Meine Kommissare

Juergen Seibold: Allgäu

Rosskur

Rosskur

Noch ein Allgäu-Krimi! Muss das sein? Ich stehe in „meinem“ Buchladen in Wangen im Allgäu und frage, wie jedes Jahr im Januar, wieder einmal nach einer „Neuentdeckung“ aus dem Bereich der Regionalkrimis. Dazu muss man wissen, dass Wangen für meine Frau und mich zu einer festen Zwischenstation auf der Reise in den Winterurlaub geworden ist. Sie weiß, dass der Besuch einer ganz bestimmten Buchhandlung im Ort für mich zum Ritual gehört – da ist nichts zu machen.
Und jetzt wird mir Rosskur empfohlen, herausgegeben im Januar 2013 von Piper. Im Silberburg-Verlag erschien bereits eine Krimi-Reihe des Autors Jürgen Seibold, www.juergen.seibold.de. Rosskur soll der Auftakt zu einer neuen Allgäu-Krimi-Reihe sein. So steht es auf der Website des Verlages.
Zur Vita des Autors gibt es nur wenig Information vom Verlag: „Jürgen Seibold, 1960 geboren, lebt mit seiner Familie in der Nähe von Stuttgart. Er ist gelernter Journalist und arbeitet als Buchautor. Unter anderem veröffentlicht er eine erfolgreiche Regionalkrimireihe“. Aber das sagte ich ja bereits.
Einen Auftakt erlebt auch der Ermittler Eike Hansen. Genau: kein Allgäuer, sondern ein Niedersachse. Ausgerechnet er soll im Land der Lederhosen der neue Chef für das Mordkommissariat der Kripo Kempten werden.
Es ist vorherzusehen: Der Niedersachse freut sich auf die neue Arbeit, die Allgäuer Kollegen tun sich mit der Begeisterung über ihren neuen Chef sehr schwer.
Die Geschichte ist gut und verständlich aufgebaut und liest sich ausgesprochen flott – ist aber bei weitem nicht oberflächlich.
Sehr gut gefallen hat mir die Beschreibung der Charaktere – man braucht nicht viel Fantasie, um sich die Menschen vorstellen zu können.
Richtig reingekniet hat sich Jürgen Seibold in zwei Themen, die den Inhalt weitgehend beherrschen: Polizeiarbeit und Pferdezucht.
Von Pferdezucht verstehe ich nichts. Klingt aber alles sehr logisch, nachvollziehbar und ist vor allen Dingen verständlich. Hier gibt niemand mit seinem Wissen an.
Unter den Begriff Polizeiarbeit fällt die gekonnte Auseinandersetzung des Autors mit den Zuständigkeitsbereichen der Polizeipräsidien Kempten und Rosenheim. Denn dem Täter genügte es nicht nur, eine höchst frevelhafte Tat zu begehen. Nein, ihm fiel auch dazu nichts Besseres ein, als die Leiche ziemlich genau zwischen die oben beschriebenen Zuständigkeitsbereiche zu platzieren. Und für Ordnung und Aufklärung soll jetzt der Neue sorgen. Zeit genug hat er ja, da er zwar mit Frau Hansen verheiratet, aber trotzdem alleine angereist ist.
Die Ermittler arbeiten solide, der Handlungsablauf ist glaubwürdig und nachvollziehbar, dabei aber auf keinen Fall langatmig.
Ein wenig, aber nur ein wenig, hat mich Kommissar Hansen an seinen Amtskollegen Jennerwein (Protagonist von Jörg Maurer) erinnert. 

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