Meine Kommissare

Leon Sachs: Europa

Eleven

Eleven

Wenn Sie das Buch umdrehen, können Sie dem Klappentext entnehmen, worum es geht. Um den größten Terroranschlag in der Geschichte Großbritanniens. Die Bilanz ist grauenhaft: Elf Orte, elf Attentate, Hunderte Tote.
Das heißt: Der Leser weiß schon alles. Darum geht es also (wieder einmal). Die Themen Terror, Terrorismus, Terrorgefahr, Terrorabwehr und Terrorbekämpfung beherrschen die Medien. Es wird geschimpft, gedroht, bedroht, gefürchtet, befürchtet und gewarnt.
Niemand kann mehr Meldungen ausweichen, die in irgendeiner Form mit Terror zu tun haben. Der Wunsch nach Frieden und Normalität war wohl kaum so stark ausgeprägt, wie in der heutigen Zeit – doch stets verbunden mit der Ahnung, dass es wohl für längere Zeit beim Wunsch bleiben wird.
Und genau zu dieser Zeit schreibt Leon Sachs dieses Buch: Eleven. Und als ob das nicht genügt liest man auf der Rückseite London brennt.
Ein solches Buch zu dieser Zeit schreibt man doch nur, wenn man etwas zu bieten hat, mehr zu bieten als das bislang Bekannte. Wenn man sich ganz sicher ist, die Leser zu erreichen.
Ich war vorbereitet, da ich den vorangegangenen Band Falsche Haut gelesen und weil ich mich auch mit der Vita des Autors beschäftigt hatte. Lesen Sie hierzu bitte meine Rezension zu Falsche Haut und besuchen Sie auch die Website des Autors leon-sachs.com.
Was ist das Besondere an Eleven?
Womit packt Leon Sachs seine Leser?
Der Autor verknüpft die kaum fassbaren Ereignisse mit einer durchgängig erzählten Geschichte, die den Leser fesselt. Er beschreibt in eindringlicher Form und sehr detailliert Planspiele der Politiker. Er beschreibt das Zusammenspiel von Politik und Polizei. Und er beschreibt das Gegenteil. Die Grabenkämpfe, die Vorbereitungen zur möglichen Übernahme von Posten. Das Posten-Geschacher. Gnadenlose Machtkämpfe von Männern, die vor nichts zurückschrecken, um zum Ziel zu kommen.
Der Leser erlebt hautnah mit. Er sieht Tränen fließen und hört Schreie.
Es ist diese Kühle, mit der Leon Sachs Geschehnisse beschreibt. Er schmückt nicht aus. Er erzählt. Und mittendrin sind Menschen, die man im Laufe der Geschichte kennen- und schätzen gelernt hat.
Leon Sachs macht einen Bogen um die Love Story und gibt trotzdem Gefühlen Raum.
Und er bereitet den Leser auf das zweite große Ereignis vor, dessen Auswirkungen kaum vorstellbare Ausmaße und Folgen haben werden.
Eine Geschichte, wie Leon Sachs sie erzählt, braucht unbedingt eine Leitfigur, so etwas wie einen Helden.
Eine solche Leitfigur ist Liam York, Hausmeister in einem Londoner Theater. Eigentlich wollte er nicht mehr, aber jetzt beginnt er zu handeln.
Es ist ein großartiges Buch. Leon Sachs hat Anerkennung für seine mutige Geschichte verdient. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht sagen. Lesen Sie Eleven einfach.
Das Buch erschien im August 2017 bei emons:, wie der vorangegangene Band auch.

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