Meine Kommissare

Uli Aechtner: Hessen

Keltenzorn

Keltenzorn

Schon der einzelne Autor, ob Mann oder Frau, hat stets meine große Bewunderung für das, was er geschaffen hat. Wenn sich aber zwei zusammenfinden und gemeinsam ein Buch schreiben, dann bin ich voller Hochachtung. Uli Aechtner und Belinda Vogt haben ihr Wissen und Können in Keltenzorn zu Papier gebracht. Da ist keine Naht erkennbar, die Geschichte ist aus einem Guss. Nach dem Studium der Vita der beiden Damen kann ich natürlich Passagen der jeweiligen Feder zuordnen. Dabei bleibt es aber auch.
Noch eine Anmerkung vorweg. Wer dem geneigten Krimileser Geschichte bieten will, stellt sich einer hohen Herausforderung. Die beiden Autorinnen haben diese Herausforderung glänzend gemeistert. Seit Jahrzehnten fahre ich auf dem Weg in den Süden mindestens zweimal jährlich auf der A 7 fast in Sichtweite an der Wetterau vorbei. Bei einem der nächsten Male werde ich hier einen längeren Halt einlegen (versprochen) . Dann schaue ich mir die Keltenwelt am Glauberg an.
Und damit befinden wir uns bereits am Tatort: in der Wetterau, einer der ältesten Kulturlandschaften Deutschlands. Ertragreiche Böden hatten eine dichte Besiedlung zur Folge und diese sorgte wiederum für zahlreiche Spuren. Herausragende Funde sind dabei die Gräber der Bronzezeit Stufe Wölfersheim oder die keltischen Funde vom Glauberg. Besichtigt und bestaunt werden können die Fundstücke dieser Zeit sowie aus anderen historischen Epochen im Wetterau Museum. Diese Weisheiten habe ich Wikipedia entnommen. Dort steht übrigens noch mehr Wissenswertes.
Zurück zum Mord.
Die Archäologin Mara Jordan entdeckt bei Ausgrabungen das Skelett einer keltischen Fürstin. So groß die Freude über diesen äußerst seltenen Fund auch ist – sie hält nicht lange an. Von jetzt an wird der Leser in einem Schnellkurs mit der Welt der Kelten vertraut gemacht und kann nun der sympathischen Mara auf Schritt und Tritt folgen. Er freut sich mit ihr und er leidet mit ihr.
Der Leser lernt Entsetzen in grauenhafter Form kennen und er trifft mit Mara Hauptkommissar Daniel Richter.
Der Protagonist des Buches bearbeitet in der kleinen Kreisstadt Friedberg Routinefälle „Keine fünfunddreißig und schon auf dem Altenteil in der Provinz“ – als Folge eines mehr als gefährlichen Einsatzes in Frankfurt. Diese „von oben“ verordnete Ruhe in der beruflichen Laufbahn des Hauptkommissars wird von einem rätselhaften Leichenfund unterbrochen. An der vielzitierten „Fremdeinwirkung“ besteht kein Zweifel: Die Leiche ist kopflos.
Für die Ermittlungen in diesem Todesfall ist Wissen über keltische Bräuche und Lebensweisen unerlässlich. Das bringt Daniel Mara bei. „Du willst es mit einem keltischen Druiden aufnehmen“, sagte Mara. „Ohne mich kommst du dabei nicht weit.“
Und sie behält recht.
Für gekonnte Verwirrung sorgen Uli Aechtner und Belinda Vogt, in dem sie weitere Handlungsstränge bieten. Der Leser staunt: Geschieht dies heute oder ist es Vergangenheit? Ist die Schilderung keltischer Rituale wichtig und welche Rolle spielen sie? Oder spielen die Autorinnen mit dem Leser?
Klar ist, dass ein Mord aufgeklärt werden muss. Unumstößlich ist auch, dass „die Kelten“ eine Rolle spielen. Aber welche, die von früher oder die von heute?
Keine Sorge, Keltenzorn ist kein trockener Geschichtsunterricht (obwohl neue Erkenntnisse ja nicht schaden können).
Es ist ein Krimi, mit allem, was dazu gehört. Spurensuche, Recherche und auch Action. Jawohl, auch davon verstehen die Autorinnen jede Menge.
Zur Vita von Uli Aechtner erfahren Sie etwas in meiner Rezension zu Todesrauscher. Zu ihrer Co-Autorin schreibt Uli Aechtner auf ihrer Website folgendes: „Belinda Vogt studierte Publizistik in Mainz. Als Autorin und Regisseurin erstellte sie Industriefilme für die Hoechst AG in Frankfurt/M, als Redakteurin war sie bei SAT.1 in Mainz für die dramaturgische Bearbeitung von Spielfilmen und Serien zuständig. Belinda Vogt ist Redakteurin beim ZDF in Mainz. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit ihrer Familie in Wiesbaden.“ 
Keltenzorn erschien 2013 bei emons:, wie übrigens Todesrauscher auch.

 

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