Meine Kommissare

Waltraud Brunner: Österreich

Verrat am Wilden Kaiser

Verrat am Wilden Kaiser

Die Autorin hat sich große Mühe gegeben, die Region, besser gesagt den Tatort, punktgenau zu beschreiben. Werfen Sie einen Blick auf ihre Vita, dann wissen Sie, dass sie eine Kennerin der Region ist.
Ihr zweiter Blick, lieber Leser, sollte der Karte gelten. Fällt Ihnen etwas auf, sofern Sie (wie ich) leidenschaftlich gern mit dem Auto verreisen (vornehmlich in den Süden)? Richtig, grob gesprochen liegt die Tatort-Region (Tirol) östlich der E45. Das ist die bequeme Route von München über Innsbruck Richtung Brenner. Wer mehr Zeit und dazu Lust am Fahren durch die Berge hat, wählt die Strecke über den Zirler Berg. Nebenbei bemerkt: Dies ist meine Lieblingsstrecke.
Genau das ist es, was ich an Regional-Krimis, sofern sie ihren Namen wirklich verdienen, so schätze: Neues lernen über Gegenden und Plätze, die man andernfalls nicht kennengelernt hätte. Und dabei auf spannende Art und Weise mehr über Land, Leute und regionale Eigenheiten erfahren.
Eine Almhütte auf tausendfünfhundert Metern Höhe als Tatort zu wählen, dazu gehört schon etwas. Der Aktionsradius ist somit beschränkt. Gut, rechnet man gelegentliche notwendige Fahrten ins Tal dazu, wird mehr daraus. Aber Ort der Geschehnisse ist nun mal die Stripsenjochhütte.
Wer schon mal eine Almhütte besucht hat, nimmt unentwegt Bilder in sich auf. Endlose traumhafte Panoramabilder für den Kopf. Legen Sie mal Ihr Foto-Smartphone zur Seite, schauen nur und brennen die Bilder auf Ihre ganz persönlichen Festplatte. Was Sie nicht sehen, jedenfalls nicht bewusst und im Detail, ist das Funktionieren einer solchen Hütte. Die unglaubliche Arbeit, die erforderlich ist, dass der Gast in dieser Höhe wie im Tal bewirtet wird. Dass es ihm an nichts fehlt und trotzdem alle lächeln.
Waltraud Brunner hat großen Wert auf die Beschreibung der vielen dienstbaren Geister gelegt. Dieses scheinbare Durcheinander ist in Wirklichkeit ein einziges Miteinander und Verstehen. Sonst läuft der Laden nicht.
Das weiß auch der Hüttenwirt Franz.
Hüttenwirt?
Schaut man genau hin, dann ist Franz ein Unternehmer. Diese Bezeichnung hat er sich verdient. Von früh bis spät im Einsatz. Neben Organisieren und Bedienen hat er eine wichtige dritte Aufgabe: Motivieren.
Franz ist somit mehr als gut beschäftigt, zumal während der letzten Wochen der Saison die gute Wetterlage für eine reichliche Anzahl Gäste sorgt. In der Stube und in den Schlafunterkünften.
Und genau zu diesem Zeitpunkt, wo jede Hand gefragt ist, wo nichts schieflaufen darf, da geschieht ein Mord.
Und als ob das nicht genug wäre, handelt es sich bei dem Toten um einen allen bekannten jungen Mann.
Wer tut so etwas?
Wem ist solch eine schreckliche Tat zuzutrauen?
Um die Beantwortung dieser Fragen soll sich der mit einem Hubschrauber eingeflogene Oberkriminalinspektor aus Salzburg kümmern. Sigismund Unterhansl heißt er.
Unterhansl trifft Franz.
Der Mann aus dem Tal trifft den Mann vom Berg.
Zwei Welten prallen aufeinander.
Und das viele Seiten lang.
Man möchte schmunzeln, wenn man den beiden zusieht und zuhört. Bis sie einander verstehen und vertrauen vergeht viel Zeit. Kostbare Zeit. Aber, vergessen wir nicht, es geht um die Aufklärung eines Mordes auf einer Hütte und da scheint die Zahl der Verdächtigen begrenzt. Es kann ja nur einer/eine von der Hütte oder der angrenzenden Bergrettung gewesen sein, oder?
Franz erhebt sich selbst in den Stand eines Ermittlers. Statt Unterhansl ins Vertrauen zu ziehen, denkt und grübelt er. Noch mehr Anlaß für Grübeleien bekommt er, als merkwürdige, unerklärbare Dinge im Umfeld der Stripsenjochhütte geschehen.
Protagonist ist traditionell der Ermittler, also Sigismund Unterhansl. Allerdings gebührt auch Franz ein guter Teil des Ruhmes.
Verrat am Wilden Kaiser erschien bereits im Jahr 2015 bei emons:.
Ein Wort noch zur Autorin: Waltraud Brunner, Jahrgang 1965, lebt mit ihrem Mann und den beiden Söhnen in Kufstein. Sie ist autorisierte Tiroler Bergwanderführerin, Tiroler Naturführerin und Moorführerin. Wann immer es die Umstände erlauben, ist sie in den Bergen unterwegs, vorzugsweise im Naturschutzgebiet Kaisergebirge. 

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