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Jacques Berndorf: Eifel

Eifel-Blues

Eifel-Blues

Jacques Berndorf, das ist das Pseudonym des Journalisten Michael Preute, ist wohl der älteste deutschsprachige Krimi-Autor. Deshalb ist die große Anzahl seiner Bücher eher auf sein Alter und erst in zweiter Linie auf seinen Schreibfleiß zurückzuführen. Entschuldigung, aber ich fand den Gedanken einfach zu gut.
Altersmäßig wird der Autor nur noch von seinem italienischem Kollegen Andrea Camilleri übertroffen. Der ist elf Jahre älter und schreibt auch heute noch.
Über Jacques Berndorf erfahren Sie in seinen Büchern sehr wenig. Seine Internetseite www.jacques-berndorf.de ist da schon ergiebiger und zeigt das pralle Angebot seines Schaffens. Etwas unpassend finde ich im Impressum den Hinweis „Die Homepage des derzeit erfolgreichsten Krimiautors Deutschland“. Wow, hat Herr Berndorf das nötig?
Hat er nicht. Sechzehn Bücher von ihm stehen in meinem Regal. Die komplette Eifel-Serie erscheint im Grafit Verlag. Als letztes Buch habe ich Eifel-Bullen gelesen.
Ermittler, Schnüffler, Katzenfreund und stets bereiter Ansprechpartner ist der Journalist Siggi Baumeister. Er lebt auf dem Land und hat in Emma und dem Kriminalrat a.D. Rodenstock gute Freunde, die mit ihm durch dick und dünn gehen und bei der Arbeit sachkundig unterstützen. Seine mit ihm ermittelnden Freunde hat der Autor gut ausgewählt. Außergewöhnlich im Denken und Handeln, aber ansonsten normal bis ungewöhnlich. Die Morde haben manchmal etwas Absurdes und erinnern eher an Inszenierungen. Wird so in der Eifel tatsächlich gemordet?
Er schreibt für eine Hamburger Zeitschrift. Er lebt davon, Verbrechen aufzuklären und hat regelmäßig ein Mordsglück, dass die berichtenswerten Verbrechen in seinem unmittelbaren Umfeld verübt werden. 
Berndorf schreibt in Ich-Form. Das schätze ich besonders. Da bin ich näher dran am Geschehen und fühle mich nicht so in die Beobachter-Rolle abgedrängt. Außerdem beschreibt er prall, satt und unmissverständlich. Er nimmt sich Zeit, Figuren mit Leben zu füllen. 
Mit welcher Dickfälligkeit Siggi Baumeister Spuren verfolgt, ist schon bemerkenswert. Denn mehr als einmal folgt er nicht warnenden Hinweisen Betroffener und bekommt dafür buchstäblich etwas aufs Maul, anders kann man diese Art von Prügel nicht bezeichnen. Er wird nicht geschlagen, sondern kriegt wirklich was aufs …, genauso.
Wenn er nicht gerade seinen Kopf oder andere Körperteile hinhält, beneide ich Siggi Baumeister ein wenig. Pfeife rauchen, Katzen kraulen, tiefschürfende Gespräche mit Freunde führen, jede Menge Lieblingskneipen in erreichbarer Nähe haben und ein Haus mit Teich sein eigen nennen. Angesichts eines solch illustren privaten Umfeldes lässt sich vielleicht auch der eine oder andere grässlich verstümmelte Tote ertragen.
Hartnäckig ist der Journalist Baumeister und geht keinem Disput aus dem Weg. Wenn er das Haus verlässt um einer Spur nachzugehen, bekommt der Leser das Gefühl, einen Schritt hinter ihm zu gehen.
Siggi Baumeister liebt die Eifel, nimmt den Leser auch in seinem Auto mit und erklärt die Landschaft. Der Autor versteht es gut, die unterschiedlichen Verhaltensmuster zwischen den Bewohnern der Eifel-Region und dem Rest Deutschlands treffend zu beschreiben.
Wer noch nichts von Jacques Berndorf gelesen hat, sollte unbedingt beim ersten Band Eifel-Blues anfangen. Nur so kann der Leser richtig Anteil nehmen an Liebe und Leid im Privatleben des Siggi Baumeister. Denn ab und zu menschelt es bei Baumeister so richtig und da möchte man ungern durch zu viel Nachdenken Wissenslücken schließen müssen, sondern sich ungebremst mitfreuen können.
Die Krimis von Jacques Berndorf haben nach meiner Einschätzung immer einen Hauch von Abenteuer. So gibt es kein Spinnwebmuster von filigraner Feinheit oder übertriebene Zurückhaltung beim Befragen von Zeugen und Verdächtigen. So kraftvoll wie die Landschaft sind auch Handlungsablauf, Sprache und Akteure. Das abwechslungsreiche Privatleben des Siggi Baumeister sorgt für genügend Überraschung.
Gefallen hat mir besonders Eifel-Blues. Außerhalb der Eifel-Reihe, aber auch als Regional-Krimi einzuordnen, ist das Buch Die Nürburg-Papiere. Dieser Band ist zudem wegen seiner Aktualität lesenswert. 
Kein Regionalkrimi und somit eigentlich nicht in dieses Forum gehörend, ist Der Monat vor dem Mord, ein Zeitdokument von 1972. Dieses Buch ist ein echter Tipp, genauso wie …, aber das kommt später.
Übrigens, Siggi Baumeister erinnert mich ab und zu an Robert Walcher, den ermittelnden Journalisten des Autors Joachim Rangnick.

Wie heißt es doch bei Amazon beim Bestellen eines Artikels im Internet so schön: Wer dies liest, der findet auch das toll. Oder so ähnlich. 

 

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