Meine Kommissare

Roman Voosen: Schweden

Später Frost

Später Frost

Erschienen ist das Buch erstmals im September 2012 bei KiWi, also Kiepenheuer & Witsch. Es steht schon eine geraume Weile in meinem Bücherregal und will gelesen werden. Dieses Schicksal teilt Später Frost mit einer ganzen Reihe anderer Bücher. Es gibt noch viel mehr Anwärter auf eine Rezension. 
Und was mache ich?
Ich selektiere, wähle aus, mache einen Bogen um dieses oder jenes Buch und treffe eine Bauch-Entscheidung.
Das ist nicht professionell, das weiß ich.
Ich will mich ändern. 
Warum ich jetzt Später Frost doch gelesen und das Buch einer ganzen Reihe mir bereits bekannter und vertrauter Autoren-Namen vorgezogen habe, hat einen einfachen Grund: Ich kam vor kurzem in einem fränkischen Gasthof mit meinem Tischnachbarn ins Gespräch. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch, entdeckten schnell Gemeinsamkeiten und zack, sprachen wir über Krimis. Vom Nachbartisch folgte sogleich die Empfehlung, ein Buch des Autorenduos Voosen/Danielsson zu lesen. Denn dieses Autorenpaar seien gute Freunde. 
Damit war eine Entscheidung getroffen. Jetzt gab es kein zurück mehr. Ich versprach artig, mich gleich nach meiner Rückkehr aus dem Urlaub dem mir vorliegenden ersten Fall für Ingrid Nyström und Stina Forss zu widmen.
Diese Entscheidung war gut, wenn mich das Buch auch zu einem ungeahnten Maß an Konzentration gezwungen hat. Denn Voosen/Danielsson fordern von ihren Leser viel Aufmerksamkeit. Die beiden bieten dafür aber auch eine ganze Menge. Und das gilt für alle drei ´“T“, die mir als Richtschnur für die Bewertung eines Krimis gelten: Thema, Team und Tatort. Das ist mein ganz persönliches Bewertungs-Schema – bislang habe ich damit gute Erfahrungen gemacht. 
Das Thema verrate ich Ihnen nicht. Es würde zu weit führen. Die Autoren gehen damit sehr sensibel um und geben dem Leser reichlich Möglichkeit zum Nachdenken. Auch für die Ermittler wird „das Thema“ zunehmend zur Belastung. Anweisungen vom Vorgesetzten, Einmischung höherer Dienststellen, Beschwerden von Persönlichkeiten und das alles mit dem Wissen, nichts zu wissen. Absolut nichts. Und dabei geht es um „nur einen" Mord. Einen einzigen Mord.
Das Team ist sorgsam ausgewählt. Jeder liefert seinen Beitrag und kann seine Stärken zeigen, sogar Lars Knutsson, nicht immer der Hellste, hat seine Sternstunde. 
Wer aber ist tatsächlich die Protagonistin? Ist es die gerade zur Hauptkommissarin beförderte Ingrid Nyström oder ihre neue Mitarbeiterin Stina Forss, die noch etwas Mühe hat, sich nach dem Umzug aus Berlin in der neuen Umgebung zurechtzufinden?
Zwei starke Charaktere, auch geprägt und geformt durch ihr Privatleben. Liebes Autorenduo: Ich habe mich für Stina Forss entschieden. Ein Satz beschreibt das Wesen dieser Frau sehr treffend: „Dann dachte sie (gemeint ist ihre Vorgesetzte Ingrid Nyström) an Stina Forss, die Polizistin aus Deutschland. Forss war gerade erst zwei Wochen bei ihnen und hatte sich dennoch in den Fall verbissen wie ein Kampfhund. Jetzt war sie in …, auf eigene Faust, ja, auf eigene Rechnung, riskierte ein Disziplinarverfahren, sogar den Ausschluss aus ihrem Anpassungslehrgang, und das alles, um im Staub der Vergangenheit nach einem Puzzlestückchen zu suchen. Was treibt diese Frau, fragte sie sich, was treibt diese Forss eigentlich an?“.
Das ist nicht nur ein Buch für die Freunde von „Schweden-Krimis“. Das ist ein Buch für Krimifreunde, die in Ruhe genießen wollen, auch mal das Buch aus der Hand legen und irgendwo an der Zimmerdecke eine Antwort suchen oder sich gedanklich treiben lassen. 
Wenn Sie mehr über das Autorenduo erfahren möchten, empfehle ich Ihnen unbedingt den Besuch ihrer Website voosen-danielsson.de. Hier steht auch, dass mittlerweile (nämlich im Juni 2018) der sechste Band mit Ingrid Nyström und Stina Forss erschienen ist. 

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