Meine Kommissare

Natasha Korsakova: Rom

Tödliche Sonate

Tödliche Sonate

Diese Dame macht es mir nicht leicht. Nein, sie macht es mir sogar schwer - richtig schwer. 440 Seiten geballtes Wissen über Rom, die ewige Stadt, und über die Stradivari und den Stradivari. "Die" Geige und "den" Geigenbauer. Und da es ein Kriminalroman ist, auch über Mord und Totschlag. Geht das ?
Das geht. Das geht sogar sehr gut. Ich war gespannt, was überwiegt: Die Musik, die Stadt oder der Kriminalfall.
Es kommt jeder auf seine Kosten: Der Musikliebhaber, der "Römer" (zu dem man wird, wenn man einmal diese Stadt besucht hat) und der Krimifan. Keiner wird enttäuscht. Die Autorin ist gründlich bei allem was sie schreibt und beschreibt. 
Natasha Korsakova schreibt eine (fast) wahre Geschichte um diese ganz besondere Violine, die den bedeutsamen Namen Messias trägt. Ein Mytos im Mittelpunkt einer spannenden Geschichte, die zudem mitten in Rom spielt. Dazu eine Handvoll Künstler, die auf ein Zeichen, einen Wink, besser noch: einen Vertrag, warten. Und zwar nur von einer einzigen Person. Der in den Kreisen der klassischen Musik gefürchteten Musikagentin Cornelia Giordano. Sie allein bestimmt über Anfang und Ende einer Karriere. Da sie eines Abends in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden wird, hielt sich ihre Beliebtheit offensichtlich in Grenzen.
Wer tut so etwas?
Um die Lösung dieser Frage kümmert sich Commissario Di Bernardo. Es ist der erste Kriminalroman der Autorin und somit auch Di Bernardos erster Fall. Natasha Korsakova hat den Protagonisten mit einer Vita ausgestattet, die glaubwürdig und passend zugleich ist. Ich verliere mich jetzt nicht in Einzelheiten. Verschaffen Sie sich selbst ein Bild von diesem Ermittler, der ohne jegliche Übertreibung präsent ist. Der weder als Held noch zu bescheiden auftritt. Ein Italiener, ein Süditaliener, mit allen typischen Vorlieben und Schwächen ausgestattet. Und das gilt übrigens auch die anderen Akteure dieses Buches. Die Autorin legt große Sorgfalt auf "Vorstellbarkeit" aus Sicht des Lesers.  Wie schafft man es, die dreihundert Jahre alte Geschichte dieser ganz besonderen Violine der Leserschaft eindringlich und nachvollziehbar zu vermitteln? Man lässt den Leser die Geschichte selbst miterleben. Vorausgesetzt, der Leser bringt die Bereitschaft dazu mit. An dieser Stelle habe ich eine eindringliche Bitte. Nehmen Sie sich Zeit. Es ist die Summe der Details, die aus diesem Kriminalroman ein "gutes Buch" machen. Denn es ist ein gutes Buch und es ist geschrieben von einer Künstlerin, die Lust hatte, einen Kriminalroman zu schreiben und der zudem in "ihrer" Stadt spielt.
Tödliche Sonate erschien Ende 2018 im Wilhelm Heyne Verlag. Im Februar 2020 erschien im gleichen Verlag der zweite Band, mit dem Titel Römisches Finale. 

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