Meine Kommissare

Isabella Archan: Köln

Tote haben kein Zahnweh

Tote haben kein Zahnweh

Wer den Leser 367 Seiten lang spannend unterhalten will, der muss als Autor schon etwas zu bieten haben. Isabella Archan bietet aber nicht nur viel Lesestoff, sondern auch eine Ermittlerin mit ungewöhnlichen Eigenschaften: Eine Zahnärztin mit Spritzenphobie. Das ist genauso ungewöhnlich wie ein Metzger, der kein Blut sehen kann.
Die Protagonistin Dr. Leocardia Kardiff, kurz Leo genannt, entdeckt die Leiche einer vermögenden Witwe, kommt ihrer Bürgerpflicht nach und ruft die Polizei. Trotzdem braucht es einige Zeit, sie als Verdächtige auszuschließen, denn die Gründe für ihr Auftauchen am Tatort, kurz nach dem gewaltsamen Ableben der Witwe Kernbach, verursachen zumindest Stirnrunzeln bei Hauptkommissar Jakob Zimmer. Aus der Verdächtigen wird schnell eine Zeugin, aber das Stirnrunzeln des Hauptkommissars über das Verhalten der Zahnärztin hält an. Zu Recht, denn so, wie sich Leo verhält, hat der meistens Jakob genannte Hauptkommissar allen Grund dazu.
Es ist nun nicht so, dass bei Leo die Dämme brechen und sie auf Teufel komm raus ermitteln will. Vielmehr treiben Lust und Neugierde die vierundvierzigjährige Mutter von zwei halbwüchsigen Töchtern an. Leo schnappt harmlos klingende Hinweise von Dritten auf, stellt dazu  Überlegungen an und verfolgt eigene Spuren. Zugute halten muss man ihr allerdings, dass sie bei ihren Unternehmungen latent von einem schlechten Gewissen geplagt wird – und zwar explizit gegenüber dem Leiter der ermittelnden Beamten, Jakob. Für Jakob hegt sie nämlich Sympathie. Sie lebt zwar seit einigen Jahren mit ihrem Lebensgefährten unter einem (ihrem) Dach, aber die Beziehung scheint sich allmählich zu versachlichen.
Die Beschreibung ihres Gefühlslebens gehört zur Charakterisierung der Protagonistin. Die Autorin lässt den Leser jeden Schritt der Hobby-Kriminalistin  mitverfolgen. Stolpern, Straucheln, Unsicher sein, all das, was eine Heldin nicht tut, das tut Leo – sie ist menschlich. Die Zahnärztin lässt sich reinziehen in die Ereignisse und kann gar nicht anders, als weitermachen. Der Schweiß steht ihr auf der Stirn, sie durchlebt Angstträume und spürt den permanenten Vorwurf des von ihr ein wenig verehrten Hauptkommissars Jakob Zimmer. Isabella Archan stellt ihre Akteure mit viel Akkuratesse vor. Jede Figur ist ihr wichtig, nicht nur die Wichtigen. Auch der Handlungsablauf wird sehr bildhaft dargestellt. Der Leser kann mühelos folgen – Logik steht an erster Stelle.
Was ich der Autorin hoch anrechne, ist ihr sorgfältiger Umgang mit der Sprache. Sie nutzt die Sprache konsequent und nahezu gnadenlos für ihre Zwecke. Dialoge, Gedanken eines verwirrten Menschen, Ängste – das kann Isabella Archan in Worte packen, die der Leser auf Anhieb versteht.
Die Sprache ist es auch, die diesen Kriminalroman (für mich) zu einem Regionalkrimi macht. Kurze Sätze in kölscher Mundart, nicht zu häufig, aber stets dann, wenn es passt, das kennzeichnet treffend das Typische der Region. Hinzu kommt, dass die Ortsangaben stimmen.
Ein empfehlenswerter Krimi nicht nur für Kölner und Zahnärzte.
Wie vielseitig die Autorin ist, beschreibt der Verlag emons:, bei dem Tote haben kein Zahnweh im Januar 2016 erschien, so: “Die ausgebildete Schauspielerin Isabella Archan, geboren 1965 in Graz, arbeitete viele Jahre an Stadt- und Staatstheatern in Österreich, der Schweiz und Deutschland. Seit 2002 lebt sie freiberuflich in Köln, hier begann auch ihre zweite Karriere als Autorin. Neben dem Schreiben ist Isabella Archan immer wieder in TV- und Filmrollen zu sehen (»Tatort«, »Lindenstraße«, »Diese Kaminskis«) und sorgt mit ihren szenischen Krimilesungen bundesweit regelmäßig für ausverkaufte Lesungen.“ Beim Besuch ihrer Website www.isabella-archan.de erfährt der Leser noch mehr. 

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