Meine Kommissare

Peter Beutler: Schweiz

Berner Münstersturz

Berner Münstersturz

Von Peter Beutler hatte ich bereits Morgarten gelesen und war somit sowohl eingestimmt als auch vorgewarnt. Der Autor ließ es schon seinerzeit nicht an Deutlichkeit und Offenheit fehlen.
Das ist deshalb so bemerkenswert, weil Ausgangspunkt für seinen 2014, ebenfalls bei emons:, erschienenen Roman eine wahre Begebenheit war. Ganz vorsichtig ausgedrückt hat diese „Begebenheit“ eine breite Aufmerksamkeit in der Schweiz zur Folge gehabt. Eigentlich mag ich nicht vergleichen. Vergleiche hinken und sind häufig Ansichtssache. Ich tue es trotzdem.
Mit Berner Münstersturz ist dem Autor eine Steigerung in jeglicher Hinsicht gelungen. Das betrifft die Thematik und die Dramaturgie.
Lieber Leser, Sie sollten wissen, dass sowohl Morgarten als auch Berner Münstersturz zumindest zum Teil auf wahren Begebenheiten beruhen. Das verschafft beiden Büchern neben der Spannung, wie man sie von einem guten Krimi erwarten kann, auch Brisanz und Aktualität.
Berner Münstersturz ist ein Politthriller mit einem hohen Potential an Vorstellbarem.
Ich zitiere den ersten Satz aus dem Nachwort: „Vieles in diesem Buch ist fiktiv. Doch das bedeutet nicht, dass es frei erfunden ist. Es ist die nacherzählte Geschichte eines undurchschaubaren Justizskandals. Der Fall des sogenannten Jahrhundertverräters Jean-Louis Jeanmaire.“
Es bleibt dem interessierten Leser überlassen, sich im Netz zur Person des Jean-Louis-Jeanmaire zu informieren. Je mehr er bereit ist einzutauchen in diese, sagen wir mal, mehr als unappetitliche Geschichte um den sogenannten Jahrhundertverräter, desto eher wird ihn die nacherzählte Geschichte eines undurchschaubaren Justizskandals berühren und erschrecken.
Aber auch wer „nur“ einen in jeder Hinsicht aufregenden Politthriller lesen möchte, kommt voll auf seine Kosten.
Ein Verdacht ohne Begründung, ein langsam größer werdendes Lügengebilde, eine perfide Verhörtaktik, eine klar erkennbare Absicht, die von Staatslenkern getragen wird. Das alles führt bei den Betroffenen zu einem Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht.
Zu den Betroffenen zähle ich übrigens auch den Leser.
Peter Beutler verliert sich nie in Oberflächlichkeit. Er schweift nicht ab und er beschönigt nicht. Seine Detailtreue wird zum Mittel zum Zweck. Sie vergrößert den Schrecken.
Ein ausführliches Nachwort, ein Glossar, ein Verzeichnis der Personennamen, sowie Hinweise zu den Geheimdiensten in der Schweiz und der Sowjetunion tragen dazu bei, das Unmögliche für möglich zu halten.
Berner Münstersturz erschien im Oktober bei emons:, wie auch die vorangegangenen fünf Kriminalromane dieses Autors. 

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