Meine Kommissare

Stefan Maiwald: Italien

Der Knochenraub von San Marco

Der Knochenraub von San Marco

Dieses Buch ist ein Geschenk. Ein Geschenk des Autors Stefan Maiwald an die Freunde Venedigs, an die Freunde lebendiger Geschichte, an Menschen, die sich für Reisen über Land begeistern können und an Krimi-Freunde.
Ich muss dieses Lob einfach voranstellen, weil mich lange ein Buch nicht mehr so begeistert hat, wie Der Knochenraub von San Marco. Ein für meine Begriffe dickes Buch. Mit „dicken“ Büchern tue ich mich üblicherweise schwer. Aber in diesem Fall vergeht die Zeit wie im Flug. Die Handlung treibt den Leser voran. Es gibt keine Wiederholungen, es gibt nur Weitermachen, Weiterhandeln, Neues erleben.
Denn der Protagonist Davide Venier, der Spion des Dogen, und sein ständiger Begleiter, sein Freund und Diener Hasan, eilen in einem Tempo durch die Handlung, dass dem Leser schwindelig werden kann. Nein, das ist keine Kritik, das ist ein bescheidener Versuch, dem künftigen Leser den Schwung in der Handlung zu vermitteln.
Bitte bedenken Sie: Wir befinden uns etwa im Jahr 1570. Da gingen die Uhren anders. Da gab es dieses noch nicht und jenes wurde gerade erst erdacht oder erfunden.
Stefan Maiwald schreibt einen zeitgenössischen Roman. Er versteht es mühelos, den Leser in die Zeit der Handlung zu versetzen. Mit Hilfe heutiger Sprache und äußerst detailreicher Kenntnis damaliger Gepflogenheiten und Lebensumstände. Das ist keine „leichte“ Kost für Schwärmer des „Früher“. Die Handlung wird unterbrochen von heiteren Begebenheiten, von liebenswerten Schilderungen unserer Vorfahren in Italien, Deutschland und Frankreich und von kaum vorstellbarem Unrecht, das damals als Recht ausgelegt wurde, an wehrlosen Menschen.
Der Autor ist kein Schönredner. Er kritisiert nicht im Nachhinein – er schildert, wie es damals zuging. Im Kleinen wie im Großen. Bei den Herrschern und beim Volk. Beim Volk und bei den ganz Armen. Nur dieser notwendige Grad an Nüchternheit macht das aus heutiger Sicht Unvorstellbare vorstellbar.
Die Genauigkeit schafft Glaubwürdigkeit und so wird Der Knochenraub von San Marco zu einer modernen Geschichte. Zu einem ungewöhnliche Krimi, durch den ich ungeheuer viel Neues erfahren habe.
Fehlt noch die Handlung. Wer meine Rezensionen kennt, weiß, dass ich mich mit der (aus meiner Sicht) wenig einfallsreichen Wiedergabe des Klappentextes schwer tue. Die kann jeder Interessierte lesen, da bedarf es nicht meiner Hilfe.
Doch in diesem Fall springe ich über meinen Schatten, weil die komprimierte Inhaltsangabe treffend wiedergibt, was den Leser erwartet und ihn mit den notwendigen Informationen zu einer grundsätzlichen „Kaufentscheidung“ versorgt. Ich bitte um Nachsicht, Herr Maiwald, das war jetzt etwas banal formuliert.
„Die Knochen des Heiligen Markus, Schutzpatron der Serenissima, wurden aus dem Dom gestohlen – Venedigs kostbarste Reliquien und Grundlage der Staatsmacht! Davide soll sie wiederbeschaffen und die Täter ermitteln. Mit seinem Freund und Diener Hasan begibt er sich auf Spurensuche, die über die Alpen bis weit nach Norden führt, denn weitere ähnliche Diebstähle beunruhigen inzwischen die christliche Welt.“
Damit beginnen pausenlos aufregende und aufschlussreiche Begegnungen mit bekannten und unbekannten Zeitgenossen.
Das Buch erschien im Dezember 2017 bei dtv premium.
Bleibt noch die Frage nach der Person des Autors zu beantworten. Ich habe mir erlaubt, einen Auszug aus seinem „kleinen Lebenslauf“ wiederzugeben, den ich auf seiner Website stefanmaiwald.com fand.
"Ein kleiner Lebenslauf
1971 wurde ich in Braunschweig geboren, lebe aber seit 15 Jahren in Italien. Ich schreibe für zahlreiche Reise- und Lifestyle-Magazine, darunter GEO Saison, Merian, Feinschmecker, Traveller’s World, GQ, Playboy und das SZ-Magazin. Im Golf Journal habe ich eine regelmäßige Kolumne. Über Venedig drehte ich 2010 den Dokumentarfilm »Und ewig lockt die Serenissima«, der in 50 deutschen Kinos als Matinee gezeigt wurde. Der Spion des Dogen ist mein erster historischer Roman. Die Fortsetzung Der Knochenraub von San Marco erscheint im Dezember 2017.
Noch eine persönliche Anmerkung, lieber Leser. Dreimal, zuletzt 2007, war ich während des Karnevals in Venedig und habe mit einer Fotogruppe von morgens bis abends nichts anderes getan, als „Masken“ fotografiert. Ich behaupte, dass man dabei gewesen sein muss, um den Venezianischen Karneval auch nur andeutungsweise zu verstehen. Den der Venezianer und den der auswärtigen Besucher.

 

 

 

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