Meine Kommissare

M. Griffiths-Karger: Niedersachsen

Inspector Bradford sucht das Weite

Inspector Bradford sucht das Weite

Carolinensiel ist einer der zauberhaften Sielorte an der Nordseeküste. Der Begriff „Siel“ bedarf einer Erläuterung – eine kurze prägnante habe ich bei Wikipedia gefunden „Ein Siel ist ein verschließbarer Gewässerdurchlass in einem Deich Das Schließen erfolgt normalerweise durch höheren Druck bei höherem Wasserspiegel auf der Meerseite, das Öffnen durch höheren Druck von der Binnenseite bei niedrigem Wasserstand auf der Meerseite. Ein Siel ist also ein Ventil zur passiven Entwässerung des hinter dem Deich gelegenen Binnenlandes, besonders als Teil des Entwässerungssystems von Marschgebieten. „
Womit wieder einmal bewiesen ist, dass Lesen bildet.
Wer Carolinensiel kennt, kann diesen verträumten Ort eigentlich nur in guter Erinnerung haben – wer ihn nicht kennt, sollte ihn unbedingt besuchen und kennenlernen. Und wer schon mal dort ist, sollte auch gleich Harlesiel, Neuharlingersiel und Bensersiel einen Besuch abstatten. Menschen ohne Flugangst kann ich einen Flug über die Friesischen Inseln und das Watt empfehlen. Gestartet wird auf dem kleinen Flughafen in Harlesiel, geflogen mit einem der Inselflieger. Ich verspreche Ihnen ein unvergessliches Erlebnis.
So schön es hier auch ist, hier wird auch gemordet.
Über einen rätselhaften Mord und das anschließende Verschwinden eines (angehenden) Krimiautors hat Marion Griffiths-Karger einen Krimi geschrieben: Inspector Bradford sucht das Weite.
Der Autorin kann ich mit Fug und Recht bescheinigen, sich in der Region auszukennen – jahrelang habe ich in Horumersiel die Wochenenden verbracht und mit dem Fahrrad das Umland erkundet. Die Autorin „kennt“ außerdem auch die Menschen, mit dem Ergebnis, dass sie dem Leser ein breites Angebot an glaubwürdigen, unterschiedlichen Charakteren bieten kann.
Da sind zunächst die Mitglieder des Leseclubs von Carolinensiel, für die sich die Ermittler aus nachvollziehbaren Gründen in erster Linie interessieren. Schließlich starb eines ihrer Mitglieder eines gewaltsamen Todes.
Aber auch die Damen und Herren des Wittmunder Kommissariats verfügen über eine Reihe typischer Eigenheiten. Dazu gehört auch, dass es nicht jedem gegeben ist, jederzeit vom „Privat-“ auf den „Berufs-Modus“ umzuschalten. Umgekehrt klappt das schon eher.
Das gilt auch für Fenja Ehlers, Erste Hauptkommissarin bei der Kripo in Wittmund. Ach, wäre sie doch in privaten Belangen auch so sicher und zielstrebig wie im Beruf. Nicht nur sie, auch ihre Kollegen und Kolleginnen Gesa Münte, Jannes Tiedemann und Geert Frenzen hat die Autorin für den Leser zum Greifen nah beschrieben.
Ich darf an dieser Stelle daran erinnern, dass die Ermittlungen im Todesfall Heike Bornum immer noch das Kommissariat in Wittmund leitet und von Inspector Bradford (siehe Titel) jegliche Spur fehlt.
Kein Hinweis, nichts, hat ihn die Autorin vergessen?
Natürlich nicht.
Plötzlich und unerwartet lautet die Überschrift: „Eastbourne, Südengland, vier Tage zuvor“.
Hier ermittelt Detective Chief Inspector Bradford von der Polizeistation Eastbourne, unterstützt von Sergeant Buckley und Constable Gwyneth Sutton.
In der Nähe von Eastbourne, in dem kleinen (fiktiven) Ort Beecock an der Küste von East Sussex, hat es die Polizei ebenfalls mit einem unerklärlichen Todesfall (Mord) zu tun.
Von jetzt an hält sich der Leser abwechselnd ein paar Tage in Carolinensiel und in Eastbourne und Umgebung auf und verfolgt zwei Handlungsstränge.
Marion Griffiths-Karger lässt den Leser über das Warum und Wie der parallel laufenden Handlungsstränge sehr lange im Unklaren. Nur so viel: Wer ihr vertraut, wird nicht enttäuscht.
Inspector Bradford sucht das Weite erschien im Oktober 2016 und, wie ihre vorher erschienenen Krimis auch, bei emons:. 

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