Meine Kommissare

Sebastian Knauer: Hamburg

Mörderisches Mozart-Kind

Mörderisches Mozart-Kind

Da ist Musik drin. Auch in seinem zweiten Musikkrimi zeigt und beweist der Autor sein Wissen und vor allen Dingen seine Liebe zur Musik. Das umfangreiche Wissen um die Hauptperson, gemeint ist natürlich Mozart, ist wiederum Voraussetzung für das Gelingen einer Komposition aus Kultur und Krimi. Eine Gradwanderung, bei der Halbwissen unweigerlich zum Scheitern führt. Doch Sebastian Knauer beherrscht das Schreiben einer spannenden Geschichte und das Vermitteln von Musikgeschichte.
Natürlich ist Mörderisches Mozart-Kind ein Krimi mit Mord und Totschlag. Der Autor schildert eine Handlung in der Jetzt-Zeit, mit Ermittlern und einem Privatdetektiv. Er lässt den Leser in den Kopf eines Besessenen, von der Musik Besessenen, schauen. Im Business ein kühler Stratege, ein Kosmopolit, einer, der sich in der Welt auskennt, dem scheinbar nichts fremd ist. Steven Briggs/Stefan Sand, ein und dieselbe Person. Der Leser ist ständig dabei. Beim Mord, beim Essen, im Bett. Er verfolgt den Mann mit der doppelten Identität auf Schritt und Tritt. Wie er sich seine Frauen, Musikerinnen, für seine Pläne aussucht. Sorgsam, fast liebevoll, jeden erdenklichen Aufwand betreibend. Wie er diese Frauen verwöhnt, an sich zu binden versucht, damit sein großer Plan gelingt. Erst muss er sich ganz sicher sein, dass sie oder sie die Richtige für sein Vorhaben ist, dann kann er den zweiten Schritt wagen.
Für ein wenig Abstand von der aufregenden und fast verstörenden Handlung sorgt der Autor mit seinen Einschüben zum Leben und Wirken Mozarts. Spielerisch vermittelt er Wissen, aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger.
Wer sich Gedanken um „zu viel Mozart“ macht, dem sei gesagt, dass Sebastian Knauer, abgesehen von jungen und ansehnlichen Musikerinnen, auch ein attraktives Ermittlerduo bietet, gewissermaßen eine Hamburg-Wien-ARGE. Das bringt zusätzlich Schwung in den ohnehin lebhaften Handlungsablauf.
Da ich bereits den ersten Musikkrimi des Autors, mit dem Titel Tödliche Kantaten, gelesen hatte, freute ich mich über das Erscheinen eines weiteren Musikkrimis. Die Liste berühmter Komponisten ist lang – ich schöpfe aus diesem Umstand ein wenig Hoffnung, wieder von Sebastian Knauer zu lesen.
Anerkennung gebührt aber auch dem Ellert & Richter Verlag für die Gestaltung des im Oktober 2018 erschienenen Buches. Sehr liebevoll, hochwertig und dem Gebotenen angemessen. Ein solches Buch nimmt man gern zur Hand.

Noch eine Anmerkung zu dieser Rezension. Der Tatort liegt an der polnischen Ostseeküste, in der Nähe von Zoppot. Ermittelt wird sowohl in Wien als auch in Hamburg. Da das Schwergewicht der Handlung aber in Deutschland liegt, habe ich als "Region" auch Deutschland gewählt. 

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