Meine Kommissare

Sandra Dünschede: Hamburg

Kofferfund

Kofferfund

Es steht zwar „Ein Nord-Krimi“ drauf, aber es ist ein Hamburg-Krimi. Das wird aus allen Beschreibungen deutlich. Was ich der Autorin hoch anrechne, dass sie die Freie und Hansestadt nicht „schöner macht“. Wie es sich für eine Hamburgerin gehört, neigt auch Sandra Dünschede nicht zur Übertreibung. Immer hübsch sachlich bleiben, das ist ihre Sache.
Dabei hätte sich doch bereits der Fundort des Koffers, mit diesem grässlichen Inhalt, zu episch breiten Schilderungen zu seiner besonderen Lage und seinem grandiosen Blick über den Hafen geeignet. Doch die Autorin hält sich zurück und konzentriert sich auf die Handlung, in dessen Verlauf sich Hauptkommissar Peer Nielsen von der Mordkommission und sein Kollege Michael Boateng (der Familienname gibt tatsächlich Auskunft über die Herkunft) um die Aufklärung eines rätselhaften Mordes bemühen.
Die Autorin liefert dem Leser ohne jegliche Schnörkel das Szenario und stellt nacheinander die Beteiligten vor. Die werden sämtlich genau beschrieben, kein Leser kann sich am Ende über das Vorenthalten einer wichtigen Information beschweren.
An dem Ermordeten lassen weder Sandra Dünschede noch alle, die ihn zu Lebzeiten kannten, ein gutes Wort. Der Ermordete war ein Ekel und somit gibt es auch kein Wort des Bedauerns.
Trotzdem bleibt es ein Verbrechen, das aufgeklärt werden muss.
Da ihn niemand mochte, ist die Liste der Verdächtigen entsprechend lang. Doch schränken die Tatumstände den Kreis wiederum ein.
Der Druck auf das Ermittlerteam wächst von Tag zu Tag. Für die Presse ist der grausame Fund ein Grund für dicke Schlagzeilen. Peer Nielsens Vorgesetzter gibt den auf ihn ausgeübten Druck an das Team weiter. Doch das nutzt alles nichts. Was hilft, ist das mühsame Zusammentragen von kleinen und kleinsten Puzzleteilen.
Sandra Dünschede lenkt den Leser nicht mit schönen Bildern und weitschweifigen Betrachtungen ab. Sie bleibt stets dicht bei der Handlung und schaut den Ermittlern zu.
Allen voran Peer Nielsen, dem Single. Der darunter leidet, dass andere Männer etwas haben, was ihm wohl ewig versagt sein wird: eine Frau. Peer Nielsen weiß das und arbeitet an sich. Der Leser drückt ihm die Daumen. Denn dieser Hauptkommissar hat wirklich eine Frau fürs Leben verdient.
Zurück zur Geschichte.
In diesem Mordfall helfen weder Hinweise der Spurensicherung, noch Fingerabdrücke. Hier ist Nachdenken gefragt. Wer passt ins Täterprofil, wem ist eine solche Tat zuzutrauen? Es wird weder gejagt, noch geschossen. Es wird ermittelt, wie es sich gehört. Und genau das macht Kofferfund von Sandra Dünschede zu einem guten, glaubwürdigen Kriminalroman.
Kofferfund erschien im Juli 2016 und, wie die vorherigen Krimis der Autorin auch, im Gmeiner-Verlag.

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