Meine Kommissare

Uli Paulus: Graubünden

Schattengott

Schattengott

Ich mag keine Thriller. Also Krimis, die glauben, durch übertrieben brutale Handlungen auffallen zu müssen. Und obwohl die hintere Umschlagseite deutliche Hinweise auf ebensolche Handlungen enthielt, musste ich dieses Buch haben. Denn es gab noch einen Hinweis: Die Viamala Schlucht als Schauplatz des Verbrechens.
Diese uralte Nord-Süd-Verbindung kannten bereits die Römer. In der näheren Umgebung weisen zudem Felszeichnungen aus der Bronzezeit auf eine noch ältere Geschichte hin.
Auf Reisen mit dem Auto Richtung Süden haben wir schon mehrfach die Via Mala (beide Schreibweisen sind möglich) „gestreift“. Das 2012 erschienene Buch Schattengott schien mir ein deutlicher Hinweis zu sein, mich auch mal literarisch mit  der Region zu beschäftigen.

„Uli Paulus, geboren 1974 in Heidenheim, studierte Schlagzeug, Philosophie und Sprachwissenschaften. Er war viele Jahre als Kreativdirektor in einer Werbeagentur tätig (Anmerkung: Dieser Werdegang kommt mir sehr bekannt vor) und ist Inhaber des Spieleverlags Parland. Seit früher Kindheit mit den Bündner Bergen vertraut, ist er in der Viamala-Region auch als Erfinder des Brettspieles „Viamala“ bekannt. Schattengott ist sein Debütroman“.
So steht es im Klappentext und auf der Website des Emons Verlages.
Eine persönliche Website konnte ich nicht finden.
Den Schweizer Kanton mit Ritualmorden in Verbindung zu bringen, wie es auf der Umschlagseite steht, schien mir doch weit hergeholt. Und erst recht der Hinweis „Der Täter bedroht das Christentum im Bündnerland“. Und so etwas ausgerechnet in der beschaulichen Schweiz!
Um sich etwas auf die Geschichte einzustimmen, empfehle ich, dass Sie sich mit Hilfe des Internets oder mit entsprechender Literatur bzw. entsprechendem Kartenmaterial auf die Region einstimmen.
Die junge Sabina Lindemann soll bei der Kantonspolizei in Chur gemeinsam mit ihrem jungen Kollegen Claudio Malfazi den Spezialdienst 1 leiten. Dieser Dienst ist für Entführungen und Kapitalverbrechen in Graubünden zuständig. So steht es zwar im Buch, gemeint ist aber sicher, dass dieser Dienst für die Aufklärung(!) solcher Verbrechen zuständig ist.
Dass Malfazi, so wird er stets genannt, nicht nur ranghöher, sondern dazu auch männlich ist, führt zwangsläufig zum Kräftemessen zwischen den beiden. Das liest sich spielerisch und nicht gewollt – das ist gut gemacht.
Um Ihnen wenigstens eine Ahnung von der Thematik zu vermitteln, die auslösend für die Verbrechen ist und um Sie als Leser zu ködern, erlaube ich mir, aus der Website des Förderkreises Archäologie in Baden e.V. zu zitieren. Dort wurde nämlich für den 22. Februar 2013 eine Lesung von Uli Paulus aus dem Schattengott angekündigt. Und in der Ankündigung heißt es: „Der spannende Kriminalroman spielt in der Gegenwart, besitzt aber einen Bezug zum römischen Mithraskult.“ Und weiter: „ …als auf dem prähistorischen Felsheiligtum Carschenna bei Thusis drei Frauenleichen gefunden werden. Der Mörder hat kryptische Wortbotschaften hinterlassen, die auf eine antike Mysterienreligion hindeuten.“

Das muss reichen, um Sie neugierig zu machen. 

Dafür, dass der Autor die Region detailgenau beschreibt, gleichzeitig aber auf prospekthafte Schilderungen verzichtet, verdient er Respekt. Das macht ihn glaubwürdig und ihm so leicht keiner nach.
Ich gebe zu, mit dem Thema Mithraskult in dieser ausführlichen Form zum ersten Mal konfrontiert worden zu sein. Was ich dann während meiner Nachforschungen las, bestätigt nicht nur die exzellente Vorbereitung von Uli Paulus, sondern weckte bei Neugierde. Schließlich handelt es sich bei dem Mithraskult um …, nein, lesen Sie lieber selber.

Schattengott verdient den Hinweis Regionalkrimi und ist handwerklich wirklich gut gemacht.

 

 

 

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