Meine Kommissare

Richard Crompton: Kenia

Hell's Gate

Hell's Gate

Ich hatte ja schon Schwierigkeiten, mir in den griechischen Krimis von Petros Markaris diese so völlig anders klingenden Namen zu merken. 
Damals wusste ich noch nichts von Hell´s Gate. Das ist der Name des 68 km² großen Nationalparks in Kenia. Und hier spricht man vornehmlich Swahili.
Hell´s Gate heißt der im Juni 2015 bei dtv premium erschienene Kriminalroman von Richard Crompton. Die Handlung spielt in dem erwähnten Nationalpark in Kenia, etwa 110 Kilometer nordwestlich von Nairobi. Die höchst genaue Beschreibung der Örtlichkeiten macht aus diesem Buch einen echten „Regionalkrimi“. Einen afrikanischen Regionalkrimi. 
Der Autor nimmt es nicht nur mit der Beschreibung der Region so genau, sondern auch mit der Geschichte und der Kultur des Landes. Der Leser erhält auf angenehme Weise etwas (längst fällige) Nachhilfe zur politischen Entwicklung des Landes und wird über die unendlichen Schwierigkeiten und Mühen unterrichtet, die Regierungsstellen und Polizei mit der Durchsetzung von Recht und Ordnung in einem Land wie Kenia haben. 
Die geschilderte Realität ist weit entfernt von Romantik und kitschigen Stimmungsbildern, die es sicher auch gibt, aber eben nicht vorherrschend. 
Die Detailtreue, mit der Richard Crompton Land und Leute beschreibt, verdankt er seinen Lebensumständen. Im Klappentext des Buches steht dazu: „Richard Crompton hat als Journalist und Produzent für die BBC gearbeitet. 2007 ging er mit seiner Frau, die als Menschenrechtsanwältin bei den Völkermordprozessen von Ruanda tätig war, nach Afrika. Er lebt mit seiner Familie in Nairobi.“ 
Verbrechen werden weltweit begangen. Da die Täter Menschen sind, ähneln sich Ursachen und Gründe auch weltweit. Mögen Dienststellen und Polizeiapparate auch unterschiedliche Namen tragen, so nehmen sie doch die gleichen Aufgaben wahr. 
Doch einen Massai als Ermittler konnte ich mir wirklich nicht vorstellen. Bis ich die Geschichte des Massai-Ermittlers Mollel las. Die Massai gehören zu der wohl bekanntesten Volksgruppe Ostafrikas. Man schätzt ihre Zahl auf etwa eine halbe bis eine Million. 
Dieser Ermittler besitzt weder ein Büro noch ein Auto. Er besitzt nicht einmal das volle Vertrauen seines Vorgesetzten. Aber Mollel besitzt besondere Fähigkeiten und Ausdauer. Die Figur des Mollel buhlt beim Leser nicht um Sympathie oder Mitleid, wenn es mal wieder rau zugeht. Hier ist Wildnis, hier herrschen andere Gesetze. Richard Crompton hält keinen Vortrag über sein Land, sondern schildert ohne Pathos die Verhältnisse. Der Leser nimmt ihm jede Zeile ab. 
Zugegeben, ich habe lange gebraucht, um mich mit diesem Massai-Ermittler anzufreunden und in ihm beispielsweise einen Kollegen europäischer Ermittler zu erkennen. Aber es hat geklappt. 
Richard Crompton hat einen ganz wichtigen Kriminalroman geschrieben.  

 

 

 

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