Meine Kommissare

Susanne Mayer-Peters: Hamburg

Das Mahl Tod im Hamburger Rathaus

Das Mahl Tod im Hamburger Rathaus

Das ist der Debüt-Roman der Autorin. Er erschien bereits im Jahr 2013. Zum Matthiae-Mahl, das eigentlich Matthiae-Mahlzeit heißt, werden seit 1356 Vertreter der Hamburg freundlich gesinnten Mächte eingeladen. Zwischen 1726 und 1956 fand das Mal übrigens nicht statt – vermutlich aus Kostengründen. Ehrengäste des diesjährigen Mattiae-Mals (2017) waren der kanadische Premierminister Justin Trudeau und Bundesaußenminister Sigmar Gabriel.
In dem Krimi von Susanne Mayer-Peters ist die Hauptperson ein weniger prominenter Gast. Nein, ein geladener Gast, so wie die übrigen Gäste, ist er auch nicht. Er, Bernd Bernstein, wurde von seinem Chef, Bernd Stein, in das Hamburger Rathaus beordert. Nicht gebeten, ihn an diesem Abend zu vertreten, sondern ganz eindeutig „hingeschickt“ – unter Hinweis auf sein lädiertes Knie und unter Ausnutzung ihre Namens-Ähnlichkeit.
Wer jetzt meint, dass sich Herr Bernstein darüber freut, der irrt. Und zwar gewaltig. Denn das ist nicht Bernsteins Welt. Der Junggeselle mag es lieber ruhig. Sowohl im täglichen Leben (immer noch Junggeselle )als auch im Beruf (von Karriere keine Spur). Alle Gäste kommen mit dem Auto vorgefahren, Bernstein mit dem Fahrrad(!). Er trägt zwar einen Smoking, doch der gehört seinem Freund Rainer (Rainer hat übrigens deutlich kürzere Beine).
Das Menu mundet, die Möglichkeiten zur Konversation sind arg begrenzt. Bernstein registriert auf dem stumm geschalteten Handy mehrere Anrufe seiner Schwester Sonja. Familiensinn, gepaart mit einem ohnehin latenten Fluchtgedanken, bewegen Bernstein, die Veranstaltung lange vor ihrem eigentlichen Ende zu verlassen.
Genau an diesem Punkt nimmt das Unheil seinen Lauf. Unmerklich zunächst, mehr zufällig als beabsichtigt. Der Betreffende, Bernstein, ist ahnungslos.
Sonja bitte ihren Bruder, so rasch wie möglich zu kommen, um ihre beiden Kinder zu betreuen. Sie ist krank, ihr Mann hält sich im Ausland auf. Bernstein, der eigentlich am nächsten Morgen einen vierzehntägigen Urlaub auf Sylt antreten wollte, folgt der Bitte seiner Schwester. Er fährt zähneknirschend aufs Land nach Borsfleth (Nähe Glückstadt). Sein Handy bleibt ungenutzt. Erstens findet er es nicht und zweitens genießt er (auch in Borsfleth) seinen Urlaub, mit den Kindern seiner Schwester. Bernstein braucht weder Zeitung noch Fernsehen, er braucht nur Urlaub.
Nach vierzehn Tagen kommt er wieder zu Hause und in der Firma an und erlebt eine riesengroße Überraschung. Er wird des Mordes verdächtigt. Aus Sicht von Regine Bertram, der ermittelnden Kommissarin bei der Kripo Hamburg, durchaus verständlich. Nicht so aus Sicht von Bernstein.
Zwei Damen schenkt er im Laufe der Handlung sein Vertrauen. Der hübschen Rosie aus der Firma (sie genießt dieses Vertrauen schon länger) und seit der Matthiae-Mahlzeit der hübschen Lilly.
Dagegen scheinen andere Vertrauensverhältnisse zu bröckeln – sehr zu Bernsteins Entsetzen. Jetzt, da er Hilfe dringend benötigt, wird diese ihm versagt.
Wie macht man das? Sich gegen massive Vorwürfe und Verdächtigungen zu wehren? Merkwürdige Dinge geschehen mit Bernstein und im Umfeld von Bernstein. Hilfe erhält der lange Zeit hilflose Junggeselle von unerwarteter Seite.
Die Autorin zeigt, was möglich ist, was jedem passieren kann - und das ist das Unheimliche an der Geschichte. Sie hat einen sympathischen Protagonisten geschaffen. Keine Heldenfigur, aber auch niemanden, den man belächelt. Und wem die Figur des Bernd Bernstein gefällt, der kann in Ein tödlicher Wettlauf ein Wiedersehen feiern. Sie finden meine Rezension dazu auf dieser Website unter Meine Empfehlungen.  

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