Meine Kommissare

Martin Walker: Périgord

Bruno Chef de police

Bruno Chef de police

Regionalkrimi. Eine äußerst nüchterne Bezeichnung für die Bücher von Martin Walker. Die Begeisterung des Autors für sein Tatort-Umfeld, das zugleich einer seiner beiden Wohnsitze ist, zeigen bereits die ersten Sätze seines ersten Bandes der Bruno-Reihe, die im Diogenes Verlag erscheint. Gelesen habe ich Bruno Chef de police, Grand Cru, Schwarze Diamanten und Femme fatale. Den vierten Band, Delikatessen, kaufe ich mir, sobald er als Taschenbuch erscheint. 
Land und Leute werden so liebevoll beschrieben, dass der Leser glaubt, einen Film zu sehen. Dann tritt der Protagonist ins Bild. Bruno, Chef de police des 2.900 Einwohner zählenden Ortes Saint-Denis. Eigentlich heißt er Benoit Courrèges, wird aber von allen, die ihn kennen, nur kurz Bruno genannt.
Nach wenigen Seiten kennt und schätzt man Bruno wie einen liebgewonnenen Nachbarn. Bruno ist nicht nur begehrter Junggeselle im Ort, sondern auch Gourmet und Sporttrainer. Ihm gehören außerdem ein Haus, ein Hund und ein altes Auto.
Der einzige Polizist im Ort hat nur einen Vorgesetzten, den Bürgermeister, und viele Freunde. Braucht er Hilfe, dann wendet er sich an die örtliche Gendarmerie, die für mehrere Gemeinden in dem weitläufigen Landbezirk zuständig ist.
Martin Walker wurde 1947 in Schottland geboren und ist Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist. Nach seinem Studium arbeitete er 25 Jahre als Journalist bei der britischen Tageszeitung „The Guardian“. Heute ist er Vorsitzender eines privaten Think-Tanks für Topmanager in Washington.
Der Autor hat es geschafft, mich intensiver mit dem Périgord, genauer, dem Kulturerbe vom Périgord-Dordogne, zu beschäftigen. Wenn Sie auch mehr zu diesem Thema wissen möchten, geben Sie als Suchbegriff Auf den Spuren von Martin Walker ein. In einem kleinen Film gibt Martin Walker zudem einen kleinen Einblick in das Leben seines Protagonisten Bruno. Oder Sie schauen sich die Website www.brunochiefofpolice.com an.  
Als Dorfpolizist hat Bruno in erster Linie mit den Verfehlungen Kleinkrimineller zu tun. Das füllt natürlich noch kein Buch und erhebt auch keinen Anspruch auf die Bezeichnung Regionalkrimi.
Ein Mord im Ort muss da schon sein. Natürlich kann und darf der kleine Polizist Verbrechen solcher Größenordnung nicht allein aufklären. Darum kümmern sich die nationalen Polizeibehörden. Die verfügen zwar über Spezialisten, haben aber keinerlei Ortskenntnisse oder Beziehungen zur Bevölkerung. Da kann nur Bruno helfen. Bruno fragt und befragt, er wühlt in der Vergangenheit und nutzt seinen guten Draht zum Bürgermeister. Die übergeordneten Dienststellen akzeptieren die Unterstützung des Chef de police nur zähneknirschend und sparen am Lob. Damit kann Bruno leben, denn von diesem Elixier erhält er genug von seinen Mitbürgern. Er steigert von Band zu Band den Grad seiner Beliebtheit.
Der Mann ist ohnehin ein Tausendsassa. Was der alles kann, worum er sich kümmert, wem er mit Rat und Tat zur Seite steht und nebenher sein Haus pflegt, Gäste üppig bewirtet, Zeit für seinen Hund hat und sich als Sporttrainer um die Belange der Jugendlichen kümmert - Hochachtung.
Vielleicht kommt deshalb bei ihm die Liebe zu kurz. Klar, es knistert von Zeit zu Zeit, aber so schnell Bruno in Ausübung seines Amtes und Erfüllung seiner Aufgaben sonst zupackt, so vorsichtig geht er mit den um ihn werbenden Damen um.
Der Autor recherchiert hervorragend, nicht nur in Bezug auf die Region. Die beherrschenden Themen der drei Bände werden so treffend und nachvollziehbar beschrieben, dass der Leser lernen kann (wenn er will).  
Manchen Kritikern erscheint die Figur des Bruno zu überzeichnet, auch stören sie sich an mancher zu weitschweifigen Beschreibung. Damit mögen sie recht haben. Für mich ändert das nichts am Gesamteindruck. Wie heißt es so schön: Übertreibung macht anschaulich. Und das gilt in diesem Fall für Martin Walker. 
Ich habe versucht, an Hand der Beschreibungen die Vorlage für den fiktiven Ort Saint-Denis zu finden. Jetzt wurde das Geheimnis gelüftet. Der Diogenes Verlag hat einen kleinen Reiseführer von Martin Walker herausgegeben. Und da steht es: Le Bugue heißt die nicht einmal dreitausend Einwohner zählende Gemeinde.  

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