Meine Kommissare

Jesper Stein: Kopenhagen

Weissglut

Weissglut

Dieses Buch hat mich ziemlich atemlos gemacht. Ich musste diese gut vierhundert Seiten so schnell wie möglich lesen. Deshalb lautet meine Empfehlung: Fangen Sie mit diesem Buch an, wenn Sie Zeit haben. Denn der Autor ist Fachmann, der weiß, wovon er schreibt. Und, auch wenn es reichlich abgedroschen klingt, er ist ein wahrer Meister der Spannung.  
„Jesper Stein ist Journalist und arbeitete als Kriminalreporter in Kopenhagen. 2008 erschien sein Bestseller über Bent Isager-Nielsen, den Leiter der Sektion 1, des dänischen Pendants zum FBI. Das Buch erklärt u.a., warum Dänemark die weltweit höchste Aufklärungsrate bei Mordfällen aufweisen kann. Jesper Stein lebt seit 1992 in Norrebro, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Dies ist sein zweiter Roman um den Kommissar Axel Steen.“ Das ist der Klappentext. 
Dieses Buch ist mehr als ein Regionalkrimi – viel mehr. Der Autor beschreibt zwar detailliert Straßen, Plätze und Parks und liefert eindrucksvolle Stimmungsbilder seiner Heimatstadt. Doch beeindruckt hat mich der straffe Handlungsablauf. Es gibt auch Einblicke, mitunter tiefe Einblicke, in das Privatleben der Ermittler. Doch sie lenken nicht ab, sondern zeigen vielmehr die menschlichen Stärken und Schwächen der Figuren.   
Protagonist ist der Vizekriminalkommissar Axel Steen. Getrennt lebend, Vater einer Tochter und seinem Beruf restlos und ruhelos ausgeliefert. Seine besten Freunde heißen Alkohol, Joint und Hasch. Der Starermittler des Morddezernats der Kopenhagener Polizei ist dabei, sich systematisch zu ruinieren.
Und dann gibt es endlich eine neue Spur im unaufgeklärten Fall der Marie Schmidt, die vergewaltigt und ermordet wurde. Einen Fall, den er bislang nicht aufklären konnte. Eine Niederlage, die er bis heute nicht akzeptieren kann. Die immer noch an ihm nagt.  
Eine schwache Spur, am Anfang nur eine Ahnung, nicht mehr als ein Verdacht. Doch als sich für Axel Hinweise auf einen möglichen Serientäter ergeben, hält ihn nichts und niemand mehr.
Axel ist durch und durch Jäger, gnadenloser Verfolger, niemals aufgebender Ermittler. Seine Unbeirrbarkeit bekommen nicht nur seine Kollegin Tine Jensen, sondern auch der Vizepolizeichef Jens Jensen und sein Vorgesetzter John Darling zu spüren. Verbal, in einfachen unmissverständlichen Worten. 
Anders reagiert er auf der Straße, wenn er auf Fragen nicht die gewünschten Antworten erhält, wenn er ungeduldig oder gar angegriffen wird. Da wird er ganz böse. Skarface heißt er bei seinen Kollegen, seit er einen Mörder in einem brennenden Container gestellt hat.
Dieser Axel zeigt sich aber auch als sensibler Fragensteller, wenn er mit mißhandelten Frauen spricht. So sehr er seine Wut auf den Täter unterdrücken muss, so sehr versteht er es, den Opfern mit vorsichtigen Worten wichtige Hinweise zu entlocken. 
Gründliche, häufig vergebliche, Polizeiarbeit beschreibt Jesper Stein. So genau kann eigentlich nur beschreiben, wer auch mal dabei war.  

 

 

 

 

 

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