Meine Kommissare

Maxim Leo: Brandenburg

Auentod

Auentod

Dies ist ein Regionalkrimi, der sich mit einer (vermute ich mal) weithin unbekannten, aber deshalb nicht zu vernachlässigenden Region beschäftigt. Lieber Leser, schlagen Sie den Atlas auf, surfen Sie im Netz und finden Bad Freienwalde. Dann langsam mit dem Finger Richtung Nordosten, überqueren Sie die Oder (die in Polen Odra heißt) und suchen die Stadt Chojna. Zwischen diesen beiden Kleinstädten ermittelt der Protagonist Daniel Voss. 
Wir befinden uns in den Oderauen, dem südlichen Teil des Odertals. Naturparks und Biosphärenreservate liegen hier dicht beieinander. Grüner geht es nicht. Hier ermittelt Kommissar Daniel Voss vom Polizeipräsidium in Bad Freienwalde.
Der Kommissar macht es seinem beruflichen Umfeld nicht gerade leicht, was die Zusammenarbeit betrifft. Er erreicht sein Büro lieber auf Umwegen, um auf den Fluren nicht auf Kollegen zu treffen und Team-Besprechungen sind ihm ein Gräuel. Anweisungen seines Vorgesetzten, des Polizeidirektors, hört er sich zwar an, entscheidet aber selbst, ob und wann er sie befolgt. Der Polizeidirektor hat keinen Namen, er wird von Voss stets mit Herr Polizeidirektor angesprochen. Seinen Mitarbeiter spricht der Kommissare stets nur mit Neumann an, er hingegen wird von diesem ausschließlich mit Chef tituliert.
Ach ja, für Computer hat sich Voss noch nie besonders interessiert. Bereits die Kommunikation in der analogen Welt hält er für tendenziell überbewertet.
Doch Voss ist ein erfolgreicher Ermittler, weshalb ihm manche seiner Schrullen nachgesehen werden.
Welche Folgen eine mangelnde Bereitschaft an Kommunikation haben und wie nützlich der Einsatz moderner Technik sein kann, erfährt der Kommissar in Auentod beruflich und privat gewissermaßen in einem Schnellkurs.
Eigentlich soll er sich um die Aufklärung eines tödlichen Unfalls unter merkwürdigen Umständen in Bad Freienwalde kümmern, doch verschwindet zeitgleich seine polnische Freundin Maja während eines Festes auf polnischem Boden.
An diesem Punkt wird Voss zum Pendler zwischen Deutschland und Polen.
Die Umstände der Art und Weise, wie Georg Kramer in Bad Freienwalde ums Leben gekommen ist, erscheinen immer seltsamer, Voss kommt nicht umhin, sich mit diesem Vorgang zu beschäftigen zu müssen. Mysteriös sind aber auch die Umstände von Majas Verschwinden. Der Privatmann Voss ist zu einem gewaltigen Spagat gezwungen. Gegenüber der Hauptkommissarin Agnieska Zajak vom Polizeipräsidium von Chojna verhält er sich bei der Suche nach seiner Freundin Maja wie ein besorgter Freund, kann aber in seinem Verhalten nicht leugnen, durch und durch Polizist zu sein. Diese Seite von Daniel Voss gefällt der polnischen Kollegin überhaupt nicht und sie macht daraus auch kein Hehl. Zudem zeigt sie dem deutschen Kollegen sehr anschaulich, dass auch in Polen der Fortschritt nicht haltgemacht hat. Voss staunt und gibt die Erkenntnis an den Leser weiter.
Maxim Leo hat einen handfesten soliden Krimi geschrieben. Er stellt dem Leser mit viel Gefühl und Überzeugung das Leben der Menschen in diesem Grenzgebiet vor und baut darauf seine Handlung auf. Rückblicke auf die unselige Geschichte beider Länder bilden eine wichtige und sinnvolle Ergänzung.
Und dann zeigt der Autor, was er unter einem Krimi versteht: Es geht zur Sache, dass sich der Leser verwundert die Augen reibt.
Voss ermittelt nicht mehr, Voss kämpft.
„Maxim Leo wurde 1970 in Ost-Berlin geboren, ist gelernter Chemielaborant, studierte Politikwissenschaften, wurde Journalist. Er arbeitet als Reporter bei der Berliner Zeitung, schreibt mit Jochen-Martin Gutsch Bestseller über sprechende Männer und außerdem Drehbücher für den Tatort.“ Diese Information und noch etwas mehr können Sie dem Klappentext entnehmen. Auentod erschien im September 2015 und ist der zweite Krimi mit Kommissar Voss nach Waidmannstod. Beide Bände erscheinen bei Kiepenheuer & Witsch.

 

 

 

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