Meine Kommissare

Nicolas Remin: Venedig

Schnee in Venedig

Schnee in Venedig

„Venedig 1862: In der Kabine eines Raddampfers wird ein hoher kaiserlicher Offizier ermordet aufgefunden. Commissario Tron ermittelt mit besonderem Interesse; schließlich steht die faszinierende Principessa di Montalcino auf der Passagierliste. Doch schon bald wird ihm der Fall von der österreichischen Militärpolizei entzogen. Kaiserin Elisabeth von Österreich persönlich hat indes ihre Gründe, Tron bei seinen Nachforschungen tatkräftig zu unterstützen“. 
Jetzt habe ich doch mit einem selbst auferlegten Tabu gebrochen: Ich habe abgeschrieben. Aber treffender kann man den Inhalt des 2005 im Rowohlt Taschenbuch Verlag erschienenen Romans Schnee in Venedig nicht beschreiben. Da der Preis auf der Rückseite überklebt ist, muss es sich um ein Geschenk handeln. 
Der Klappentext enthält allerhand Reizworte, die sowohl neugierig machen als auch das Falsche vermuten lassen können: Venedig 1862, Raddampfer, Principessa, Kaiserin von Österreich. Auch ich habe mich zunächst täuschen lassen, musste mich aber eines Besseren belehren lassen. Hoch lebe das Vorurteil. 
Alvise Tron, der vor drei Jahren zum Commissario von San Marco ernannt wurde, ist so ziemlich das Gegenteil von seinem heute lebenden Kollegen Brunetti. Tron lebt mit seiner Mutter, der Contessa Tron, in einem Palazzo. Nur kein Neid, Mutter und Sohn leben von der Substanz und dem kärglich Gehalt des Commissario – und das ist nicht gerade üppig. Die fast spürbare „Armut“ teilen sich viele der Begüterten mit dem Rest der Bevölkerung. Den Venezianern geht es nicht gerade blendend, da das Veneto von den Österreichern besetzt ist. Das bedeutet für die Italiener natürlich eine Kränkung. Und deshalb kommt es immer wieder zu mehr oder weniger blutigen Auseinandersetzungen.  
Die Gegensätze im Palazzo Tron könnten nicht größer sein. Hier der Commissario, der jeden Morgen in die Questura am Campo San Lorenzo geht, und dort die Contessa, die von alten Zeiten träumt und für ihren Sohn Alvise eine gute Partie sucht, damit sie die Heizkosten, dringende Reparaturen am Palazzo und ein standesgemäßes Leben bezahlen kann. Obwohl bei dieser Auflistung die Heizkosten der kleinste Posten sind, ist er in diesem Winter der wichtigste. Es ist nämlich furchtbar kalt und der Palazzo ist riesig groß. 
Der Commissario ist ein freundlicher Mensch, er liebt seinen Beruf und lässt sich ungern etwas vorschreiben. Und wie sein Kollege Brunetti findet er bei seiner Vorgehensweise nicht immer die notwendige Unterstützung seines Vorgesetzten, in diesem Fall ist dies der Polizeipräsident Spaur, der jegliche Unterstützung ablehnt, wenn es spannend bzw. brenzlig wird.  

Alvise Tron ist kein Held, aber ein Sturkopf, der mir viel Akribie und Gegenwind den rätselhaften Mord an dem hohen kaiserlichen Offizier aufklären will. Seine Hartnäckigkeit und die fehlende Furcht vor der Obrigkeit verschaffen dem Commissario Unterstützung von maßgeblicher Seite, nämlich der Kaiserin persönlich. Irgendeinen Vorteil muss ein ermittelnder Conte schließlich mal haben.  

Es gibt aber noch eine weitere Dame im persönlichen Umfeld des Commissario. Sie sorgt dafür, dass der Ermittler nicht ausschließlich ermittelt. 
Geschrieben hat das Buch Nicolas Remin als Roman, nicht als Krimi. Für mich enthält das Buch alle Zutaten für einen soliden Regionalkrimi. 
„Nicolas Remin wurde 1948 in Berlin geboren, studierte Allgemeine und Vergleichenden Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte in Berlin und Santa Barbara, Kalifornien.“ Soweit der Auszug aus dem Klappentext. 
Der Autor lebt heute in der Lüneburger Heide. Eine persönliche Website konnte ich leider nicht finden. Erst mit 56 Jahren begann er zu schreiben. 2004 erschien mit Schnee in Venedig der erste von sechs Romanen mit dem Commissario Tron. 

 

 

 

Alle Rezensionen von Nicolas Remin

Facebook