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Leon Sachs: Europa

Falsche Haut

Falsche Haut

Mit „Ein jüdischer Dan Brown“ überschreibt die Jüdische Allgemeine am 1. Juni 2016 ihre Besprechung zu Leon Sachs´ Falsche Haut. Eine treffende Feststellung, der ich mich gern anschließe.
Damit endet (für mich) aber auch schon die Nähe zu Dan Brown. Denn Leon Sachs schreibt eine durchaus vorstellbare Geschichte um einen Geheimbund in Frankreich. Auf die Spur schickt er Alex Kauffmann, Professor für Geschichte an der Universität Fribourg, und seine Freundin Natalie Villeneuve.
Nein, die beiden sind weder Abenteurer noch ein Paar. Das Verhältnis zwischen den jungen Leuten ist geprägt von einer lebenslangen Freundschaft und großem Vertrauen. „Sie verband das gleiche Schicksal. Sie waren beide Waisen. Und sie waren beide Juden.“
Die Geschichte beginnt mit einem Anruf Natalies: „Alex, Papa ist tot.“
Das genügt, damit sich der Professor für Geschichte zusammen mit Natalie auf eine Odyssee durch Frankreich und die Geschichte Frankreichs während des Zweiten Weltkriegs zu begibt.
Der Tod des über neunzig Jahre alten Régis Villeneuve stiftet innerhalb der Familie zunächst Verwirrung. Denn was nach dem Ableben des alten Herrn offenbar wird, hätte niemand gedacht. Régis wurde seit siebzehn Jahren erpresst. Ein Testament, dass von einem auf den anderen Tag verschwindet, der Inhalt eines Gedichtes, das sich der Verstorbenen zu seiner Beerdigung gewünscht hat und das Treffen mit einem Pastor bestärken Alex und Natalie in ihrem Entschluss, den rätselhaften aber ernst gemeinten Hinweisen von Natalies Vater nachzugehen.
Leon Sachs beweist in Falsche Haut großen Mut. Er beschreibt in unserem Nachbarland Frankreich ein Szenario, dessen Ursprung zwar in der Vergangenheit zu suchen ist, das aber heute immer noch höchst lebendig ist. Er schickt den leidenschaftslosen Alex Kauffmann los, sich mit einem überaus mächtigen Geheimbund anzulegen. Zur Bewältigung einer solchen Aufgabe bedarf es schon eines pragmatisch denkenden und handelnden Geschichtsprofessors, der sich vordergründig nicht von Gefühlen leiten lässt – sondern auf sein Gespür vertraut. Natalie beschreibt ihn in ihren Gedanken so: Menschen, Emotionen, Gefühle, Frauen – das war nicht seine Welt. Dieser Typ konnte sich in den bizarrsten Momenten für Dinge begeistern, die ihr als Letztes in den Sinn kommen würden.
Alex kann gut fechten, weitere Eigenschaften, die ihm etwas Heldenhaftes verleihen könnten, fehlen. Seine Waffen sind sein Wissen und sein Verstand. Zusammenhänge erkennen und pragmatisch denken, das sind seine Stärken.
Temporeich schreibt Leon Sachs, er gönnt seinem Leser nur wenige Momente des Verschnaufens. Dazu ist auch weder Platz noch Zeit. Denn auch der Geheimbund nimmt mehr und mehr Raum ein. Er macht sich in der Handlung zunehmend breiter. Immer mehr Informationen zu den Zielen dieser mächtigen Organisation lässt der Autor einfließen. Behutsam, nicht überfallartig, macht er den Leser mit ihrer Struktur vertraut.
Auf dem Deckblatt des im Frühjahr 2016 bei emons: erschienenen Buches steht „Thriller“. Das stimmt.
Bleibt noch die Frage zu klären, wie ein Autor zu einem solchen Thema kommt.
Eine teilweise Antwort gibt sicher ein Ausschnitt aus seiner Vita: „Leon Sachs heißt im wahren Leben Marc Merten. Nach dem Abitur in seiner Heimat Köln studierte er im schweizerischen Fribourg Medienwissenschaften. Nach einigen Jahren im Beruf als PR-Berater hängte er ein Diplom in Theologie und Religion an der englischen Universität Durham an. Heute lebt und schreibt der Journalist wieder in Köln.“ So steht es im Klappentext. 

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