Meine Kommissare

Pierre Lagrange: Provence

Blutrote Provence

Blutrote Provence

Kennst du Pierre Lagrange?
So beginnen üblicherweise die Fragen von guten Freunden, die meine Leidenschaft für Krimis kennen und mich mit ihren Entdeckungen überraschen wollen.
Nein, kannte ich noch nicht. Also begann ich mit Band zwei Blutrote Provence.
Wer meine Rezensionen kennt, weiß, worauf es mir ankommt - was mir wichtig ist. Team, Thema und Tatort.
Was das Thema angeht, so bietet der Autor, der gar nicht Pierre Lagrange heißt, dem Leser eine nachvollziehbare, gut erzählte Story.
Auch das Regionale stimmt. Man kann dem Handlungsverlauf mit dem Finger auf der Landkarte folgen. Das mag ich. Der Leser spürt schon, wenn "etwas nicht stimmt". Dieses Buch ist übrigens wieder einmal der Beweis dafür, dass Tatorte nicht spektakulär sein müssen. Mir sagt eine detailreich geschilderte Landschaft mit typischen Merkmalen viel mehr zu als ein Ziel aus einem Fremdenführer.
Kommen wir zum Team - in diesem Buch für mich das Wichtigste.
Natürlich gibt es ein Ermittlerteam mit allen Hierarchien. Und auch einen Staatsanwalt. Ich könnte Ihnen jetzt Namen nennen. Die können Sie aber alle vergessen. Merken Sie sich stattdessen Albin Leclerc. Der ist wichtig. Das ist der Protagonist, obwohl sich der Ex-Commissaire bereits im Ruhestand befindet.
Eigentlich.
Tatsächlich aber nicht.
Der Mann taucht mit seinem Mops Tyson überall dort auf, wo er nichts zu suchen hat. Wo betreten verboten steht.
Wie er das macht, ist das große Geheimnis von Albin Leclerc, dem „Ermittler“ und Pierre Lagrange, dem Autor. Der Autor muss der Leserschaft eine glaubhafte Figur bieten, die auch Akzeptanz findet - und nicht unglaubwürdig wirkt. Ein hohes Risiko geht Pierre Lagrange mit seinem Protagonisten ein, denn mit ihm steht und fällt der Erfolg der Geschichte.
Dieser Albin Leclerc spielt seine Rolle hervorragend.
Dabei ist er ein Kotzbrocken.
Anders kann man ihn nicht beschreiben. Ich benötigte einige Seiten, bis ich ihn akzeptierte. Dann waren wir endlich Freunde geworden. Seine Vorgehensweise ist nicht ungewöhnlich, nein, sie ist frech bis zur Unverschämtheit.
Aber Albin macht einfach. Stur wie ein Panzer. Albin kommt mit Worten weiter und mit seinem Auftreten. Wie er seine Worte wählt, das nimmt ihm der Leser ab - wenn auch mit einem leicht gequälten Lächeln.
Nicht unerwähnt lassen möchte ich die Streifenpolizistin Catherine Castel. Eine junge Frau mit bereits bemerkenswerter Biografie. Sie "arbeitet " wohl als Einzige mit Albin zusammen. Alle anderen hingegen lassen ihn gewähren. Auch deshalb, weil sie nicht anders können. Als anerkennswert empfinde ich übrigens den Umstand, dass der Autor die Geschichte nicht mit gut gemeinten Schilderungen der Region überfrachtet.
Blutrote Provence erschien bereits 2017 bei Scherz im S. Fischer Verlag. Vor mir liegt der im Juni 2019 erschienene fünfte Band mit dem Titel Mörderische Provence.

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