Meine Kommissare

Marta Donato: Italien

Tod am Gardasee

Tod am Gardasee

Matthias Holzinger hatte wieder einmal zu viel gegessen und natürlich auch zu viel getrunken. Jetzt steht er auf seinem Besitz am Gardasee und schaut unter der sengenden Sonne auf seine neue Errungenschaft: eine nagelneue Yacht, ein schnittiges, schneeweißes Motorboot für acht Personen. Wenn später der Bürgermeister von Verona vorbeischaut, wollen die beiden gemeinsam nach Saló hinüberfahren.
Bei der Gelegenheit will Holzinger, der nicht nur Eigner eines Bootes, sondern auch Bürgermeister von Wolfing (eine Gemeinde im Landkreis Traunstein) ist, seinem italienischen Kollegen vertraulich Tipps für den bevorstehenden Wahlkampf geben. Denn der Bayer weiß, wie man Wahlen gewinnt.
Allein, es bleibt beim Plan.
Holzinger hört einen Knall und fast gleichzeitig trifft ihn ein harter Schlag auf die Brust. Kurze Verwunderung, Blut zwischen den dicken Fingern, ein weiterer Schlag am Kopf und er fällt vom Steg ins Wasser.
Das ganze Ausmaß an Bedeutung dieses Mordes wird dem ermittelnden Commissario Antonio Fontanaro aus Verona schlagartig klar, als er in der Villa des Toten auch auf Signor Di Santo, den Veroneser Bürgermeister, trifft. Was hat der hier zu suchen? „Ein Mann mit vielfältigsten Beziehungen. Ihn sich zum Feind zu machen, wäre keine gute Entscheidung gewesen.“
Die Villa Sole befindet sich seit sechs Jahrzehnten im Besitz der Familie Holzinger und somit auch Robert Holzinger, dem Bruder des Ermordeten. Robert wollte die Villa gern verkaufen. Er hatte auch bereits einen Interessenten, dem dieses schöne Anwesen fünf Millionen Euro wert war. Aber die Familie Holzinger verkauft nie und nimmer Immobilien – die Familie Holzinger mehrt ihr Vermögen. Punkt. An dieser Stelle beschleicht den Leser ein erster Verdacht.
Ein paar Seiten weiter erweist sich die Autorin als Insiderin des gesellschaftlichen Lebens (und Treibens) in Verona und speziell in der Villa Sole. Der Leser wird nicht nur mit politischen Grabenkämpfen konfrontiert, sondern erlebt auch mit, wie es hinter den Kulissen eines Theaters vom Format der Arena di Verona zugeht.
An dieser Stelle befinde ich mich in einem Dilemma. Soll ich Ihnen weitere Intrigen-Häppchen vom Gardasee bieten, wollen wir gemeinsam den Sprung über die Alpen wagen und uns anschauen, wie in Wolfing die Familie Holzinger „regiert“ und die Geschicke der Gemeinde bestimmt? 
Nur so viel noch. Auf der Suche nach der Antwort auf die berühmte und vordringliche Frage nach dem Motiv kommen der Veroneser Commissario Antonio Fontanaro und sein Mitarbeiter Enrico Brandino nicht umhin, sich mit dem privaten Umfeld der Familie Holzinger zu beschäftigen. Die wohnen aber nun mal in Wolfing (Landkreis Traunstein). Dort arbeitet Antonios Freund und Kollege Georg Breitwieser, Hauptkommissar der Mordkommission Traunstein. Die beiden kennen sich nicht nur, sondern haben auch in der Vergangenheit bereits mehrfach erfolgreich zusammengearbeitet (siehe erster Band Veroneser Finale).
Der Pfeil zeigt nach Norden, nach Wolfing. Eine enge Zusammenarbeit ist auch aus Sicht des Kriminaloberrates Alois Pfaffenrieder (Breitwiesers Chef) unumgänglich. „Das ist schon eine Riesenschweinerei“, sagt er. „Sie fahren sofort morgen nach Italien und suchen den Mörder.“
Marta Donato bietet in Tod am Gardasee eine mit viel Liebe und Bedacht ausgesuchte Truppe an Akteuren. Dieses Irgendwie-miteinander-verstrickt-sein, die latente Frage, wer von wem abhängig ist und wer über wen bestimmt und welchen Einfluss hat bietet darüberhinaus viele Spuren und Möglichkeiten – und das Alles zwischen Garda und Verona.
Die dritte Auflage dieses Buches erschien im Mai 2017 bei der edition tingeltangel.

 

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