Meine Kommissare

Pierre Martin: Provence

Madame le Commissaire und der Tod des Polizeichefs

Madame le Commissaire und der Tod des Polizeichefs

Bastian, der einflussreiche Polizeichef von Toulon, der von Sanary-sur-Mer über Saint Tropez bis Fréjus das Sagen hatte, ist freiwillig aus dem Leben geschieden. „Alles hätte man von ihm erwartet, aber keinen Selbstmord.“
Isabelle Bonnet hatte als Madame le Commissaire mit Bastian viele Streite ausgefochten. Sie und ihr Assistent, Sous-Brigadier Apollinaire, waren ihm beide in tiefer Abneigung zugetan und doch wird er den beiden fehlen. Das wissen sie heute schon. „Kein empörter Anruf mehr aus Toulon und keine Wutausbrüche mit Schnappatmung. Schade.“
Zwar hatte Commandant Bastian einen Abschiedsbrief hinterlassen, aber wer ihn kannte, mochte an Selbstmord nicht so recht glauben. Diese Zweifel hegt auch Isabelle Bonnets oberster Chef, Maurice Balancourt aus dem Innenministerium. Seine Zweifel entstammen seiner professionellen Einschätzung. Er setzt sich über das Ermittlungsergebnis der Präfektur Toulon hinweg und setzt Isabelle als Sonderermittlerin der Police nationale ein – mit allen Befugnissen.
Die Ermittlerin bildet mit Apollinaire die kleine Außenstelle der Police nationale in Fragolin (ein fiktiver Ort im Hinterland der Cote d´Azur gelegen). Dieses Kommissariat war extra für Isabelle gegründet worden. Diese Hinweise sollten genügen, liebe Leser, um die Sonderstellung von Madame le Commissaire zu veranschaulichen. Pierre Martin hat für seine Protagonisten sehr gekonnt und liebevoll eine Legende geschrieben, die mehr als nur wenige Zeilen Beschreibung verdient hat.
Der Autor hat der Versuchung widerstanden, eine Heldin zu schaffen. Madame le Commissaire arbeitet hoch professionell, liebt es zu flirten, ist gerne Frau und kann genießen. Allerdings verdient nach meiner Ansicht ihr Sous-Brigadier Apollinaire nicht weniger Beachtung und Anerkennung. Eine höchst gelungene Ergänzung zu Madame. Gäbe es ihn nicht, man müsste ihn genauso erfinden.
In Madame le Commissaire und der Tod des Polizeichefs geht es natürlich in erster Linie um …, genau. Aber der Autor hält für den Leser noch eine zweite Geschichte parat. Nämlich den lange zurückliegenden, nicht aufgeklärten Überfall auf ein Juweliergeschäft in Cannes. Zu diesen beiden Fällen wird zeitgleich ermittelt und so bietet Pierre Martin dem Leser 362 Seiten lang unterhaltsame Spannung. Natürlich kommt auch „die Provence“ nicht zu kurz. Der Leser erhält genügend Hinweise, um seine bereits feststehende Urlaubsplanung noch einmal zu überdenken. Aber der Autor unterlässt Schwärmereien und belässt es bei einem besonders „reizvollen Tatort“.
Es macht Spaß, den beiden Ermittlern bei der Arbeit, insbesondere beim Denken, zuzuschauen bzw. zuzuhören. Das Buch ist mit einer gehörigen Portion Leichtigkeit geschrieben, sie lässt aber den notwendigen Ernst, der zur Handlung gehört, nicht vermissen. Strandkorblektüre? Nein, das ist mehr. Madame le Commissaire will genossen werden. Ein Glas Wein dazu, aber bitte nicht in der Sonne.
Isabelle und Apollinaire sind erfolgreich, ungeklärt bleibt in diesem Buch die Frage nach der Identität des Autors. Im Klappentext des Buches steht nur so viel: „Hinter dem Pseudonym Pierre Martin verbirgt sich ein Autor, der sich mit Romanen, die in Frankreich und in Italien spielen, einen Namen gemacht hat. Für seine Hauptfigur Madame le Commissaire hat er sich eine neue Identität zugelegt.“
Vier Bände um Madame le Commissaire sind seit dem März 2013 erschienen. Ich habe Madame le Commissaire erst mit Band drei kennengelernt – auf nachdrückliche Empfehlung einer guten Freundin, die meine Leidenschaft für gute Krimis kennt. Gleich im Anschluss an Band drei habe Band vier gelesen: Madame le Commissaire und das geheimnisvolle Bild. Die Rezension hierzu folgt in den nächsten Tagen. Heute ist der 16. Mai 2017.

 

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