Meine Kommissare

Kris Benedikt: England

Näher als du ahnst

Näher als du ahnst

Ich beziehe mich ausnahmsweise gleich zu Anfang auf den Klappentext. Das tue ich zwar höchst ungern, wie häufige Besucher meiner Website wissen, ist in diesem Fall aber der Sache äußerst dienlich. Denn kürzer kann man das, was die Autorin beschäftigt, nicht beschreiben.
Näher als du ahnst ist „Ricks erster Fall“. „Rick ist Detective Inspector bei der Metropolitan Police in London“. Was Rick, der mit vollem Namen Frederick London heißt, sonst noch ist, erzähle ich Ihnen später. “Kris B. „ist das Pseudonym für die dunkle Seite der Autorin Christine Spindler“.
Unter dem Klappentext sieht man die lächelnde Autorin. Kaum zu glauben, dass sich hinter diesem überaus sympathischen und lieben Gesicht eine Stirn verbirgt, die sich diese Geschichte um April Stevenson ausgedacht hat.
April leidet unter einer zum Glück seltenen Gabe: „Sie sieht den gewaltsamen Tod ihrer Mitmenschen voraus.“
Ich höre die Kommentare der Leser: Dann könnte sie die Betreffenden doch warnen.
Stimmt. Es ist nur leider so, dass ihr niemand glaubt. Sie leidet, empfindet körperliche Pein, sieht das Unglück auf bestimmte Menschen zukommen und warnt.
Wie würden Sie denn reagieren, lieber Leser?
Sehen Sie und genauso reagieren die Betroffenen in Näher als du ahnst auch. Gerade einmal 151 Seiten dick (bzw. dünn) ist der Psycho-Krimi "Ricks erster Fall". Das reicht aber allemal, um reichlich Spannung aufzubauen, Rick bei der Arbeit zuzuschauen und über die Schrullen der von der Autorin geschaffenen Figuren zu schmunzeln.
Die Handlung ist reichlich gespickt mit Dialogen, Anmerkungen zu und Beschreibung über Personen, die „very british“ sind. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich spreche. Eine meiner Tanten war jahrzehntelang mit einem Engländer in Cambridge verheiratet.
Auch April hätte als Protagonistin des Buches eine sehr gute Figur abgegeben. Schade, aber die Autorin hat ein anderes Ziel verfolgt und sich für Rick entschieden.
Auf den trifft die verzweifelte April Stevenson, als sie wieder einmal ein Unglück „vorhersieht“. Alles Reden nutzt nichts, die Situation wird immer verfahrener. April wendet sich an die Polizeiwache und trifft auf Detective Inspector London, der ihr zuhört und, was noch wichtiger ist, das Gefühl vermittelt, sie zu verstehen. Mit der Bezeichnung “Detective“ ist übrigens die Zugehörigkeit zur Kriminalpolizei gemeint.
Wird jetzt alles gut?
Kann April beruhigt sein?
Nein, kann sie nicht und das hat seinen Grund. Es ist nämlich ein Psycho-Krimi. Steht ja vorne drauf.
Näher als du ahnst erschien 2017 als Neuausgabe bei der edition tingeltangel. Der nächste Band heißt Schlimmer als dein Tod. Das Buch ist doppelt so dick und der Ermittler heißt wieder Rick London. Das ist jetzt die passende Gelegenheit, um auf den Ermittler näher einzugehen.
Die Autorin nimmt sich Zeit, ihren Protagonisten Rick „aufzubauen“. Da steht kein fix und fertiger Held, sondern ein liebenswerter Zuhörer menschlicher Sorgen und Nöte. Er analysiert wie ein Psychologe, übt Nachsicht, wo es angebracht zu sein scheint und er kann gut zuhören. Kein Hektiker, aber auch kein Langweiler. Und Rick hat ein Herz für Menschen. 

Alle Rezensionen von Kris Benedikt

Facebook