jahrhundert zu schreiben. Von ihm inspiriert, lernte ich die gälische Sprache, studierte die Geschichte seines Volkes und folgte ihm von Frankreich, Istanbul, Deutschland und zurück nach Schottland. Das erforderliche Handwerk des Schreibens erlernte ich in zahlreichen Schreibkursen, Kritikzirkeln und Literaturforen. Mein Manuskript schickte ich an etliche Verlage und Agenturen, und es dauerte einige Zeit, bis es endlich klappte. Seit 2010 fungiere ich auch als Jurorin für den amerikanischen Daphne-du-Maurier Preis und helfe veröffentlichten und angehenden Schriftstellern bei ihren Manuskripten und Exposés in einem Schriftstellerforum. Neben Schreiben und Beruf widme ich mich meiner Familie, inklusive unseren Hunden, Katzen und Pferden. Wir leben auf einer 6 Hektar - Farm in North Carolina, auf der für alle genügend Platz ist.“
Bocktot erschien im März 2017 im Gmeiner-Verlag. Ich empfehle das Buch Freunden des Frankenlandes und allen, die von der Jagd etwas verstehen bzw. "das Jagen" verstehen wollen. Es folgt ein "Werbeblock" für Franken: Diese Region habe ich zunehmend schätzen gelernt. Zwei bis drei Mal im Jahr muss ich einfach nach Prichsenstadt. Und wenn es nur für eine Übernachtung auf der Durchreise ist.

 

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