Meine Kommissare

Nicola Förg: Oberbayern

Donnerwetter

Donnerwetter

Donnerwetter ist der neunte Band um den Ermittler Gerhard Weinzirl und sein Kommissariat in Weilheim. Mein immer wieder geäußerter Hinweis, sich für das Lesen Zeit zu nehmen, gilt für dieses Buch ganz besonders, lieber Leser. Nicola Förg hat sich große Mühe gegeben, neben einem gelungenen Krimi auch Wissenswertes für das Langzeitgedächtnis zu vermitteln. Dazu gibt es am Schluss dieser Rezension so etwas wie einen kulturellen Abspann. Jetzt kümmern wir uns aber erst einmal bei bestem Sommerwetter um die Wasserleiche, deren Fund den Protagonisten so brutal aus seiner sonntäglichen Träumerei am Buchenberg reißt.
„Der große alte Mann der Oberland-Kriminalistik“ holt mit seinem Anruf und dem Hinweis auf den Fund den Ermittler aus seinen Träumen. Und da Baier es einfach nicht schafft, auch im Ruhestand von Leichen fernzubleiben, verfolgt er Weinzirl wie ein Schatten bei den Ermittlungen. Wenn Baiers Nachfolger, also Weinzirl, diesen Umstand nüchtern betrachtet, erweist sich der oberbayerische Sturkopf schon als wertvolle Unterstützung. Denn was dieser an Geschichte und Geschichten weiß, kann sich Weinzirl zumindest auf die Schnelle nicht mehr erarbeiten.
Höchst sympathisch und mit viel Feingefühl, auch wenn die Wortwechsel für unsere norddeutschen Ohren manchmal das wünschenswerte Feingefühl missen lassen, beschreibt Nicola Förg das Geschehen. Die Akteure sieht der Leser allesamt deutlich vor sich. Allen voran Gerhard Weinzirl mit Hund Seppi und dem alten VW-Bus, dicht gefolgt von der ansehnlichen Evi Straßgütl und der Kollegin Melanie. Und dann gibt es noch Jo. Das ist Weinzirls ehemalige Lebensgefährtin. Gleichzeitig ist dieses Energiebündel aber auch die Freundin und Vertraute von Evi und, zu Weinzirls ständigem Kummer, eine hartnäckige Hobby-Ermittlerin. Wer hier schon immer gelebt hat, wo Weinzirl erst seit einigen Jahre zu Hause ist, verfügt über einen nahezu uneinholbaren Wissensvorsprung und genießt das Vertrauen der Einheimischen. Da ist Weinzirl auch als Ordnungshüter machtlos.
Nicola Förg verbindet in Donnerwetter (Tod am Auerberg) Krimi und Geschichte in sehr nachdrücklicher Form. Das liegt an der sorgsamen Aufbereitung des Themas (für wen war Geschichte in der Schule eigentlich spannend?) und ihren Charakteren, die sich dem mystischen Auerberg mit Haut und Haaren verschrieben haben. Da tauchen Keltenfanatiker, dubiose Experten und esoterische Sonderlinge auf und schaffen es, dass erfahrene Ermittler ihnen geduldig zuhören.
Und an Stelle von „Action“ bietet die Autorin ihren Lesern einen höchst eindrucksvollen „verbalen Showdown“.
Donnerwetter ist Geschichte zum selbst erleben und das in einer traumhaft schönen Landschaft. Gemeint sind der Auerberg und Umgebung. Geben Sie bei Wikipedia mal Auerberg (Allgäu) ein und Sie werden staunen. Vielleicht machen Sie die folgenden Hinweise ja neugierig:
„Somit ist die Gipfelregion des Auerberges die wohl älteste großflächige römische Siedlung in Bayern. Etwa 2007 hat sich zudem eine Bürgerinitiative gegründet, die sich den Erhalt der historischen Kulturlandschaft zum Ziel gesetzt hat. Bürger von Bernbeuren und der umliegenden Auerbergland-Gemeinden, Denkmalschutzbehörden, Naturschutzverbände, Politiker, Bayerisches Staatsministerium etc. unterstützen die Initiative, die eine massive Veränderung des Landschaftsbildes an dieser herausragenden Stelle im Alpenvorland befürchtet. „
Das Buch erschien im Oktober 2013 bei emons:. 

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