Meine Kommissare

Reinhard Pelte: Sylt

Inselkoller

Inselkoller

Sylt. Einen Tatort dorthin zu verlegen, klingt zunächst wie gewollt. Ist aber nicht so, wie sich beim Lesen herausstellt. Die Insel mit ihren auffälligen Besonderheiten wird recht unauffällig beschrieben – gerade so, wie es sich die meisten Erholungssuchenden dort wünschen. Die Website www.pelte.de schildert den 1943 geborenen Autor als vielgereisten Genussmenschen. Er hat im Ausland gelebt, ist zur See gefahren und lebt in der Nähe von Flensburg. Inselkoller, sein literarisches Debüt, erschien 2009. Wäre ich einige Jahrzehnte jünger, würde ich sagen: Coole Website.
Der Protagonist, Kriminalrat Tomas Jung, wird in der Einführung vom Gmeiner-Verlag als, sagen wir mal, bedingt einsatzfähig beschrieben. Diese Haltung ist das Ergebnis seiner jahrelangen kritischen Betrachtung der Arbeitsweise innerhalb der Polizeiinspektion. Er muss schließlich einsehen, dass die eingefahrenen Strukturen dieser Dienststelle stärker sind als sein Bemühen, Dinge ändern zu wollen. Sein Ziel ist das effiziente Arbeiten. Das Ziel seiner Kollegen besteht im peniblen Einhalten von Dienstvorschriften und Kleiderordnung.
Also resigniert er. Bis er eines Tages „auf Weisung von oben“ eindringlich gebeten wird, sich der Aufklärung eines spektakulären Todesfalles auf Sylt zu widmen. Die bislang intensiv geführten Ermittlungen einer Sonderkommission waren mit der Vermutung auf Selbstmord abgeschlossen worden.
Ich komme einfach nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass der Protagonist Frau und Kind hat und zu Hause alles in Ordnung ist. Das heißt, seine Frau fragt ihn zu seinem aktuellen Fall und er erzählt so viel bzw. wenig, wie er bereit ist. Und das ist dann auch in Ordnung für Frau Jung.
Der gelernte Einzelkämpfer Jung arbeitet in Ruhe und kommt in zahlreichen Gesprächen langsam aber stetig voran. Er nutzt seinen Sympathiefaktor und hat Geduld. Als Leser begleitet man ihn gern. Jung strahlt Gelassenheit aus, kann aber auch laut werden, wenn er unnachgiebig Dritte befragt.
Die Befragungen nimmt Jung bei Tische vor. Nicht im Verhörraum seiner Dienststelle, sondern in entspannter Atmosphäre beim Frühstück oder Abendessen. 
Soweit die Handlung das Leben auf der Insel betrifft, wird der Autor sehr genau und vermeidet Überschwang. Auch Kriminalrat Jung lässt sich nicht von Glamour und Glitzer beeindrucken. Das Buch ist zum Glück keine Hommage an die Insel. Das würde in diesem Fall unglaubwürdig wirken.
Genau ist Reinhard Pelte auch bei der Beschreibung zahlreicher Details. Das zeugt von gründlicher Recherche und macht die Geschichte insgesamt glaubwürdig. Ich hatte stellenweise das Gefühl, der Autor empfindet Freude daran, mit Wissen zu glänzen. Das ist positiv gemeint.
Ein leiser Krimi, der sich flüssig liest. Der Leser möchte nicht nur erfahren, wie der Fall gelöst wird, sondern auch, wie es mit Tomas Jung weitergeht.
Insgesamt hat Reinhard Pelte fünf Krimis um den Kriminalrat Tomas Jung geschrieben. Der letzte erschien im Februar 2013 und, so wie die anderen, im Gmeiner-Verlag.
Inwieweit es sich bei den übrigen vier auch um Regionalkrimis handelt, kann ich nicht beurteilen, weil die Inhaltsangaben keine entsprechenden Rückschlüsse zulassen.  

 

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