Meine Kommissare

Till Raether: Hamburg

Treibland

Treibland

Das ist der erste Band in Till Raethers Reihe mit Kriminalkommissar Adam Danowski. Er erschien 2015 bei rororo. Ich habe ein Buch der 3. Auflage, die 2018 erschien, in der Hand. Daneben liegt zwar der letzte, 2018 erschienene Band mit dem Titel Unter Wasser – ich bleibe aber meinem Motto treu „immer der Reihe nach“ und beginne mit dem ersten Band.
Diese Entscheidung war genau richtig. Denn Treibland enthält die ausführliche Gebrauchsanleitung für die Figur des Protagonisten Adam Danowski. Ja, Gebrauchsanleitung. Denn das, was der Autor zu diesem Protagonisten schreibt, ist eine unabdingbare Voraussetzung für das Verstehen seines Handelns.
Ich habe das Gefühl, dass Till Raether seine künftige Lesegemeinde sorgsam vorbereiten will auf das, was sie erwartet.
Ja, das wird es wohl sein.
Über die Figur des Adam Danowski erfährt der Leser in einem, sagen wir mal „warming up“, so einiges. Er wird ein wenig eingestimmt auf das Verhalten Danowskis in alltäglichen Situationen.
Ab Seite 28 fährt Till Raether schweres Geschütz auf. Jetzt wird die Figur Adam Danowski beschrieben. So funktioniert dieser Mann. So und nicht anders müsst ihr ihn verstehen. Adam Danowski verfügt über eine neurologische Besonderheit. Sie ist Fluch und Segen zugleich – für den zweifachen Familienvater. Hier beginnt bereits die Spannung, vor Beginn des eigentlichen Handlungsstranges.
Till Raether versetzt seine Leser von jetzt an in eine Erwartungshaltung. Nein, Danowski wird nicht zum Held, er besitzt auch keine übersinnlichen Kräfte. Fähigkeiten würde schon eher passen, trifft es aber dennoch nicht.
Danowski ist vom Erscheinungsbild her normal bis zur Langeweile. Sein Verhaltensmuster erfüllt so ziemlich alle gängigen Klischees. Brav, bieder und sehr sparsam im Umgang mit Humor. Sein Neurologe Dr. Fischer beschreibt ihn so: „…schüchtern, ruppig, zickig oder einfach sonderbar“.
Ein Krimi ist nur so gut, wie seine handelnden Personen. Schwächelt das Personal, dann wird das nix. Da kann die eigentliche Geschichte über noch so viel Raffinesse verfügen – die Story wirkt leblos.
Till Raether hat die Haupt- und Nebenrollen sehr liebevoll und sorgfältig besetzt. Das gilt auch für Danowskis Kollegen Finzi, der eigentlich Andreas Finzel heißt. Ich beschränke mich auf die Finzis Erwähnung und überlasse Ihnen, liebe Leser, das Vergügen, die Personalie selber zu studieren.
Treibland ist ein Krimi.
„Tatort“, wenn man so will, ist ein Kreuzfahrtschiff und das liegt im Hamburger Hafen. Genau dort, wo es jeder, der möchte, sehen kann. Die MS Große Freiheit lockt viele Schaulustige an, mutiert aber aufgrund der schrecklichen Geschehnisse schnell zum „Pestschiff“.
Ist das unmöglich, was an Bord geschah und geschieht?
So oder ähnlich vielleicht. Ein Schreckensszenario. Der Autor will niemandem vorsätzlich Angst einjagen. Drohen schon gar nicht. Aber die Summe der sehr detailliert geschilderten Abläufe an Bord und in den zuständigen Dienststellen, die können dem Bürger Angst einjagen. Vertuschen, Verschweigen, nicht zuständig sein, abwarten – all dies beschreibt Till Raether und schafft so ein bedrückendes Stimmungsbild und einen beeindruckenden Krimi.
„Till Raether, geboren 1969 in Koblenz, arbeitet als freier Journalist in Hamburg, unter anderem für Brigitte, Brigitte Woman und das SZ-Magazin. Er wuchs in Berlin auf, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München, studierte Amerikanistik und Geschichte in Berlin und New Orleans und war stellvertretender Chefredakteur von Brigitte. Till Raether ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Bei Rowohlt Polaris erscheint seine Reihe um Hauptkommissar Adam Danowski, Band 1 Treibland, war für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert, Band 2 Blutapfel wird aktuell vom ZDF mit Milan Peschel in der Hauptrolle verfilmt, Regie führt Markus Imboden.“ Diese Information zum Autor fand ich bei rororo.

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