Meine Kommissare

Tom Wolf: Goslar

Feuersetzen

Feuersetzen

Jetzt wird’s ernst.  
Keine Sorge, es gibt zwar bei Tom Wolf keinen Grund, sich vor Vergnügen auf die Schenkel zu klopfen, aber Gründe genug zur stillvergnügten Freude über gelungene Beschreibungen von Menschen und ihre Verhaltensweisen.  
Feuersetzen heißt das Buch, das ich in Goslar fand und gelesen habe. Dann steht noch „Ein Hansekrimi“ auf der Titelseite. Zu Herrn Wolf selbst schreibt der Verlag nur magere dreieinhalb Zeilen. Sehr dürftig – dieser Mann hat mehr verdient. Also, rein ins Internet und unter www.doktor-wolf.de nachgeschaut. Der Mann heißt richtig Dr. Tom Wolf, wurde in Bad Homburg geboren und lebt in Putlitz, Bandenburg.  
Mit den historischen Regionalkrimis von Boris Meyn habe ich mich bereits als Fan dieses speziellen Genres bekannt. Jetzt wurde meine Neugier erneut belohnt.   
Ich gebe es zu, ich bin eher ein ungeduldiger Leser (nicht Konsument). Und da historische Romane eher ein mäßiges Tempo auszeichnet, fällt mir in diesen Fällen der Griff zum Buch etwas schwerer – aber nur etwas.  
Die Website von „Die Hanse“ macht es mir auch nicht viel leichter, mich in die Welt der Hansekrimis einzulesen. Sie ist in dieser Hinsicht etwas dürftig. Ich finde zwei weitere Titel von Tom Wolf, aber nicht Feuersetzen.  
Der Autor beschreibt den Aufenthalt des Pietro Paolo Volpi in Goslar, im Jahre 1552. Was dieser junge italienische Schöngeist während seines Aufenthaltes überraschenderweise erlebt, in welcher Rolle er sich unvermutet befindet und welcher Dame er seine Gunst schenken möchte, das beschreibt Tom Wolf nachvollziehbar und punktgenau. Der Mix aus Goslar, Brauchtum, Ratsherren, Mordbrennerei und herzoglichem Druck ist mehr als nur ein lesenswerter Stoff. Was die Menschen seinerzeit beschäftigt, aufgeregt und bedroht hat, wird trefflich beschrieben.  
Fast hätte ich vergessen zu erwähnen, dass die Ermittler in diesem Fall Herr Volpi aus Padua und der Ratsarchivar Bartholdi aus Goslar sind.  
Die Altstadt Goslar und das Bergwerk Rammelsberg – Weltkulturerbe der UNESCO seit 1992, kommen dabei nicht zu kurz. Auch für diesen historischen Krimi gilt: Einheimischen wird vergessene Heimatkunde wieder vor Augen geführt und wissbegierige Besucher werden neugierig auf diese Region gemacht. 
Tom Wolf ist ein sehr gründlicher Autor. Im Anhang finden sich nicht weniger als achtundzwanzig Seiten Erläuterungen und Aufklärungen zum damaligen Leben und Geschehen. Sehr detailreich und erhellend. Diese Ausführungen machen das Buch für mich noch wertvoller. Dies ist ein Krimi für Kenner der Abteilung historische Regionalkrimis.    

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