Meine Kommissare

Pierre Martin: Provence

Madame le Commissaire und der verschwundene Engländer

Madame le Commissaire und der verschwundene Engländer

Das Buch könnte auch heißen: Wie alles begann.
Pierre Martin stellt seine Protagonistin mit einer Leichtigkeit vor, die den Leser sofort einnimmt und einstimmt. Der Autor versteht sein Handwerk und deshalb wäre es schade, dem Buch nicht die volle Aufmerksamkeit zu widmen. Lieber Leser, Sie würden viel versäumen.
Isabelle Bonnet stammt aus Fragolin, einem fiktiven Ort im Hinterland der Côte d Ázur. Hierher kehrt sie nach vielen Jahren zurück – aus gutem Grund. In Paris war sie eine hochdekorierte Heldin. Leiterin einer geheimen Spezialeinheit. Beinahe wäre sie bei einem Attentat auf den Präsidenten ums Leben gekommen.
Sichtbar sind die äußeren Narben, unsichtbar sind die inneren: Erinnerungen an eine furchtbare Explosion. Jetzt hat sie eine Auszeit genommen, um sich zu regenerieren.
Blauer Himmel, eine traumhafte Landschaft, wenig Touristen und freundliche Menschen. Das Leben könnte so schön sein, wenn es so weiterginge.
Geht es aber nicht.
Erstens ist Isabelle im tiefsten Herzen immer noch Polizistin und deshalb berufsbedingt neugierig und zweitens reicht der Arm ihres obersten Vorgesetzten im Innenministerium und zugleich väterlichen Freundes Maurice bis nach Fragolin.
Geradezu spielerisch und mit viel Charme schafft es Maurice, Isabelle zu einer Ermittlung vor Ort zu verleiten. Allein diese Dialoge sind lesenswert! Und das sind gewissermaßen „nur“ die Auftakte für die folgende Handlung. Maurice genießt es geradezu, wenn er hört, wie Isabelle sich wieder einmal gegen die örtliche Gendarmerie durchgesetzt hat.
Und damit nimmt die Geschichte ihren Lauf. Aus Isabelle Bonnet wird „Madame le Commissaire“.
Erneut musste Maurice lachen. „An diese Anrede musst du dich bis zum Abschluss der Ermittlungen gewöhnen.“
Natürlich liebt die in Fragolin geborene Isabelle das Leben dort – aber ein klein wenig Abwechslung, verbunden mit ein wenig Spannung und Anspannung, da wäre sie nicht abgeneigt.
Es wäre nicht gerecht und nicht gerechtfertigt, alle Anerkennung allein Madame zuteilwerden zu lassen. Es gibt schließlich noch Sous-Brigadier Jacobert Apollinaire Eustache, stets nur Apollinaire genannt, der Isabelle mit Hingabe unterstützt. Scheinbar ein Chaot, aber ausgestattet mit Fähigkeiten, die Madame le Commissaire regelmäßig in Erstaunen versetzen.
Nein, ich werde an dieser Stelle kein Wort zur Handlung verlieren. Wozu? Brauchen Sie Hinweise zu einer halbnackten Frauenleiche und dem spurlosen Verschwinden eines mysteriösen Engländers?
Dies ist ein Kriminalroman und wenn Sie beim Lesen gerade wieder einmal Lavendelduft in der Nase spüren, sollten Sie wissen, dass dieser Zustand nicht von langer Dauer sein wird. Pierre Martin weiß genau, wie er seine Leser kalt erwischt.
Madame le Commissaire und der verschwundene Engländer ist der erste Band um die Ermittlerin Isabelle Bonnet. Er erschien 2014 bei Droemer Knauer, wie auch die folgenden drei Bände.
Unter dem Pseudonym Pierre Martin verbirgt sich ein Autor, der sich mit Romanen, die in Frankreich und in Italien spielen, einen Namen gemacht hat. Für seine Hauptfigur Madame le Commissaire hat er sich eine neue Identität zugelegt.“ So steht es im Klappentext. Mehr habe ich nicht gefunden.

 

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