Meine Kommissare

Peter Beutler: Schweiz

Hauptwache Urania

Hauptwache Urania

Bitte, tun Sie sich und mir einen Gefallen und werfen zunächst einen Blick auf die Website des Autors: peter-beutler.ch.
So, jetzt können wir uns der Hauptwache Urania widmen.
Peter Beutler schreibt klar, unmissverständlich, ohne Umwege. Er schildert Fakten mit einer Deutlichkeit, die seitenlang sprachlos macht. Ich sagte Fakten, denn seine Geschichten beruhen auf wahren Begebenheiten. Erlebt und erlitten in seinem Heimatland – der Schweiz.
Der Autor ist kein Ankläger, er macht sich nicht zum Anwalt Benachteiligter. Er schildert Sachverhalte und wenn Sie unsicher sind, lieber Leser, dann geben Sie im Netz die entsprechenden Suchbegriffe ein und Sie erhalten die Bestätigung. Natürlich sind die Geschehnisse in einen Roman eingebunden, sonst wären wir als interessierte Leser gezwungen, Ordner zu wälzen.
Peter Beutler schreibt Kriminalgeschichten auf der Grundlage wahrer Begebenheiten in dem offensichtlichen Bewusstsein, die Zahl seiner Freunde nicht zu vergrößern. Ich bin mir aber sicher, dass mit jedem Buch die Zahl seiner Anhänger und (mir fällt kein anderer Begriff ein) Bewunderer wächst.
Einfügen sollte ich an dieser Stelle, dass meine Frau und ich seit vielen Jahren in die Schweiz fahren und uns sehr intensiv mit Land und Leuten beschäftigen - kurz gesagt: Wir lieben dieses Land. Morgen, am 8. November 2017, besucht uns übrigens ein befreundetes Ehepaar aus dem Haslital (Berner Oberland). Sie haben früher in Beatenberg, dem Wohnsitz des Autors, gewohnt. Wenn man ein (Vorzeige) Land wie die Schweiz „kennt“, dann sitzen diese Hiebe, die Peter Beutler austeilt, schon tiefer.
Liebe Leser, es geht hier nicht um einen Ländervergleich, dass etwa „andere Länder auch ihre Probleme haben“. Das wäre zu einfach. Der Autor nutzt seine Fähigkeiten als Krimiautor nachweislich, um mit Nachdruck auf ein kaum fassbares Unrecht in der Schweizer Geschichte hinzuweisen. Den Schrecken erfährt der Leser durch die Schilderung von Details. Diese Genauigkeit hat Glaubwürdigkeit zur Folge. Worum geht es?
Es geht um Vorkommnisse in den späten sechziger Jahren – um die 68er-Bewegung. Schwere Auseinandersetzungen zwischen der Studentenschaft und der Obrigkeit gab es nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz. Es war die Zeit des Kalten Krieges. Vor diesem Hintergrund waren Korruption und Intrigen an der Tagesordnung, die auch jedes Vorstellungsvermögen sprengen. 
Fast fünfzig Jahre später, im Jahr 2014, kommt vor der Hauptwache Urania in Zürich ein ehemaliger Beamter der Zürcher Stadtpolizei zu Tode. Ich zitiere: „Kommissar Koch muss sich für die Aufklärung des Mordes tief in die Schweizer Geschichte zur Zeit des Kalten Krieges und in die dunkler Vergangenheit des Opfers graben.“
Hauptmann Arno Koch gehörte bislang nicht der Stadtpolizei an, sondern war als Offizier der Kantonspolizei in der städtischen Hauptwache Ansprechperson für ungeklärte Todesfälle. Für die Aufklärung der Todesumstände in dem obigen Fall soll er eine Arbeitsgruppe aus den Beständen (so heißt es wirklich) der Kantons- und der Stadtpolizei zusammenstellen.
Die Begeisterung aller Beteiligten hält sich sichtlich in Grenzen.
Koch ist ein ruhiger und hartnäckiger Ermittler. Er verabscheut Unrecht und geht sehr sensibel an die neue Aufgabe heran. Wohl wissend, dass er gerade bei der Obrigkeit (den Nachfolgern der 68er) auf Unverständnis bis Ablehnung stößt, gräbt er stur in den Akten der Vergangenheit, deren Inhalte sich oftmals auf wundersame Weise aufgelöst zu haben schienen.
Die Handlung spielt in zwei Zeitebenen. Sorgsam beschriebene Figuren, damals wie heute, und lebhafte Dialoge treiben den Leser voran. Peter Beutler baut seine mehr als spannende Geschichte auf Dokumenten und verbrieften Aussagen auf, gerät aber nie in die Versuchung bzw. die Gefahr, ein „Geschichts“ Buch zu schreiben.
Fazit: Es ist ein politischer Krimi!
Hauptwache Urania erschien im Herbst 2017 bei emons:, wie die vorangegangenen Bände des Autors auch. 

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